Samstag, 4. November 2017

Cafés in Zürich anno dazumal





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Es war ein schönes und stilles Vergnügen, in den
verschiedenen Buchhandlungen und Antiquariaten
(die im allgemeinen ziemlich düster und staubig
waren) herumzustreichen und nach irgendwelchen
Neuerscheinungen zu suchen. Gelegentlich traf man
dabei irgend eine Kollegin oder einen Kollegen.
Oder wenn ich dann irgend eine Jagdtrophäe erobert
hatte, pflegte ich mich in eines der kleinen Cafés zur
Lektüre zurückzuziehen. Schön war beispielsweise das
Weggen auf der anderen Flusseite. Das Café war ziemlich
diskret in einer schmalen Gasse versteckt. Und wer es nicht
kannte, konnte kaum per Zufall drauf kommen. Es war
modern möbliert, mit unterschiedlichen hölzernen und
farbig gestrichenen Stühlen. Und rechts in einer Nische
stand ein Ledersofa, in das man sich sinken lassen konnte.
Diese Ecke hatte ich immer bevorzugt. Sie war wirklich sehr
bequem. Und dazu gab es im Weggen eine hübsche und
sympatische, schon etwas ältere Servierin, die immer
modisch gekleidet und freundlich daherkam.
Das Café war klein, wohlgemerkt. Insgesamt gab es
vielleicht 5 oder 6 Tischlein mit normalerweise 2 Stühlen.
Oder dann ging ich in jenes kleine Restaurant neben dem
Storchen, das wohl kaum jemand kannte in Zürich. Es lag
für die meisten Zürcher nicht am Weg, weil es gegenüber
des Limmatquais lag. Mir war es aufgefallen, weil man
durch die grossen Fenster eine wunderbare Sicht über
die Limmat hinweg auf den Limmatquai und auf das
Grossmünster hatte. Es war die allerbeste Sicht. Aber das
Lokal an sich war nicht schön. Es verkehrten wenig Leute.
Und an irgend ein bekanntes Gesicht kann ich mich
überhaupt nicht mehr erinnern. Aber ich hatte immer
die Vorstellung, dass man hier in aller Ruhe bei einer
Tasse Kaffee einen Roman schreiben könnte.

Die echten Schriftsteller frequentierten aber damals

immer noch das Odeon am Bellvueplatz. Es war das
bekannte und grosse Wienercafé, das sich in der
Kriegszeit als Flüchtlingsnest einen Namen gemacht
hatte. Dort gab es an den Fenstern vorne kleineTische.
Und der Vorhang hing erst dahinter. Ein Schriftsteller
konnte also den Vorhang ziehen und war dann gegenüber
dem Betrieb im Lokal abgeschirmt. Er schien sozusagen
auf der Strasse zu sitzen, war aber durch die Scheibe von
den Passanten geschützt. In diesen Nischen sind wohl
einige Romane Zürichs entstanden. Und man sagt, dass
auch Max Frisch früher das Café Odeon oft besucht hätte.
Zu meiner Zeit war dem nicht mehr so. Zu meiner Zeit
hatte Frisch schon einigermassen Geld und pflegte sich
ins noble Restaurant gegenüber zurückzuziehen.
Gelegentlich besuchte ich mit einem neuen Buch das Café
am Rindermarkt ganz in der Nähe des Kunstmuseums und
des Schauspielhauses. Das war ein grosses, übersichtliches
Café, das regelmässig gut besucht war. Die Universität
war nicht weit, und es verkehrten auch Studenten dort.
Und gleich im Stock oberhalb war das Sozialarchiv
untergebracht, wo wir gelegentlich nach Literatur
suchten.
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