Freitag, 20. April 2012

Auch du..

date 20 April 2006 07:25
subject Re: Auch du



Liebe Malou
Besten Dank für die Literaturvorschläge. Ich kenne diesen Battegay. Er ist der Sohn des bekannten Basler Psychiatrieprofessors, der, als ich noch studierte, eine Kapazität gewesen war. Doch ich mag nicht solche Bücher lesen. Ich sollte eher wieder mal in einen ärztlichen Check. ich hatte mir vorgenommen, dies im Frühling zu machen. Aber eben, der Frühling ist lange. Hat er eigentlich schon begonnen?

Ich habe diese Woche wieder mal ein Weekly mit Walter vor. Es ist jetzt einige Zeit, da wir uns nicht getroffen haben. Ab und zu mailen wir. Aber er ist wirklich sehr beschäftigt. Und über Ostern hat es sosehr geregnet, dass ich für einen Spaziergang absolut keine Lust hatte. Aber am Freitag wollen wir wieder mal unseren Weg unter die Füsse nehmen. Wir kommen dort jeweils an einem Golf-Uebungsplatz vorbei. Sonst aber geht es meist dem Wald entlang. Es ist ein guter Weg, und Lili scheint ihn zu mögen.

Meinem Vater geht es bestens. Er lebt allein in seinem Haus. Meine Schwester und S haben sich darin aufgeteilt, täglich vorbei zu gehen, um nach dem Rechten zu sehen. Sein Gedächtnis lässt zwar nach, aber sein Appetit ist noch immer in bester Form. Onkelchen haben wir in letzter Zeit nur selten mehr besucht. Er ist still geworden. Wenn man vorbeigeht, kann man nur mehr etwa 15 Minuten mit ihm plaudern. Das ist wenig für eine Stunde Hin- und Rückfahrt.

Habe ich dir schon erzählt? Am 1. Mai habe ich mein 25 Jahre Jubiläum in dieser meiner Arbeitsstelle. Ist das nicht verrückt? Keiner sehnt sich nach einem solchen Anlass. Und es ist ein bisschen ähnlich, als ob man in ein Offside hinein laufen würde. Man gibt sich zwar Mühe, sieht aber doch nicht mehr so top aus. Und vor allem, noch die schönsten Tore werden nicht mehr so geschätzt. Ach, wenn ich zurückdenke! Ich kann mich erinnern, dass mein damaliger Chef apodiktisch geäussert hat, in seiner Direktion gebe es nur ein Projekt auf einmal. Er wollte, im Sinne der Ordentlichkeit, dafür sorgen, dass ein laufendes Projekt erst abgeschlossen werde, bevor ein neues in Angriff genommen würde. Und heute? Heute gibt es bestimmt 20 oder 30 Projekte gleichzeitig. Lustig ist auch, sich daran zu erinnern, wie die damaligen Akten ausgesehen haben. Die Psychologen hatten ihre Berichte in die Schreibmaschine mit 5 Durchschlägen auf hauchdünnes Papier gehackt. Die Os und Ds waren völlig ausgestanzt. Und in den Mappen lagen dann 4 solche Berichte als Reserve. Man konnte noch nicht fotokopieren. Erst zu meiner Zeit war das möglich. Doch die Kopien waren grau und vertikal geschmiert, wie man sie heute nicht mehr akzeptieren würde. Und die Psychologen waren ziemlich überheblich. Wenn ich Aktennotizen meines Vorgängers lese, muss ich laut lachen. Er hat sich manchmal wirklich wie der liebe Gott gebärdet. Da sind wir heute doch ziemlich bescheidener und selbstkritischer geworden. Doch damals, das war die Pionierzeit der Psychologie. Sie konnten tun und lassen, wie sie gerade wollten.

Ich habe immer noch Ferien. Und heute wird ein schöner und sonniger Tag werden. Ich habe eine Beige Diplomarbeiten der Fachhochschule erhalten, die ich als Experte 'gegenlesen' muss. Das braucht seine zeit. Ich glaube, ich klemme mir das Papier unter den Arm und lese die Dinge an einem gemütlichen Ort in Basel.

Ich wünsche dir eine gute Zeit
MLG

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