Montag, 20. März 2017
Die Schweiz - eine riesige Stadt
Liebe Malou
(---)
Merci für die schönen Fotos. Euer Wohnquartier ist wirklich sehr
hübsch. Ich hatte mir in den letzten 20 Jahren oft überlegt, ob wir
mit dem Kauf unseres alten Hauses nicht einen Fehler gemacht hatten.
Ss Wunsch war es auf jeden Fall nicht, in ein 200 Jahre altes Haus zu
ziehen. Und anfangs hatte sie sogar Hemmungen, ihre Verwandten zuhause
zu empfangen, die soviel auf Etikette und auf Selbstdarstellung
halten. Schliesslich hatten unsere Kinder nicht gleich in der Nähe
Freundinnen und Freunde mit gleichem Niveau. Oft hatte ich
gedacht, wie schön es wäre, in einem solchen Quartier zu leben wie
ihr, wo die Kinder sich abends auf der Strasse treffen und zusammen
spielen können. Und S hätte ihre modernen Räume auf maximum zwei
Stockwerken, bequem und sauber gehabt. Aber ich hatte mir damals
gedacht, wie egoistisch es doch sei, in dieser kleinen Schweiz mit so
wenig Landfläche ein eigenes Haus zu bauen oder zu haben, diesen
aufwendigen Lebensstil mit Häuschen und Gärtchen und dem Grill in der
Ecke beim Haselstrauch. Die Schweiz ist wirklich so klein, dass wir,
wenn jeder so leben wollte, unsere Berge abreissen und planieren
müssten. Schon heute gibt es fast keine Zwischenräume mehr zwischen
den Städten und Dörfern. Es gibt Leute, die sagen, die Schweiz sei
eine einzige, riesige Stadt. Und die paar Bauern, die übriggeblieben
sind, muss man als eigentliche Parkgärtner betrachten.
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