Donnerstag, 9. September 2010

Sommernächte im Wallis



Ich habe wundervolle Erinnerungen an warme Sommernächte aus dem Wallis, wie Du dir vorstellen kannst. Was sind wir am Wochenende abends, nach einer Tour durch die Visper Pinten, vor dem Gartentor gestanden und haben diskutiert, geplaudert, vielleicht manchmal bloss mehr gelallt. Im Hintergrund hörte man die Nachtigall. Die Schneeberge im Mondlicht, ein besonderer Anblick. Und dabei Ali und Pudel und ich in heissen philosophischen Attacken. Wir hatten einen grossen Garten und rund um den Garten stand ein robuster rostroter Lattenzaun. Es gab zwei Eingänge. Einer führte vom Gehsteig der Hauptstrasse herein, der andere von der Seitenstrasse. Das Törchen hatte sogar einen Überbau wie eine Pergola, an der die wilden Reben emporwuchsen. Und nach dem Türchen, das perfekt schloss (es musste vor nicht zu langer Zeit einmal repariert worden sein) gingen ein paar Treppenstufen hinauf, um dann geradwegs auf die Eingangstreppe zuzugehen. Unter dem Küchenfenster ging man die Stufen hoch zum Eingang, und all jene in meiner Familie, die im Unterschied zu mir eine feine Nase hatten, konnten schon wissen, was auf dem Mittagstisch stehen würde, bevor sie überhaupt das Haus betreten hatten. Ich roch auch, aber ziemlich ungenau.

Bei diesem Törchen also, so erinnere ich mich, standen wir halbe Nächte. Und dann, wenn ich heimkam, war es vielleicht drei Uhr morgens, brutzelte ich ein Spiegelei, um den Hunger zu stillen und auch, um einen guten Schlaf zu haben. Denn dann legte ich mich nieder und keiner sollte es wagen, mich am Morgen vor 11 Uhr wecken zu wollen.

Wenn ich in solchen Nächten, Vollmondnächten, aus meinem Zimmerfenster hinaussah, dann sah ich in die Berge Richtung Zermatt. Das war, Marlena, das war ein fantastischer Blick. Da konnte man angesichts aller Erhabenheit, schon in jungen Jahren in Verzückung geraten.

Die schönste Nacht aber, immer noch nach meiner Erinnerung, habe ich im Mittelwallis erlebt. Wir waren ...

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