Montag, 13. November 2017
Meine neue Strasse
Liebe Malou
Du bist süss, mein Beichtmütterchen. Aber es ist wahr, ich habe wohl in den letzten Jahren mit dir das meiste aus meinem Leben besprochen, was hier sonst niemand weiss.
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Vielleicht denkst du Malou, dass ich bereits gezügelt sei. Das trifft nicht zu. Ich bin erst daran, in der neuen Wohnung die Küche zu putzen und das Büchergestell anzuschrauben. Und natürlich schiebe ich in Gedanken Möbel hin und her, versuche mir den Gesamteffekt vorzustellen etc. Das ist ein gutes Gefühl. Ich werde - als Anti-Alkoholiker - auch eine kleine Bar einrichten. Von unseren Tessiner Freunden haben wir ein altes Zahnarztmöbel. Es hat viele Schubladen, reicht in der Höhe etwa bis zu den Ellenbogen und ist wasserdicht. Und darüber hinaus steht es auch noch auf Rädern. Man kann es also bei Nichtgebrauch zur Seite schieben. Einzig für einen Fall kann man sich Nachteile ausdenken. Wenn einer der Trinker, vielleicht nach dem 7. Glas Fendant, sich leutselig an den Tresen lehnt, dann wird ihm dieser sanft davonfahren und der arme Beschwipste wird am Boden landen. Ich freue mich schon und erwäge Wetten, wer denn dieser erste sein könnte.
Habe ich dir geschrieben, dass es in meiner neuen Strasse einige ganz netter Geschäfte gibt. Da ist einmal der Italiener. Dort werde ich mir meine Cantalucci besorgen, diese Mandelsüssig- keiten, die zum Kaffee so gut schmecken. Aber er hat auch Gemüse und wunderschönen Salami. Ich glaube, es ist eine echte Italienerfamilie, die das Geschäft führt. Dann gibt es gleich daneben einen Bäcker mit frischem Brot und Croissants. Vielleicht am Wochenende werde ich mir sowas leisten. Sonst schlägt es allzu leicht auf die Linie. Und ein paar Schritte weiter ist diese Buchandlung, die durch die Frau Jennis geführt wird. Jenni hat die Basler Buchmesse aufgebaut. Seine Tochter ist eine international bekannte, noch junge Schriftstellerin. Und diese Buchandlung hat ein sehr schönes Sortiment, wie ich mich schon vor einiger Zeit versichern konnte. Dann gibt es in Reichweite eines Katzensprungs zwei Couffeure, ein Reisebüro, eine chemische Reinigung, ein Fitnes-Center, ein Thai-Restaurant, ein mediteranes Restaurant namens Oliv, zwei Cafés (eines davon ziemlich trendy namens Templum).
Du siehst Malou, ich bin dort in bester Gesellschaft. Aber natürlich werde ich auch etwas auf die Kosten achten und nicht ständig auswärts essen und beim Italiener die exklusivsten Südfrüchte posten. ;--)
Das ganze ist ziemlich abenteuerlich. Und ich glaube, das wird mir für die nächsten 3 jahre twas Energie geben. Und dann sehen wir weiter.
Ich werde dir meine Texte zum Korrekturlesen schicken Malou, und dann können wir uns die Tantiemen teilen! Das sind doch gute Aussichten. Und wenn du nach Basel kommst und die alten Rheinhäfen anschauen willst, dann überlasse ich dir die Wohnung und ziehe mich bei Walo zurück. Klingt das nicht alles sehr vielversprechend? Ach ja, und dann kaufe ich noch so einen Milchschäumer, damit ich einen anständigen Latte macchiato servieren kann.
Liebe Gs und Ks
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