Sonntag, 26. Januar 2014
Repetitiones ???
Subject: Repetitiones ???
Date: Fri, 06 Oct 15:12:00 GMT
Liebe Marlena
Allzu gerne würde ich Annas Artikel "Die Eidechsen von Sorrento" lesen. Schon aus dem Titelwahl sieht man, dass sie schreiben kann. Und sie ist ja auch sehr nachsichtig. Stell Dir vor, sie hätte "Die Echsen von Sorrento" gewählt! Das klingt ein wenig nach Saurier. Und dieses Wort nehme ich auch, wenn ich eine Person als sehr alt, oder doch mindestens altmodisch bezeichnen will. Nun ja, ich zähle mich ja praktisch auch schon zu den Sauriern dieser Welt.
Nach den Erläuterungen von Wertheim komme ich mehr und mehr zum Schluss, dass Du Marlena ein mittelalterlicher Mensch bist. Bist vielleicht kein Saurier, aber doch mindestens ein Büffel oder so was Altehrwürdiges. Du glaubst sosehr an die spirituelle Welt, diese Art von Himmel, die alles Irdische verklärt, dass Du mehr nach innen als nach aussen schaust. (ich sehe, wie wir uns auf der Zürcher Bahnhofstrasse begegnen, aber Du siehst mich nicht, denn du bist sosehr in Gedanken an mich gefesselt). Im Mittelalter hatte ja alles in dieser irdischen Welt neben seiner Ersheinungsweise noch Hinweischarakter. Es deutete auf den Schöpfer hin. Und dieser Signalcharakter war wichtiger als alles andere. Das zu wissen, worauf das alles hindeutete, auf die Schöpferhand des Allmächtigen nämlich, das war entscheidend. Die Wirkung des irdischen Dinges für sich war eher nebensächlich. Deshalb wirkt mittelalterliche Malerei so symbolhaft. Das ist eine Art Zentralperspektive, aber die Fluchtlinien laufen alle auf den absoluten Augenpunkt Gottes zu. Deshalb sind Engel grösser als Menschen, und Kirchen sind grösser als normale Häuser, und die Erlösten sind grösser als die Verdammten. Das ist die göttliche Perspektive. Heute hat jeder seine eigenen Fluchtlinien und alle gehen sie auf individuelle Augen zurück.
Nein, Marlena, das Buch ist nicht schwer zu lesen, und es verlangt auch keine Kunstgeschichtlichen Kenntnisse. Es geht ja nicht um Kunst, sondern um Kosmologie, dh. um Vorstellungen, wie die Welt als ganzes, der Kosmos gebaut ist. Es geht sozusagen eher um Architektur als um Kunst. Aber weil die Künstler diese Vorstellungen in ihre Bilder eingebaut haben, sieht man sie dort wieder sehr plastisch. Und sie erklärt, warum mittelalterliche Bilder aussehen wie mittelalterliche Bilder. Wir haben ja in Europa dank Papst Gregor IV das grosse Glück, dass er Bilder erlaubt hat. Er hat ihnen die Funktion des Textes für die Analphabeten gegeben. Und damit war die Konzession gegeben, alle Kirchen mit wunderbarsten religiösen Bildern zu schmücken und die Kirche hat riesige Summen aufgewendet, solche Bilder in Auftrag zu geben. Das ist bei Juden und Moslems anders, wo ein Bilderverbot bestand. Du sollst Dir dort kein Bildnis machen. Und in der griechisch-orthodoxen Kirche waren die bildnerischen Möglichkeiten sehr eingeschränkt. Die Ikonen sind sehr stilisierte und repetitive Bilder, die so bloss für das Abgebildete selbst stehen. Aber wir in Europa haben jede Menge wundervoller Bilder, vor allem in den katholischen Ländern. Es ist ein unermesslicher Reichtum. Und der liebe Gott müsste in hellste Begeisterung ausbrechen, wenn er hier bei uns sein Familienalbum anschaut. Und Allah und Jehova müssten darob eigentlich neidisch werden.
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Nein Marlena, Du wiederholst Dich nie. Ich habe es noch nie erlebt. Wirklich nicht. Im Gegenteil, Du lässt Lücken. Und manchmal sprichst Du so, als ob Du mir etwas schon erzählt hättest, was Du noch gar nicht erwähnt hast. Es ist genau umgekehrt. Es sind eher Lücken als Wiederholungen. Bei mir hingegen ist es genau umgekehrt. Ich quatsche soviel drauflos, dass ich mich bestimmt manchmal wiederhole. Aber Du bist ja ganz und gar barmherzig!.
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Marlena, mach Dich darauf gefasst, dass mein Brief kein Brief ist, sondern nur ein Papier. Erwarte nicht zuviel Persönliches. Es ist ja nur eine Verbindungskontrolle. Nicht dass Du dann enttäuscht bist. Es wird sein wie ein Reklameschreiben von einer Firma, also nichts, worüber Du dich besonders freuen müsstest.
Dies nur zu Deiner Vorsicht.
Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende zusammen mit Deiner Familie, und ich grüsse Dich mit einigen Ks
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