Samstag, 28. April 2012

Schöne Schweiz


                                                                    Foto: Chris

24 April 2007 12:16
subject: top of the world ??


Liebe Malou
Merci für diese Bilder eingetunkt in die süsse Musik Malou. Die Bilder
zeigen nicht die Schweiz, sondern nur einen kleinen Teil, ich würde
sagen das Berner-Oberland. Aber sie sind schön, ein bisschen viele
Kirchtürme, manchmal schlechtes Wetter, aber ganz gut gemacht. Ich mag
es, wenn Bilder auch Menschen zeigen. Sie müssen nicht unbedingt in
Folklore-Tracht herumlaufen. Das ist hier kaum der Fall.
Den Text habe ich nicht verstanden. Wahrscheinlich sagt er bloss 'aha'
und 'oho' und vielleicht ab und zu mal 'ohlala' ?

Ja, wir haben hier schöne Landschaften. Und ich glaube, die Generation
meiner Eltern haben das noch sehr geschätzt und hochgehalten. Sie sind
nicht ins Ausland in die Ferien gefahren. Ihre Ferienorte waren am
Vierwaltstättersee in der Nähe Luzern, oder dann, wenn sie weit fuhren
und ein bisschen ausländische Mentalität schnuppern wollten, sind sie
ins Tessin gefahren. Onkelchen und Tantchen sind oft in die welsche
Schweiz, nach Montreux in die Ferien gefahren. Da gibt es immer noch
riesige alte Hotels, eines davon bestimmt dasjenige, wo Nabokov
während vieler Jahre gelebt hat. Wenn ich frei wählen könnte, würde
ich wohl auch in Vevey, Montreux, Lausann einerseits, oder aber in
Locarno, Lucano andererseits leben. Aber auf den Bildern hast du auch
den Thunersee oft gesehen. Da gibt es auch sehr schöne Ortschaften.
Meine Grosseltern haben eine zeitlang am Thunersee gewohnt. Und wenn
wir dort als Kinder in die Ferien gefahren sind, waren wir täglich auf
dem Schiff. Die Grossmutter hatte nicht besonders viel Fantasie, wir
sind einfach hinauf nach Interlaken und wieder zurück nach Thun
gefahren. Ich habe die Touristen benieden, die Eis-am-Stiel in dieser
wunderschönen glänzenden Verpackung gekauft und gelutscht hatten.
Ach, ich hatte gedacht, sie wären bessere Menschen, dass sie sowas
geniessen konnten und ich nicht. Unsere Oma hat jeweils nur ein dickes
Stück Brot für jedes Kind mitgenommen. Ich weiss noch genau. Sie hatte
einen grossen Busen, und sie hat das Brot jeweils an diesem Busen
geschnitten. Ich habe den Atem angehalten, damit sie sich nicht in ihre
grosse teigige Brustmasse schneidet. Und schliesslich hat sie mit der
Hand das Mehl und die Brosamen weggewischt, die an der Schürze
haften geblieben sind. So auf halber Strecke hat sie uns das Brot dann
ausgeteilt. Wir, mein Bruder und ich hatten ein besonderes Vergnügen
daran, mit dem Brot die Schwäne zu füttern. Sie hat uns das verboten.
Sie war wirklich eine altmodische Frau, dick, klein, mit dünnem Haar.
Zum Frühstück hat sie sich eine riesige Tasse Ovomaltine gerührt.
Es gibt noch eine Tante, dh. eine Schwester meiner Mutter, die lebt
noch und sieht ihr ein bisschen ähnlich. Ich habe diese Grosmama nie
so besonders gemocht. Sie hat oft ein bisschen ratlos in die Welt
geschaut. Die Oma väterlicherseits aber schon. Die war jung und
lebendig und wach, eine kecke Lady.
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Ich wünsche dir einen schönen Tag.
Liebe Ks und GS
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