1 November 07:45
Liebe Malou
Ich will nicht behaupten, dass ich all die Mails nochmals gelesen
habe. Ich musste mich ja erstmal draus befreien. Es ist ja ungefähr so,
wie wenn ein Lastwagen seine Ware über dich ausschüttet. Du versinkst
unter einem Berg von Papier oder was immer und schnappst nach Luft. Und
dann habe ich natürlich ein bisschen drin gelesen. Es macht mich immer
ein wenig scheu, wenn ich meine eigenen Mails lese. Ich weiss nicht,
weshalb das so ist. Vielleicht so scheu, wie man wird, wenn man jemanden
nackt sieht?
Jedenfalls kann ich mich ganz gut an jene Zeit erinnern. Bloss mit
den genaueren Daten bin ich mir nicht so sicher. Abr die Ereignisse sind
ziemlich gut in meinem Gedächtnis verhaftet.
So bin ich also gestern Abend nach Rheinfelden gefahren und zum
Eden hinaufgestiegen. Es ist ziemlich alles beim alten. Zuerst habe ich
HJ angetroffen. Er schien mir ziemlich glücklich und zufrieden. Er hatte
damals Probleme mit seinem Chef, und jetzt hat er einen neuen Chef. Na
also. Und an der Börse verdient er immer noch ziemlich viel Geld. Er hat
sich auch damals jeden Tag mit der Börse beschäftigt, wie ich
feststellen konnte. Dann kam M, die Coiffeuse. Wie immer war sie perfekt
gestylt und hübsch aufgemacht, strahlend und guter Dinge. Aber
natürlich wissen wir alle schon länger, dass da viel Fassade dabei ist.
Immerhin, sie machte eine gute Figur. Dann kam S, die kleine Blonde. Sie
hatte ziemlich an Gewicht zugenommen, wie mir schien, war hübsch
aufgemacht und ein bisschen aufgedreht. Und zuletzt kam noch H von
Zürich, in seinem alten Schritt den Kopf leicht voran. Er hatte in der
Rechten einen grossen Plastiksack, in dem er, wie sich dann noch
herausstellen sollte, Geschenklein für die Damen mitbrachte.
Wir haben vorne im Restaurant gegessen. Ich habe mich auf einen
Salat beschränkt, nachdem ich mittags schon mit A.gegessen hatte.
Und dabei haben wir alte Erinnerungen aufgefrischt und nach dem Stand
der Dinge gefragt. Und das nun war schon überraschend. ...
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So und jetzt ist Donnerstag und ich sitze im Büro. Gestern habe ich hier
ein bisschen gefroren. Heute will ich mir mehr bewegen, damit das nicht
mehr passiert. Übrigens sehe ich drüben auf dem Hausdach eine einzige
Taube. Sie hockt dort ganz allein in der Kälte. Aber die Wetterprognosen
sind nicht schlecht. Es soll - wenn sich der Nebel löst - sonnig
werden. Das wollen wir doch wirklich hoffen.
Liebe Gs und Ks
...
...
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