...
Denk an die Gefühle, die uns in einem orientalischen Bazar aufkommen. Wir
gehen herum, halten krampfhaft unsere Börse und nehmen die Fröhlichkeit und
Nettigkeit des Verkäufers als reinen perfiden Hinterhalt. Aber er meint sein
Lächeln nicht als Trick, er will durchaus freundlich sein, er will dich
gewinnen und seine Regeln des Handelns erlauben ihm dies alles. Dass man die
Artikel in seinem Laden mit einem Preisschild bezeichnen könnte, fände er
einigermassen dumm. Das würde ihm die ganze Freude des Verkaufes nehmen,
und er hätte keine Möglichkeit, bei einer ärmeren Frau sein Mitleid fliessen zu
lassen, bei einem Reichen den Betrag wieder hereinzuholen, also eine Art von
kleiner Gerechtigkeit spielen zu lassen. Auch solche Händler haben, wie ich
immer wieder festgestellt habe, ein grosses Ehrgefühl. Das Ziel des
Verkaufes ist vielleicht, beide, Händler und Käufer glücklich zu machen. Und
wenn das manchmal auf der zweiten Seite nicht zu lange andauert, liegt es
meist an der Dummheit des Käufers. Im orientalischen Markt gehen Käufer und
Verkäufer davon aus, dass beide wissen, was sie wollen. Der Käufer hat die
Ware geprüft - dazu dient nicht zuletzt die Zeit, die er beim Feilschen
einsetzt - weiss, wieviel Interesse er dafür hat, ob und wie dringend er das
Ding braucht. Zur gleichen Zeit prüft der Verkäufer den Käufer, versucht
herauszufinden, wie gross sein Interesse ist und wie viel Ressourcen er zur
Verfügung hat. Im Spiel des Feilschens werden diese zwei Positionen zwischen
zwei Menschen, das heisst eben Personen mit all ihren Fähigkeiten und
Möglichkeiten von den schauspielerischen bis zu jenen Zufälligkeiten des
Momentes ausgespielt, um einen Konsens in der Mitte zu suchen. Doch die
Mitte ist eben nicht allein von anonymen Marktgesetzen vorbestimmt, sondern
ist ein Resultat des Horizontkreises, den die beiden Akteure des Marktes
ziehen. Darin ist viel Menschliches und einer guten Feilscherei zuzuschauen,
das ist soviel wie ein kleines Kunststück geniessen. Meine Schwiegermutter
ist darin eine Künstlerin. Und sie versteht es, ihre Feilschereien immer
sehr lustig zu machen. Vielleicht ist das eine Strategie, das Herz des
Gegenübers aufzuweichen? Auf jeden Fall ist Lachen, wie wir alle wissen,
gesund. Es handelt sich also nicht bloss um Kauf und Verkauf, sondern ebenso
um eine kleine Therapie, um eine soziale Unterhaltung, um einen Wettbewerb,
ein Spiel, um eine moralische Auseinandersetzung, kurz und gut: um die
Begegnung zweier Menschen. Doch davon haben wir Westler kaum mehr Ahnung.
Der orientalische Markt erfordert Intelligenz, der westliche vielleicht
bloss Geld.
Doch wir waren bei Blix. Auf diesem Eis also bewegt sich der gute
schwedische Diplomat. Doch als Diplomat wird er sich in solchen Dingen
auskennen. Die grösste Schwierigkeit dabei ist ja doch wohl das dauernde,
primitive Säbelrasseln der Amerikaner, das wir alle kaum mehr zu ertragen
vermögen.
*
Heute ist einigermassen mildes Wetter mit einem hellen, leicht bewölkten
Himmel. Ich habe viel zu tun heute Samstag. Und nachmittags möchte ich noch
rasch nach Basel. Ich glaube, es gibt Ausverkauf und ich will mal sehen, ob
ich mit meinen Möglichkeiten des Feilschens etwas erreiche.
Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
Mit lieben Grüssen
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Samstag, 12. Januar 2013
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einen lieben Gruß sende ich Dir ebenfalls.
AntwortenLöschenNur das Wetter hier ist "Frostig" ;-) ansonsten eine schöne Woche und ! Du weisst ja....
"dess en bra dag
att ha en bra dag"
hoffe das stimmt so. :)
Bist du am Schwedisch lernen, George?
LöschenNa ja, "dess en bra dag" verstehe ich nicht. Möchtest Du es mir erklären?
Dir ebenfalls alles Gute.