Samstag, 11. Januar 2025

RE: Studentenleben

 

Ämne: RE: Studentenleben, Strohwitwen, Literatur...undsofort

Liebe Malou
Danke Dir für das nette Kompliment. Du nennst mich Wand, wo Du mich Tattergreis nennen könntest, nicht wahr? Du bist enorm generös!!!

Und offenbar hast Du grosse Pläne mit Deiner breiten Lektüre, die Du bereithältst. Ich mache das auch so. Ich habe meist mehrere Bücher, die herumliegen. Manchmal vergesse ich sogar eines davon, wenn es z.B. im Büro besonders eng zu und her geht. Und später finde ich es wieder und muss mit der Lektüre erneut von vorne anfangen. Ich hoffe, Du wirst mir aus Deinem Buch einige nützliche Tipps für das 3. Alter mitteilen. Ich renne mit verschlossenen Augen auf diesen Abgrund zu. Also bitte, warne mich vor den schlimmsten Überraschungen.

Ein solcher Tipp ist schon das Vorfest, wie ich finde. Eine wundervolle Idee, ein Fest mit einem kurzen Fest vorher zu beginnen. Ich nehme an, die Wirkung ist die des Durchlauferhitzers im Badezimmer, wo das Wasser in einer kurzen Schlaufe mitttels einer aggressiven Gasflamme auf beinahe Kochtemperatur erwärmt wird. Und wenn man dann die Tür zum grossen Festsaal öffnet, wo die Leute in vornehmster Ausstattung gelangweilt herumsitzen, ist man in Hochstimmung und kann der Gastgeberin mit Innbrunst um den Hals fallen. Eigentlich ist es ja ein Geschenk für die Gastgeber, wenn man mit solcher Toplaune antrabt. Und das grosse Fest wird bestimmt vom kleinen profitieren, wenn nicht sogar davon abhängig werden. Gar nicht zu denken an die allerfeinste Insitution des Nachfestes, bei dem man bekanntlich nochmals rasch bei einer fröhlichen Studentin unterschlüpft und noch ein paar Kaffees mit Zutaten geniest. Ach, wie ist die Studentenzeit schön! Und nochmals „ach“, ach was sind wir alten Leute Banausen, und freuen uns zitterig und tatterig auf das blosse eine Fest, wo man dann einen ganzen stundenlangen Abend mit noch längeren Gesichtern herumsitzt, smalltalkt und müde auf die Tischbombe wartet, die den Puls endlich doch endlich noch etwas in die Höhe bringt.
Allerdings, das muss man auch sagen, ist ein solches Vorfest eine irre Arbeit. Wenn alle fein gegessen und getrunken haben, was geschieht dann noch auf dem richtigen Fest? Stehen da alle mit vollen Mägen herum und rülpsen? Es ist, je länger ich darüber denke, desto deutlicher wird es, es ist eine echte Dienstleistung an das Fest. Und natürlich eignet es sich vor allem für ein grosses Fest mit vielen unbekannten Leuten, wo man dann als kleinere Gruppe mit Hochstimmung hereinplatzen kann, so dass alle übrigen bloss neidisch herüberschauen.

Dass sich ein solches Fest in weiten Teilen um einen netten und smarten Bluefish dreht, finde ich so reizend, als ob sich alles in einem spannenden Roman abspielen würde. Ach Malou, manchmal spüre ich diese gewisse Art von Neid gegenüber den jungen Leuten. Ich fühle in meinem Herzen den Wunsch, auch nochmals dabei sein zu können. Ich möchte am allerliebsten wieder in dieser jugendlichen Situation sein, wo alles noch offen und alles noch möglich ist und wo die Welt unbekannt und zauberhaft erscheint. Die Illusionen der Jugend sind doch wunderbar. Und ihre Leichtigkeit ist unwiederbringlich.

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Ich finde es süss, wie Du immer wieder Euren schwedischen Sportlern in internationalen Wettkämpfen den Daumen hältst. Bestimmt hilft ihnen das, den Anforderungen gewachsen zu sein. Und auf jeden Fall war es bei der Skifahrerin Anna Persson (heisst sie so?) ziemlich wirksam. Ich reagiere auch ein bisschen so. Letzte Woche hatten wir am Fernsehen diese grosse Familiensendung „Wetten dass…“. Es geht darum, dass irgendwelche Leute wetten, dass sie dieses oder jenes erreichen könnten. Und Promis wetten mit. Das Konzept der Sendung ist raffiniert erfunden, finde ich. Und es läuft Samstag abends, wenn auch Kinder am TV sitzen. Das ist ziemlich gut so. Jedenfalls behauptete ein Schweizer Bauer an jenem Abend, er könne innert 2 Minuten seine Kuh Rosi melken, und mit der vollen Tasse Milch auf dem Rücken der Kuh einen Hürdenlauf über einige Pferdehürden vollführen, ohne die Milch zu verschütten. Es sah ziemlich komisch aus, als er auf seiner Kuh daherritt und die Glastasse Milch in die Höhe hielt. Er konnte seine Wette gewinnen und wurde vom Publikum zugleich als beste Wette des Abends gewählt. Darüber freute ich mich, weil ich überzeugt war, ein Schweizer Bauer könne eine solche Betätigung gut gebrauchen. Aber sonst bange ich mit den Schweizer Sportlern nicht mehr so sehr mit, wie ich das früher gemacht hatte.

Mauriac kenne ich vom Namen her. Ich hatte nie etwas von ihm gelesen. war er nicht Kulturminister unter De Gaulle? Und bestimmt ist er katholisch, wie die Franzosen eben katholisch sind. Vielleicht kannst Du mir von ihm erzählen?

Der Briefeschreiber ist nicht Rilke. Du hast noch 2 Rate-Chancen. Ich gebe Dir kleine Hinweise: er lebt nicht mehr, er war Wissenschafter und er war und ist wirklich sehr bekannt.

Ich wünsche Dir ein feines Wochenende. Bist Du immer noch grüne Witwe?
Wenn ich in der Nähe wäre, würde ich zu einem Kaffee vorbeikommen!
Mit GS und KS

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