date 20 April 2006 07:25
subject Re: Auch du
Liebe Malou
Besten
Dank für die Literaturvorschläge. Ich kenne diesen Battegay. Er ist der
Sohn des bekannten Basler Psychiatrieprofessors, der, als ich noch
studierte, eine Kapazität gewesen war. Doch ich mag nicht solche Bücher
lesen. Ich sollte eher wieder mal in einen ärztlichen Check. ich hatte
mir vorgenommen, dies im Frühling zu machen. Aber eben, der Frühling ist
lange. Hat er eigentlich schon begonnen?
Ich habe
diese Woche wieder mal ein Weekly mit Walter vor. Es ist jetzt einige
Zeit, da wir uns nicht getroffen haben. Ab und zu mailen wir. Aber er
ist wirklich sehr beschäftigt. Und über Ostern hat es sosehr geregnet,
dass ich für einen Spaziergang absolut keine Lust hatte. Aber am Freitag
wollen wir wieder mal unseren Weg unter die Füsse nehmen. Wir kommen
dort jeweils an einem Golf-Uebungsplatz vorbei. Sonst aber geht es meist
dem Wald entlang. Es ist ein guter Weg, und Lili scheint ihn zu mögen.
Meinem
Vater geht es bestens. Er lebt allein in seinem Haus. Meine Schwester
und S haben sich darin aufgeteilt, täglich vorbei zu gehen, um nach dem
Rechten zu sehen. Sein Gedächtnis lässt zwar nach, aber sein Appetit ist
noch immer in bester Form. Onkelchen haben wir in letzter Zeit nur
selten mehr besucht. Er ist still geworden. Wenn man vorbeigeht, kann
man nur mehr etwa 15 Minuten mit ihm plaudern. Das ist wenig für eine
Stunde Hin- und Rückfahrt.
Habe ich dir schon erzählt?
Am 1. Mai habe ich mein 25 Jahre Jubiläum in dieser meiner
Arbeitsstelle. Ist das nicht verrückt? Keiner sehnt sich nach einem
solchen Anlass. Und es ist ein bisschen ähnlich, als ob man in ein
Offside hinein laufen würde. Man gibt sich zwar Mühe, sieht aber doch
nicht mehr so top aus. Und vor allem, noch die schönsten Tore werden
nicht mehr so geschätzt. Ach, wenn ich zurückdenke! Ich kann mich
erinnern, dass mein damaliger Chef apodiktisch geäussert hat, in seiner
Direktion gebe es nur ein Projekt auf einmal. Er wollte, im Sinne der
Ordentlichkeit, dafür sorgen, dass ein laufendes Projekt erst
abgeschlossen werde, bevor ein neues in Angriff genommen würde. Und
heute? Heute gibt es bestimmt 20 oder 30 Projekte gleichzeitig. Lustig
ist auch, sich daran zu erinnern, wie die damaligen Akten ausgesehen
haben. Die Psychologen hatten ihre Berichte in die Schreibmaschine
mit 5 Durchschlägen auf hauchdünnes Papier gehackt. Die Os und Ds waren
völlig ausgestanzt. Und in den Mappen lagen dann 4 solche Berichte als
Reserve. Man konnte noch nicht fotokopieren. Erst zu meiner Zeit war das
möglich. Doch die Kopien waren grau und vertikal geschmiert, wie man
sie heute nicht mehr akzeptieren würde. Und die Psychologen waren
ziemlich überheblich. Wenn ich Aktennotizen meines Vorgängers lese, muss
ich laut lachen. Er hat sich manchmal wirklich wie der liebe Gott
gebärdet. Da sind wir heute doch ziemlich bescheidener und
selbstkritischer geworden. Doch damals, das war die Pionierzeit der
Psychologie. Sie konnten tun und lassen, wie sie gerade wollten.
Ich
habe immer noch Ferien. Und heute wird ein schöner und sonniger Tag
werden. Ich habe eine Beige Diplomarbeiten der Fachhochschule erhalten,
die ich als Experte 'gegenlesen' muss. Das braucht seine zeit. Ich
glaube, ich klemme mir das Papier unter den Arm und lese die Dinge an
einem gemütlichen Ort in Basel.
Ich wünsche dir eine gute Zeit
MLG
Freitag, 20. April 2012
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