Samstag, 18. September 2010
real life?
Re: Telelove
Meine Liebste Ferngeliebte
Meine Teleliebe, du Allzuschöne. Wie soll ich es denn anstellen? Du sagst, ich mache dich allzuschön. Und das wird Mühe schaffen, uns im real life zu begegnen. Ich kenne die Logik deines Gedankens schon. Und es freut mich zumindest, dass du an die Kategorie real-life denkst. Wer in aller Welt hätte gedacht, dass wir uns heutzutage mit verschiedenen Leben auseinandersetzen müssen, mit real-life und mit virtual-life, mit dem ewigen Leben und dem Höllenleben und der kleinen Kur im Fegfeuer. Es ist doch alles sehr kompliziert geworden. Die Villa des Lebens scheint immer grösser zu werden, immer mehr neue Zimmer und Korridore werden angebaut, so dass man sich kaum mehr zurecht findet.
Weißt du, meine Romfantasien laufen so. Ich denke mir, was wäre der worst-case? Es ist immer gut, eine Lösung auch nach dem schlechtesten Ausgang zu beurteilen. Für mich wäre der worst-case, dass wir sehr abgekühlt oder sogar im Streit aus Rom wieder heimkehren würden. Streit vielleicht wegen Müdigkeit, wegen irgend welcher Missverständisse oder wegen Charaktermängel (! Weißt du, was das ist?), weiss Gott, auch sowas ist möglich. Aber wir wären immer noch begeistert von Rom. Rom selbst, das kann uns nicht enttäuschen. Rom ist so grandios und schön, dass du es selbst mit dem Buckligen von Nôtre Dame geniessen würdest. Es wäre gar nicht anders möglich. Deshalb Rom, und nicht in der Norddeutschen Heide, wo es ausser ein paar Schafen gar nichts gibt. Dort wären wir ganz auf unsere besseren Hälften konzentriert und wege, wenn sie wurmstichig wäre.
Wenn ich dich richtig verstehe, hast du Bedenken vor zwei worst-cases: entweder es ist eine Enttäuschung, und ich bin wirklich nicht der Typ, für den du mich gehalten hast, oder aber, ich bin wirklich die grosse letzte Liebe, und dann würde die Sehnsucht unerträglich. Du denkst, es ist eine Gratwanderung zwischen diesen beiden schlimmen Abstürzen. Ja, ich glaube auch, dass es das ist. Aber ich glaube, der Grat ist breiter, als du denkst. Von unten sehen die Berge immer so eng und spitz aus. Und wenn du oben bist, wirst du erstaunt sehen, wieviel Platz es dort hat und wie schön die Aussicht ist. Man kann sich das von unten gar nicht richtig vorstellen, wie es oben sein muss. Und wir werden von dort eine schöne Aussicht über Rom und den phänomenalen Petersplatz haben.
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