Dienstag, 26. Juni 2018
hotmail und coolmail
Ämne: hotmail und coolmail
Liebes kleines Manual
Keine grossen Gesten also! Lustig, wie man die Gesten im
Mail-Verkehrinterpretieren kann. Oft sind "grosse Gesten"
blosse Zerstreutheit, Vergesslichkeit, manchmal ist es der
Zeitdruck der Tagesgeschäfte, die Tatsache, dass man eine
halbe Stunde später den Kopf mit anderen Dingen gefüllt
hat.
Keine grossen Gesten also! Ich kann hier im Büro kein
Hotmail empfangen. Das heisst, warte, ich versuch es mal.
Ja, Du hast recht, ich kann auch hier im Büro immer noch
ins Hotmail und in meine Box. Das ist echt cool, würden
meine Töchter sagen. Ich habe das so noch nie versucht.
Aber hier geht es viel rascher als mit dem kleinen Labtop
von Walter. Den habe ich im gestern Abend zurück-
gebracht. Das ist ja echt eine Überraschung. Langsam
komme ich auch zum Punkt, Dich "mein kleines Manual"
zu nennen. Und es ist echt beruhigend und angenehm,
ein solch kleines Manual in der Nähe, griffbereit, zu haben.
Man kann es immer wieder brauchen und es bilden sich
kaum Eselsohren. Superbe!
Der langen Worte kurzer Sinn: Du kannst mir also sowohl
auf die ekd Adresse als auch auf die hotmail Adresse
schreiben. Natürlich kann ich die ekd Adresse nur hier in
meinem Büro öffnen. Die andere könnte ich allenfalls
auch anderswo.
Heute fühle ich mich ein wenig krank. Das hat schon
gestern abend angefangen. Lange habe ich hin und her
gemacht, ob ich noch zu Walter gehenmsollte. Aber ich
habe ihm - für die Ferien - sein Labtop versprochen. So
musste ich mich schliesslich dazu zwingen. Es war
mittlerweile 2030h geworden, und Walter hatte mich
schon aufgegeben. Er war glücklich, als ich doch noch
auftauchte. Aber ich habe es kurz gemacht, bin etwas
schläfrig herumgesessen, habe mein Glas Wasser
ausgeschlürft und dann schon nach 2200h wieder
heimgekehrt. A und B waren beglückt, denn sie wollten
noch nach Basel in die Kuppel, um zu tanzen. Das Auto
stand jetzt zu ihrer Verfügung. Die Kuppel ist ein
Szenenlokal, und offenbar haben sie donnerstags die
Musik, die meinen zwei Sirenen besonders zusagt. So ist
alles gut aufgegangen. Ich habe ein Alkacyl geschluckt
und bin etwa um Mitternacht in die Federn getaucht
und erst wieder um Viertel nach Sieben, also zu spät,
aufgewacht.
Ich stelle mir vor, wie Du Dich in den Ferien zuhause zu
schaffen machst. Vor allem die ersten Morgenstunden
- sagen wir von früh um 7 bis etwa 1000h - sind wunder-
schön zu dieser Jahreszeit, wenn die Sonne scheint und
alles so leicht und unbeschwert wirkt. Man kann sich dann
kaum vorstellen, wie das Leben manchmal eng und
gedrückt sein kann inmitten der vielen Verpflichtungen
und Sorgen, die man täglich hat. Natürlich ist alles
Einstellungssache. Aber gelegentlich fühlt man sich doch
eingeengt und umzingelt von den vielen Pflichten. Und das
sollte man eigentlich nicht. Ich denke immer wieder, dass
dies ein Mangel der Lebensphilosophie ist. Aber es ist
natürlich auch nicht reine Willensfrage. Ich denke, es
hängt sehr wohl mit den vitalen Energien zusammen, die
man hat, oder die man eben nicht mehr hat. Und deshalb
sollte man wohl die eigenen Energien pflegen als eine Art
Vorsorge.
Gestern hatte meine Mutter angerufen, und uns -
respektive S - über den Tod eines Verwandten informiert.
Dieser gute Verwandte war noch nicht allzu alt und ist
offenbar ganz still in seinem Bett gestorben. Glücklich,
wer so von dieser Welt gehen kann. Hans war unser
Philosoph in der Familie. Er war Studienrat und hatte
sich spezialisiert auf Altphilologie und auf Philosophie.
