Mittwoch, 15. Januar 2014

vielleicht eine Muschel?




Liebe Marlena

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Du hast mir vorgeschlagen, ich solle dir, statt der CDs, ein anderes Geschenk machen, ein Stein von einem Ufer, vielleicht ein gepresstes trockenes Fyrklöver, eine Muschel. Ich habe das im ersten Moment definitiv zurückgewiesen. Aber wenn ich darüber nachdenke, so finde ich deinen Vorschlag doch irgendwie schön und sympathisch und sehr gefühlvoll. Sehr romantisch, irgenwie passt er gut zu dir. So ein Stein, der für jeden Aussenstehenden absolut nichts bedeutet, der aber für uns ein absolut maladiärer Gegenstand wäre! Du müsstest ihn praktisch in die Schmuckschatulle legen, damit ihn die Putzfrau nicht wegwirft, weil sie denkt, es sei eine versehentliche Verirrung eines gewöhnlichen Strassensteines. Ich hätte da noch eine ganze Schachtel voller Jakobsmuscheln, die ich sehr schön finde. Einige, sehr selten, sind weiss wie Porzellan. Andere sind ein bisschen gebräunt, als ob sie im Backofen gelegen hätten bei guter Oberhitze. Und einige sind schon ziemlich dunkel, als ob der Bäcker ein paar Minuten zu spät gekommen wäre und als ob schon Rauch aufgestiegen sei. Aber einfach so eine aus einer ganzen Schachtel, das ist ein bisschen zu gewöhnlich für Marlena. Ach, da kommt mir in den Sinn, ich habe in Andalusien am Atlantik eine Muschel gefunden, da sind die beiden Hälften noch zusammen, die bilden noch die ganze Muschel. Das ist fast wie eine Kugel, sieht sehr schön aus. Die Natur bringt ja die schönsten Formen zustande! Diese Muschel könnte ich dir geben, die ist so speziell wie ein Fyrklöver. Und dann würde ich irgendwas hineinlegen und die Muschelhäften wieder zusammen kleben, wie in einer rührseligen Novelle aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Das wäre ein Geschenklein für Marlena! Ich glaube, das schenke ich dir. Du kannst es hier jederzeit abholen, meine Liebe. Ich halte es für dich bereit. Ich hab es in meiner Bibliothek auf dem dritten Tablar, von unten gezählt.


 



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