Freitag, 6. September 2024

Tag 6 - Erster Kurstag


Datum: den 25 augusti

Liebe Marlena
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Ja, heute hat er Kurs angefangen. Wir sind ein internationales Gemisch. Da gibt es eine Türkin aus Istanbul, sehr gut gekleidet und chique, ein Franzose, der aber in den Staaten lebt, ein Brite, der in London bei einer schweizerischen Bank arbeitet, eine Mexikanerin, die Tänzerin ist und voller Energie dasitzt, eine Venezuelanerin und daneben noch einige Amerikanerinnen und Amerikaner. Einer hat mir schon vorgerechnet, wie seine Vorfahren vor 400 Jahren aus der Schweiz ausgewandert sind. Er heisst Rosenthal. Und die andere Seite seien Russen. Nun habe ich in der Schweiz noch nie einen Rosenthal getroffen. Na ja, vielleicht eben, weil sie ausgewandert sind. Aber vielleicht denkt er auch, die Schweiz sei das südlichste Bundesland hinter Bayern. Er lebt in Florida. Ich glaube, ich muss ihn näher kennenlernen, ich würde gerne mal nach Florida. Dort haben sie keine Jahreszeiten, die Armen, und wissen nicht, was Schnee ist, die Allerärmsten. Der Brite spricht neben seinem feinen Akzent auch Deutsch und Französisch. Das habe ich bisher nirgendwo gesehen bei einem Briten. Er ist ein bisschen scheu, auch das echt britisch. Die Amerikanerinnen scheinen mir die komischsten Wesen im Kurs. Die eine ist etwas unförmig, dick aufgepudert. Die zweite wirkt asketisch tantenhaft. Und die dritte ist auch ziemlich rund und schaut grimmig in die Welt. Ich weiss nicht, was die Amis mit ihren Frauen machen. All die anderen, die ich aufgezählt habe, sind gut doppelt so sympathisch, wenn man sowas überhaupt quantitativ fassen kann. Unter den Männern sind mindestens drei, vielleicht vier Juden. Einer trägt diese kleine Kappe und sieht ziemlich unappetitlich aus. Die anderen sind passabel, einer ein bisschen vorlaut, aber nicht ohne Witz. Kurz und gut, ich bin hier in eine echt internationale Sauce geraten. Und ich werde versuchen, das Beste draus zu machen, und natürlich das Ansehen der Schweiz zu mehren, wie Du das ja mit Deiner Carolina auch tust. Ein bisschen Chauvinismus ist doch ganz gut, nicht wahr?

Heute habe ich nach dem Kurs noch rasch eingekauft. Ich habe meinen Gastgebern alle Knäckebrote und den Kaffee aufgebraucht. So dachte ich, ich müsste Nachschub holen. Das ging überraschend gut. Ich habe sogar dieselben Wasa Brote gefunden. Und den Kaffee füllt man in einen Sack und malt ihn dann an der Maschine. Ich glaube, das gibt es in der Schweiz nicht mehr. Bei uns kauft man bloss noch vakuumverpackten Kaffee. Nur an der Kasse hatte ich ein Foul begangen. Es gab zwei Kassen, und davor eine Schwarze, die wartete. Ich dachte, sie stehe vor der linken Kasse, und sobald die rechte frei war, ging ich hin. Aber Olala. Sie meinte, da gäbe es eine Queu (wie schreibt man das wieder?). Das hat mich doch sehr an England erinnert. Und dann habe ich gewartet, und ein Mädchen hat mir überholt, weil ich das System immer noch nicht begriff. Dann hat sie ihr Vater zurückgepfiffen und mich vorgelassen. Das erinnert mich wirklich an England. Das hatte man uns vor unserem Ferienkurs in Bournemouth sehr eingeschärft, wie man Schlage stehen soll. Sogar wenn man einziger ist, der wartet, soll man eine Schlange machen. Ich finde das ja auch eine sehr gute und faire Sache. In der Schweiz hat sich diese Gewohnheit etwas abgeschwächt. Man wartet in Traubenform, also das Darwin-Prinzip. Und das gibt immer ein bisschen ein Gerangel. Und dabei sind die hübschen Frauen schwer im Vorteil. Das ist unfair, wo sie doch schon sonst überall Vorteile haben.

Jetzt sitze ich vor meinem Columbianischen Kaffee, nachdem jene Ärztin mir versichert hatte, Kolumbien exportiere erstklassigen Kaffee und erstklassige Drogen. Die Drogen versuche ich später mal.
Gerade sind meine Gastgeber heimgekehrt. Wir hatten uns in Flushing Meadows verpasst. Aber das macht nichts. Es gab dort für meinen Geschmack zuviele Leute und Kinder. Und es war sehr heiss. Als ich wieder im eiskalten Kühlschrank der Untergrund sass, war ich ganz erschöpft. Aber auf dem Rückweg musste ich nicht mehr auf die Stationen achten, um nicht die meine zu verpassen, so konnte ich ein bisschen dösen. Neben mir sass eine südamerikanische Familie mit einem süssen Mädchen. Die Mutter und ihre Schwester waren sehr breit. Es ist erstaunlich, zu was sich eine solch süsse Kreatur später entwickeln kann. Na ja, die Südamerikaner neigen etwas zur Korpulenz, zumal sie alle etwas klein sind.

Und jetzt wünsche ich Dir eine schöne Woche. Bei uns ist jetzt erst Sonntag Abend. Ich weiss noch nicht, was ich heute Abend tun soll. Vielleicht gehe ich hier nach St. Marks, da ist viel los. Aber es ist eher für junge Leute, die sich kennen und treffen, nicht für alte Intellektuelle, die bloss zuschauen.
Ich wünsche dir eine gute Zeit
Mit lieben Krüssen
...


Re:

den 25 augusti  23:01
Gemischtes nichts..


Lieber ...
Oh, wie bist du hart in deiner Beurteilung von anderen Menschen. OK, auf einige lässt du ein bisschen Glanz fallen... aber doch. Ein Glück, dass sie nicht wissen, wie sie von einem scharfsinnigen Psychologen durchschaut und einrangiert werden. ;-) Ich kann es nicht seinlassen mich dabei zu fragen, was du wohl von mir denken würdest bei einer ersten kurzen Betrachtung.
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Heute ist absolut nichts passiert. ...



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