Er war Autor mehrere philosophischer Fachbücher und
hat auch für philosophische Lexika gearbeitet. Und
daneben war er ein exzellenter Geigenspieler, unser Hans.
Ich habe ihn mal gezeichnet, wie er mit seinem alten Velo
und seinem Geigenkasten auf dem Rücken an Liestals
Stadttor vorbeifährt. Er hatte Freude an dieser Hommage
und hat mir dann einen langen Brief geschrieben. Und
auch ich hatte immer Freude an Hans und war stolz,
dass wir ihn in der Familie haben. Oft habe ich ihn unten
vor meinem Büro vorbeifahren sehen. Er war immer sehr
einfach gekleidet, hatte im Winter eine Wollmütze auf,
fuhr in einem gemächlichen Tempo und erhobenen
Hauptes vorbei, und machte seine Besorgungen in den
Läden. Gerade gegenüber ist ein Nahrungsmittel-Laden.
Dort kaufte er oft ein und dort habe ich ihn auch ab und
zu zu einem kleinen Schwatz erwischt. Und dann habe ich
ihn immer wieder eingeladen, doch mal bei mir im Büro
einen Kaffee zu trinken. Aber er war nie erschienen und
mimte den Orientierungslosen, der nicht genau wusste,
wo sich denn mein Büro überhaupt befindet. Vielleicht
war er ein wenig scheu?
In den letzten Jahren, nachdem seine Mutter über 90
jährig gestorben war, hat Hans eine Tamilenfamilie in
sein grosses Haus aufgenommen. Er sprach in letzter Zeit
immer von "meiner Familie" und hat sich wie ein echter
Grossvater über die Nachkommen gefreut. Er hat den
Tamilen viel im Umgang mit unseren Behörden geholfen,
hat Gesuche geschrieben, sie auf die Ämter begleitet und
so fort. Er war ein sehr menschlicher Typ. Und in seiner
Freizeit ging er besonders gern ins Wallis, wo er im
Lötschental zusammen mit anderen Leuten eine Hütte
besass. Er kletterte manches Wochenende dort in den
Bergen herum und schwärmte von der Walliser Alpenwelt,
wie ich es selbst, der ich doch dort aufgewachsen war,
niemals so deutlich getan hatte. Sein Bruder Otto war auch
ein begeisterter Berggänger. Und schon in jungen
Jahren war er an einer akuten Blinddarmentzündung
umgekommen, die just während einer Bergtour ausge-
brochen war. Damals gab es noch keine Helikopterflüge
und Handys, und so kam offenbar die Hilfe zu spät. Otto
war Jurist gewesen, und ich kann mich nur mehr ungenau
an ihn erinnern. Er war etwas rundlicher oder muskulöser
als sein Bruder, aber ebenso nett und freundlich wie Hans.
So kam es wohl, dass die Mutter, nach dem frühen Tod
ihres Mannes und ihres ältesten Sohnes, sich umso mehr
auf ihren einzig Verbliebenen konzentrierte. Hans - so
erzählt man sich in der Familie - wollte heiraten und eine
eigene Familie Gründen. Aber seine Mutter war wohl
nicht und niemals einverstanden mit der potentiellen
Schwiegertochter. Ich weiss es nicht so genau. So
munkelte man eher über seine homophilen Neigungen,
und es scheint, dass seine Männerfreundschaften von
grösserer Dauer und von mehr Gewicht gewesen sein
müssen als seine Damenwahlen. Er hatte wöchentlich
eine philosophische Diskussionsrunde, wo man spezielle
philosophische Fragen diskutierte oder Originaltexte
alter Griechen übersetzte. Ach, ich bin böse, ich hoffe,
dass ich etwas aus seiner Bibliothek werde erben
können!
So, siehst Du Marlena, ist doch noch ein Briefchen
zusammen gekommen. Aber ich huste immer noch
und schwitze leicht. Das ist kein besonders gutes
Zeichen. Vielleicht wird es morgen besser.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag, der ja nun bald
zur Hälfte vorüber ist.
Mit einem lieben Gruss
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen