Samstag, 7. September 2024

Amerika gibt es doch

Datum: den 26 augusti 

Liebe Marlena
Es ist gleich 8 und meine Gastgeber schlafen noch. So kann ich nicht zuviel Lärm mit der Tastatur machen. Normalerweise schreibe ich sehr schnell. Heute langsam, wie auf einer mittelalterlichen Schreibmaschine. Ich habe hier ein wunderbares Rezept. Ich drücke zwei Eier mit einer Gabel klein, gebe etwas Mayonnaise dazu und habe so eine Paste, die ich auf das Knäckebrot streichen kann. Natürlich noch etwas Salz. Gut wäre ein Bisschen Tomate beigeben, aber die habe ich hier nicht. Das macht ein exzellentes und sehr handliches Sandwich. Allerdings wird das Knäckebrot bis Mittag etwas weich und ist nicht mehr knackig. Trotzdem, ich habe meine Erfindung gut genossen. Und ich habe mich an jenen Englandaufenthalt Im Gymnasium erinnert. Damals gab es in der Schule in Bournemouth eine kleine Kantine, wo man Sandwich und kleine Dinge kaufen konnte. Der Nachmittag war schulfrei, und so holten wir dort etwas, um an die Beach mitzunehmen. Ich liebte diese Eier Sandwiches mit ein bisschen Salat drin. Ich weiss nicht weshalb, alles war ja ziemlich trocken und staubig, aber ich liebte sie. Une petite madeleine ....

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Nein, Marlena, diese Art von Trance, die wir hier machen, ist therapeutisch. Die Kunst des Tranceurs (falls es ein Wort wie dieses gibt) ist es, dem Patienten oder Subject (wie sie hier in den Texten schreiben) folgen. Und wenn du in Trance bist, realisierst du das alles. Und du weisst, du könntest dich weigern, etwas mitzumachen. Aber es ist leichter, es zu tun, als sich zu wehren. Es geht alles so entspannt und leicht, dass es ein Vergnügen ist. Die Tänzerin hat beschrieben, dass si die Trance braucht während sie tanzt. Sie ist dann sehr wach und ihres Körpers bewusst. Aber viele schauen in Trance etwas dämmrig aus. Das Gesicht ist entspannt. Die Reaktionen sind verlangsamt. Aber man sieht, sie geniessen es. Die Leute wollen gar nicht mehr ins normale Wachbewusstsein zurückkommen, so angenehm ist dieser Zustand.
Es hat also wenig zu tun mit jenen Hypnose Demonstrationen, die man manchmal im Fernsehen sieht. Sie sind autoritär durchgeführt und nutzen das Phänomen für eine Show. Das mag lustig oder gar interessant sein, aber es ist nicht das, was hier passiert. Ich glaube, die Österreicher nutzen die Heilhypnose, wie sie sagen, viel häufiger als wir hier in der Schweiz. Das kommt vielleicht daher, weil auch Freud von der Hypnose ausgegangen war. Die Psychoanalyse ist sicher sehr verwandt, und ich würde behaupten, der Patient auf der Coach ist die meiste Zeit in einer Trance.
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Kennst Du Bichsels Geschichte "Amerika gibt es doch". Gestern hat B. hier gekocht. Sie hatten einen Japaner eingeladen und wir hatten einen vergnügten Abend. Ich wurde gefragt, weshalb ich denn nach NY gekommen wäre. Und ich wollte es etwas spassig machen und meinte, nun, ich wollte doch endlich testen, ob es dieses Amerika wirklich gäbe. Man werde in Europa den Eindruck nicht los, das ganze sei bloss eine perfekte Hollywood-Produktion. Könnte doch sein, dass das alles nur eine grossangelegte Fernsehserie sei, die wir in Europa am Fernsehschirm mitbekommen und naiverweise glauben. Na ja, Bichsels Geschichte hat ja dann noch den Reiz, wie er diese Reise beschreibt, diese Karawane, die immer länger wird, weil sie mehr Schiffe, mehr Wagen, und Wagen für die Wagen und Schiffe für die Schiffe brauchen. Es wird ein zwar globales, aber hoffnungsloses Unterfangen. Aber der erste Gedanke, mit eigenen Augen zu sehen und zu testen, was ist, der ist doch gut und vielleicht mehr ein amerikanischer als ein europäischer Gedanke.

Jetzt muss ich aufhoeren. Ich bin immer noch im Pyjama hier am PC. Meine Kaffeetasse ist leer. Und eben hat mein Wecker geläutet. Das heisst, duschen und vorwärts machen.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag und sende, bevor die ganze Sache abstürzt.
Mit klebrigen Grüßen (Grüßen und Küssen)
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