Samstag, 15. Oktober 2016

Re: Tagebuch aus ..

 
1 November 07:45

Liebe Malou
Ich will nicht behaupten, dass ich all die Mails nochmals gelesen habe. Ich musste mich ja erstmal draus befreien. Es ist ja ungefähr so, wie wenn ein Lastwagen seine Ware über dich ausschüttet. Du versinkst unter einem Berg von Papier oder was immer und schnappst nach Luft. Und dann habe ich natürlich ein bisschen drin gelesen. Es macht mich immer ein wenig scheu, wenn ich meine eigenen Mails lese. Ich weiss nicht, weshalb das so ist. Vielleicht so scheu, wie man wird, wenn man jemanden nackt sieht?
Jedenfalls kann ich mich ganz gut an jene Zeit erinnern. Bloss mit den genaueren Daten bin ich mir nicht so sicher. Abr die Ereignisse sind ziemlich gut in meinem Gedächtnis verhaftet.
So bin ich also gestern Abend nach Rheinfelden gefahren und zum Eden hinaufgestiegen. Es ist ziemlich alles beim alten. Zuerst habe ich HJ angetroffen. Er schien mir ziemlich glücklich und zufrieden. Er hatte damals Probleme mit seinem Chef, und jetzt hat er einen neuen Chef. Na also. Und an der Börse verdient er immer noch ziemlich viel Geld. Er hat sich auch damals jeden Tag mit der Börse beschäftigt, wie ich feststellen konnte. Dann kam M, die Coiffeuse. Wie immer war sie perfekt gestylt und hübsch aufgemacht, strahlend und guter Dinge. Aber natürlich wissen wir alle schon länger, dass da viel Fassade dabei ist. Immerhin, sie machte eine gute Figur. Dann kam S, die kleine Blonde. Sie hatte ziemlich an Gewicht zugenommen, wie mir schien, war hübsch aufgemacht und ein bisschen aufgedreht. Und zuletzt kam noch H von Zürich, in seinem alten Schritt den Kopf leicht voran. Er hatte in der Rechten einen grossen Plastiksack, in dem er, wie sich dann noch herausstellen sollte, Geschenklein für die Damen mitbrachte.
Wir haben vorne im Restaurant gegessen. Ich habe mich auf einen Salat beschränkt, nachdem ich mittags schon mit A.gegessen hatte. Und dabei haben wir alte Erinnerungen aufgefrischt und nach dem Stand der Dinge gefragt. Und das nun war schon überraschend.  ...
 
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So und jetzt ist Donnerstag und ich sitze im Büro. Gestern habe ich hier ein bisschen gefroren. Heute will ich mir mehr bewegen, damit das nicht mehr passiert. Übrigens sehe ich drüben auf dem Hausdach eine einzige Taube. Sie hockt dort ganz allein in der Kälte. Aber die Wetterprognosen sind nicht schlecht. Es soll - wenn sich der Nebel löst - sonnig werden. Das wollen wir doch wirklich hoffen.
Liebe Gs und Ks
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