Samstag, 30. Juni 2018
Re: Gruss
Ämne: Re: Gruss
Datum: den 4 juli
Liebe Marlena
Heute ist mein letzter Tag im Büro vor Ferienantritt. Es ging alles drunter und drüber bis heute morgen. Am Montag war ich noch in einer ärztlichen Kontrolle. Im letzten Moment empfahl man mir eine weitere Operation, weil Druckausgleich im rechten Ohr noch nicht normal funktionierte. Und so haben sie mich am Dienstag ein weiteres mal unters Messer genommen. Das war zwar eine ambulante Operation, aber dennoch mit Ausziehen, auf dem Bettgestell, mit einer örtlichen Betäubung. Es ist äusserst unangenehm, wenn sie dir mitten im Kopf herumfummeln. Und diesen Ein-druck hat man, wenn sie mit ihren spitzen Dingern ins Ohr hineinfahren und einen Höllenlärm veranstalten. Es war wirklich schwer zu ertragen.
Und so war ich gestern noch etwas benommen. Ich bin zuhause geblieben und habe geschlafen und etwas geruht. Aber gepackt habe ich eigentlich noch nicht. Ich glaube, ich überlasse es wieder einmal S. Nur bei den Büchern weiss ich mehr oder weniger, was ich mitnehmen will. Aber es ist zuviel. Ich muss noch etwas dezimieren.
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Ja, Deine Rührung ist völlig in Ordnung und angebracht. Ich habe auf diesem kleinen Laptop geschrieben, was bloss mit sehr spitzen Fingern möglich war, und immer unendlich lang gewartet, bis sich das Ding bis ins Hotmail vorgedrängelt hatte. Es war qualvoll, das hast Du vielleicht nie direkt bemerkt. Ich wollte Dich auch nicht gleich zu Tränen rühren. Aber nun ist das anders. Jetzt ist es, als ob ich mit einem breiten Ferrari zum Himmel fahre. Komfortabel und erstklassig. ;--). Als ob ich mir irgendwo das selige Leben verdient hätte.
Und vielleicht bist Du nicht mein Manual, sondern eigentlich das Muttermal sozusagen (das sollte ein Scherz sein!). Auf jeden Fall bin ich froh, dass Walter sein Monopol nicht extrem ausspielen kann. Sonst halte ich mich nämlich an ihn. Oder noch ein wenig an meine Sekretärin, die auch sehr viel weiss. Aber alles und jedes kann ich sie auch nicht fragen.
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Wenn der Visper meint, die Schweizer seien Füdlibürger, dann meint er bestimmt alle, ausgenommen die Walliser. Ich kenne sie und weiss genau, wie sie das meinen. Das ist die gängige Ideologie im sonnigen Tal. Die übrigen Schweizer sind langweilige Typen, während die eigenen Landsleute wirklich etwas ganz anderes darstellen. Es gibt sogar Leute, die träumen von einer Republik Wallis und einem grossen Casino in der Mitte, um Steuern zu sparen. Ich glaube Peter von Roten hat diesen Gedanken immer wieder ab und zu hochgebracht.
Na ja, die Walliser sind schon ein wenig speziell, eben Südländer, wie die Provenzalen in Frankreich, oder die Bayern in Deutschland. Aber wenn man dann mal hingeht und schaut, wie es in Brig oder in Visp oder Siders so zugeht, da staunt man nur, wie sich alles normalisiert hat in den letzten 20 Jahren.
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Bei uns haben nun auch die Sommerferien begonnen. Auf dem Platz vor meinem Fenster ist es blendend und warm. Nur unter den Bäumen im Café sitzen die Leute. Kinder spielen am Brunnen. Ein älteres Paar kommt vorbei. Sie sind ziemlich sportlich angezogen. Die Rentner sehen heute aus wie Golfspieler mit einem kleinen Handycap. Sie verjüngen sich mit ihren Kleidern. Und wenn der Bus hält, dann flimmert die warme Luft, die aus den offenen Türen aufsteigt. Es muss ein Bratofen sein. Ich mag diesen sommerlichen Platz vor meinem Büro. Und ich weiss, dass Du gerne mal ein Foto sehen würdest. Aber ich glaube, er wird schöner, wenn ich ihn Dir beschreibe. Er ist vielleicht wirklich nicht so schön. Denn darin besteht der Trick jeder Beschreibung, dass sie die Dinge verzaubert. Nun, sie verzaubert eigentlich nicht mal selbst. Der Text gibt nur eine Schlüsselhinweise, und die Verzauberung geschieht im Kopf des Lesers, und eigentlich durch die Lücken im Text. Ich bin überzeugt, dass Du Dir den schönsten Platz vorstellst, voller blonder Menschen in einem milden sommerlichen Klima und einer leichten Brise von der See her.;--)
Die Markisen des Cafés sind heruntergedreht. Und vor dem Haus stehen drei Bäume, die Schatten spenden. Deshalb kann ich die Leute nicht direkt sehen, sondern nur deren Beine, oder ihre farbigen Kleider durch die Blätter hindurch. Das würde ein hübsches impressionistisches Bild abgeben. Aber das mal ich ein andermal.
Der Name "Wasserturm" stammt von einem Turm, der einst hier in der Stadtmauer, gestanden hatte. Ich glaube, hier floss auch der Stadtbach in die Stadt hinein, der dann den Fischmarkt hinunter zur Mühle führte und schliesslich im "See" endete, was ja eigentlich nur ein Feuerweiher war. Die Mühle ist heute ein Restaurant. Na ja, Liestal ist ein kleines Nest. Und wenn Du die ureigenen Liestaler triffst, dann weißt du, was ich meine. Da lob ich mir die Walliser wirklich.
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Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit lieben Grüssen
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