Donnerstag, 24. Januar 2013
"Das schweigsame Fräulein"
Subject: Besser spät ...
Date: Fri, 17 Mar 00:36:34 +0000
Lieber ... !
Heute früh, auf dem Weg zur Arbeit, spürte ich es deutlich. Ein ganz besonderes Licht, die Farbe des Himmels und die Bäume, immer noch Silhouetten, aber nun schon mit einem leichten lila Schimmer in den Kronen, deuten es an: Der Frühling ist unterwegs. Ich mag diese Zeit so sehr, diese Vorahnung von dem Schönen, das bald kommen wird. Noch weiss ich dass es eine Zeit dauern wird bevor es soweit ist aber dann kommt plötzlich der Augenblick wo ich alles aufhalten möchte... noch eine Weile warten ...
Es ist so auch in dem Text von Erich Kästner den ich dir sandte. Ich möchte nicht dass das Bild fertig wird, ich möchte noch keine Gardinen... ich möchte den Mann weiter erzählen hören denn ich ahne was er damit meint und es ist schön ihm zuzuhören :-)
Eigentlich habe ich es dir aus keinem besonderen Grund geschickt (glaube ich). Aber unser Mailen hat mich an diese kleine Geschichte erinnert.. vielleicht weil er immer viel mehr sagt als sie ;-)
Wozu wir sie verwenden? Nur so zum lesen und uns über den Inhalt zu unterhalten. Es geschieht dann mit kleinen Gruppen von älteren Schülern die schon ein Bisschen besser Deutsch können.
Wie du siehst ist es wieder sündig spät geworden. Ich glaubte ich würde ganz frei sein heute Abend aber es kam anders und erst jetzt komme ich zum Schreiben. Mit grosser Spannung habe ich von deiner unheimlichen Geliebten gelesen und ich muss zugeben dass ich zuerst ein wenig eifersüchtig war auf sie ;-) Wer möchte nicht gern so schön und tief geliebt werden.. Und dann habe ich wieder herzlich gelacht weil du so lustig bist und aus Erleichterung, denn es freut mich dass ich dich nicht mit einem so attraktiven Wesen teilen muss.
Du schreibst mir so viel interessante Dinge und gern möchte ich alle beantworten. Ich tue es auch, aber meist nur in Gedanken.. und wie sollst du es wissen können.
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Ich kann es nicht sein lassen. Schicke dir noch ein Gedicht von Rilke. Dieses kennst du ganz bestimmt, aber vielleicht hast du es lange nicht mehr gelesen.
LIEBESLIED
(Capri 1907)
Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich
der aus zwei Saiten e i n e Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süsses Lied.
Wünsche dir eine gute Nacht (oder einen schönen Tag)
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