Sonntag, 19. März 2017

der gute alte Muff



Liebe Malou
Ja, es ist auch bei uns kälter geworden. Und im Radio haben sie heute morgen schon in der früh vom alten Muff erzählt, diesem Pelzding, in das die Damen von beiden Seiten her ihre Hände stecken konnten. Sogar schlittschuhgelaufen sind sie mit diesen Dingern. Das - so denkt man heute - kann doch nicht ungefährlich gewesen sein. Aber die Sprecherin ergänzte rasch, dass damals eben, um 1900, immer ein hilfreicher Kavalier in Reichweite gewesen wäre. So haben die Damen mittlerweile den (oder vielleicht das??) Muff und den Kavalier verloren!

Sagt man hier, sich französisch verabschieden. Und man weiss nicht genau, ob das besonders diplomatisch oder besonders unhöflich sei. Es ist vielleicht beides zugleich. Wenn man an einem Kiwanis Essen früh wieder auf dem Heimweg gehen will, ist es doch besser, dies zu tun, ohne diese grosse Runde mit Händeschütteln und Abschiedsküsschen zu drehen. Das führt ja doch zur Nachahmung und zu einem Zug der Lemminge. Also ist der französische Abschied ganz elegant und eben dipolmatisch. Andererseits ist ein solcher Abschied gelegentlich doch auch wieder hässlich.

Du sagst, du lebst ziemlich planlos. Na ja, ich glaube sowas spüre ich irgendwie. So wärst du im Grunde die ideale Partnerin, die sich gut auf ihren 'Kavalier' einstellen kann. "Ein liebes Seelchen" vielleicht, wie Heidegger offenbar seine Frau in den vielen Briefen genannt hat. Und heute hat eine ihrer Enkelinnen diesen Briefwechsel veröffentlicht und damit den grossen Philosophen in seinem Machogebaren öffentlich blamiert. Er hatte - so wird publik - neben Hannah Arendt noch andere Freundinnen. Geradezu beneidenswert, denn Hannah war mal eine sehr schöne und doch besimmt zugleich sehr gescheite Frau. Aber einer solchen Disponbilität fehlt doch irgendwie auch die Attraktivität?




 Berthe Morisot Frau mit Muff


subject *s*


Lieber ...,
Wie lustig! Ein "liebes Seelchen" vermutest du in mir? Ich glaube K
würde dir was ganz anderes sagen. ...

Und der gute alte Muff. Ja, ich erinnere mich noch. Meine Tante hatte
einige. Und wenn wir zum sonntäglichen Spaziergang gingen mit meiner
anderen Tante und meinen Kusinen, dann liehen wir Mädchen uns
manchmal so ein Ding aus und schritten wie kleine Damen durch die
Gegend. Meist geschah das auf dem Weg zur Kirche, die in dem
Nachbarort lag. Also doch ein paar Kilometer zu gehen. Und du sagst
sie sind von Beginn des vorigen Jahrhunderts?

Hier ist es richtig winterkalt.. nur der Schnee lässt eben noch auf
sich warten.

Ja, das ist ein schöner Gedanke, dass man den lieben Gott nicht stören
sollte mit kleinen unwichtigen Dingen. Warum um etwas beten, wenn
andere ihn doch viel eher brauchen?

Dies ist in aller Eile hier unten am PC geschrieben. In aller Eile
schreiben ist nicht schön. Ich weiss. Aber ich freue mich auf den
Moment wenn ich es in aller Ruhe tun werde.

Bis dahin alles Liebe und Gute,
Malou

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