

Hier noch zwei Bilder. Sie kommen, wie Du sicherlich annehmen wirst, aus der Umgebung des Vatikans. Die Medaille für Christina von Schweden befindet sich, wie Du bestimmt weisst, in S Pietro. Ziemlich nahe beim Eingang auf der rechten seite findet man die riesige Medaille. Sie hängt allerdings ziemlich hoch, so dass man die Inschrift kaum lesen kann. Nicht weit davon steht die Pietà von Michelangelo. Davon schicke ich Dir später ein Bild. Natürlich hätte ich diese katholische Christina niemals gesehen ohne unsere Mailerei. Und das andere Bild stammt von der Piazza Santa. Es war ziemlich warm, und die drei Patres haben sich irgendwo ein Wässerchen organisiert. Ich glaube, sie kommen alle drei von sehr verschiedenen Ethnien. Na ja, zwei Asiaten und ein Westler. Der liebe Gott muss in der Tat mehrsprachig sein. Die Moslems denken, er spreche arabisch, die Katholiken vielleicht immer noch, lateinisch. Aber er kann bestimmt auch ein paar Brocken Schweizerdeutsch! Wenn man von der Piazza Santa durch die Kolonnaden in den Dom will, muss man einen gründlichen Check über sich ergehen lassen. Manchmal gibt es dort lange Warteschlangen. Sie durchleuchten alles: Taschen, Körbe, Mappen etc. Nur die Priester lassen sie ungeschoren durch, wie ich meine. Und dann geht es wieder mehr oder weniger in Kolonne hinauf zum Eingang. Man muss also, wenn man auf den Petersplatz kommt, auf der rechten Seite hinauf. Links lassen sie einen nicht eintreten. Die Piazza Santa ist einfach eindrücklich. Einen solchen Platz gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Das hängt an seiner genialen Gestaltung, aber natürlich auch an den vielen Menschen, die ihn beleben. Man hat irgendwie den Eindruck, hier sei so etwas wie das Zentrum der Welt. Das würden natürlich viele bestreiten, aber eine solche Konzention habe ich sonst nirgendwo gesehen. Na ja, ich habe auch nicht alle Plätze gesehen. Ich würde behaupten, S Marco in Venedig mache einen ähnlich grossen Eindruck auf unsere Seelen. Aber daran sieht man vielleicht nur meinen Eurozentrismus. Der grosse Platz in Isfahan ist jedenfalls von völlig anderer Qualität. Und Times-Square ist kein Platz, sondern eine blosse Strassenkreuzung. Na ja, vielleicht wäre da noch der Wasserturmplatz in Liestal zu erwähnen. Er ist natürlich auch eindrücklich im Sinne der Redensweise: Steter Tropfen höhlt den Stein (meiner Seele). Es ist merkwürdig, wie ich mich in katholischen Kirchen wohl fühle. Ich fühle dort immer einen Frieden und finde mich gut aufgehoben. Das hängt vielleicht schon damit zusammen, dass ich solche Kirchenbesuche mit Ferien assoziiere. In eine Kirche zu treten, bedeutet für mich sozusagen Ferien. Und natürlich sind solche Kirchen immer auch angenehm kühl und ein bisschen dunkel, in Kontrast zur Hitze und Helligkeit der Strasse. Ich kann die Römer verstehen, dass sie ihre schönen Kirchen wie Ruhe- und Meditationsräume nutzen. Und wenn man dann eintritt, zum Beispiel morgens um neun, dann denkt man, man sei allein in diesem grossen Raum. Es sind keine Menschen zu sehen. Man ist beeindruckt vom Raum, von den Säulen, vielleicht von den Malereien oder vom Altar. Man geht herum. Und plötzlich sieht man da und dort Menschen. Die einen sitzen still und scheinen zu beten, oder doch zumindest sich selbst zu suchen und zu finden. Andere gehen herum und schauen sich auch die Kirche an. Vielleicht ist noch irgendwo ein Sakristan unterwegs, der mit irgendwelchen Dingen hantiert. Einziger Nachteil der Kirchen: man kriegt leicht Nackenstarre! Ich hatte in Il Gesû ein lustiges Erlebnis. Ich war so müde und hatte mich auf einen Bank mitten in der Kirche gesetzt. Es gibt dort ein schönes, barockes trompe d'oeuil Deckengemälde, so dass man denkt, man würde geradewegs in den Himmel hinauf sehen. Aber eben der Nacken. Ich sass also ziemlich erschöpft dort und bemerkte, dass ungefähr 4 m vor mier ein Bild aufgestellt war. Es war so schief an einen Stuhl gelehnt. Und wenn immer Menschen vorbeikamen und das Bild betrachteten, hellte sich ihr Gesicht auf. Sie waren ganz begeistert von diesem Bild, vielleicht 50x100cm gross. Und je mehr Leute ich passieren und leuhten sah desto neugieriger wurde ich, was es wohl auf diesem Bild zu sehen gäbe. Ich dachte an einen Grundriss, irgend eine Darstellung, die den Menschen eine Übersicht und eine Einsicht gaben. Ich konnte mir nichts anderes vorstellen als eine erläuternde Darstellung. Und als ich dann meine Kräfte wieder gesammelt hatte und bereit war, mich hin zu diesem Bild zu bewegen, da fand ich ... einen Spiegel. Er war schief gestellt, so dass man, ohne den Kopf in den Nacken zu werfen, die Decke betrachten konnte. Das war ein lustiger Moment. Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
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