Campidoglio da Aventino
über Varlin, Renaissance ...
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Ach, Marlena, ich erzähle dir soviel von diesem Varlin, den du noch nie gesehen hast. Vielleicht langweilt dich das eher. Wenn du mal in die Schweiz kommst, werde ich dir Bilder zeigen.
Nach der Ausstellung sind wir essen gegangen und haben noch geplaudert. Es war ein milder und schöner Sommerabend. Und viele Leute waren unterwegs.Und als ich heimkam, habe ich noch ein bisschen gelesen:
Rom lag am Anfang des 15. Jahrhunderts, also vor der Zeit der Renaissance, darnieder. Die Tempel eingestürzt, die Häuser baufällig, ganze Stadtteile verlassen, überall Schlammlöcher, Hunger, es mangelte an allem.
Rom zählte damals 17000 Einwohner. Dieser Rückgang hatte den Verfall grosser Flächen und Quartiere verursacht. Die Kirche San Paolo wurde als Stall benützt. Auf dem Forum und dem Kapitol weidete das Viel. Deshalb hiessen sie auch Campo Vaccino (Kuhweide) und Monte Caprino (Ziegenhügel).
Papst Martin V machte den Wiederaufbau Roms zum Ziel seines Pontifikats. Er war selbst ein begeisterter Sammler von Marmorbildwerken und Grabstätten. Und zwar, das ist wichtig, unabhängig, ob sie christlich oder heidnisch waren. Im Mittelalter wurden ja viele antike Kunstwerke und Statuen beschädigt, weil man sie für heidnisch, also unchristlich hielt. Den Köpfen wurden die Gesichter weggehackt. Und jetzt kommt plötzlich ein Papst, und sieht in diesen Werken nicht bloss religiöse, sondern ästhetische Qualitäten. Das war neu, und das war wohl der Anfang der Renaissance. Wenn man überhaupt so einen Anfang benennen kann. Doch die Wiederbelebung der Antike war der erste Schritt für eine kulturelle und politische Wiedergeburt. Martin V liess viele wichrige Gebäude wieder aufbauen, zB 1427 den Palazzo Senatorio mit der Torre di San Martino V. Er liess die Kuppen des Pantheon teilweise mit Bronzeplatten decken. Auf sein Raten wurde 1425 das Amt des Magister Viarium wieder eingesetzt. Der sollte auch verhindern, dass alte Gebäude einfach verscherbelt und als Steingrube benützt würden.
Papst Eugen IV war weniger wirksam. Er musste nach einem Volksaufstand nach Florenz fliehen und sich in Sicherheit bringen. Während seines Pontifikats fanden die Konzile in Ferrara und Florenz statt, wo es um die Einheit (Rom und Konstantinopel) der Kirche ging. Auch der oströmische Kaiser Johannes VIII war dabei. Und an diesem Konzil nahm auch ein gewisser Prälat teil namens Leon Battista Alberti. Der Florentiner Baumeister und Theoretiker war nach Rom gekommen mit dem Entwurf für die Cancelleria, die päpstliche Kanzlei, mit der er beeauftragt war. Er stellte sich in den Dienst Eugens IV und konnte die Ereignisse zur Wiedervereinigung von West- und Ostkirche mitverfolgen. Er war geprägt durch die Wiederentdeckung der Kultur der römischen Antike. Das prägte sein Denken. Er verbrachte fast 40 Jahre seines lebens in Rom und Schriften wie descriptio urbis Romae und den Traktat de re aedificatoria, das von Vitruvs de architectura inspiriert war. Alberti hat in diesem Werk - so glaube ich wenigstens - die Bildberpsektive entwickelt. Das ist die grosse Errungenschaft der Renaissance. Im Mittelalter haben sie nicht perspektivisch gezeichnet. Die wichtigen Figuren waren gross, die unwichtigen klein. Deshalb wirken mittelalterliche Bilder so unmittelbar und naiv und kindlich. Und dann kam die Perspektive und die Vorstellung, ein Bild sei wie ein Fenster, wo man hinausschaut, in die Tiefe der Welt. Diese Bildvorstellung dauerte bis in die Moderne. Erst heute malt man wieder Bilder, die sagen, ein Bild ist ein Bild, nicht ein Fenster. Du weißt schon, wie das gemeint ist? Es gibt doch dieses berühmte Bild vom belgischen Maler Magritte. Er hat oben eine Tabakpfeife gemalt, ziemlich kühl und nüchtern. Und darunter hat er mit einer Schülerschrift geschrieben "ceci n'est pas une pipe". Das ist genau dieses Bildproblem, die Frage der Konzeption des Bildes. Es ist nicht eine Pfeiffe, sondern das Bild, die Abbildung einer Pfeife. Und da besteht doch ein erheblicher Unterschied.
Nebenbei gesagt, ich habe seit langem die Idee, ein Porträt meines Chefs zu nehmen, darunter zu schreiben ceci n'est pas une pipe und dann einzurahmen. Das wäre ein Skandal. Im deutschen meint "Pfeife" auch jemand, der zu nichts zu gebrauchen ist. Es wäre ein intelligentes Bild, aber wahrscheinlich würde er mich noch gleichentags feuern. Sowas würde er nicht auf sich sitzen lassen. Ich muss vielleicht jemanden suchen, der nicht soviel Macht hat. Aber es würde natürlich ein riesiges Lachen geben hier in der Region Basel, dass man es bis zu euch oben hören kann.
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Heute oder morgen wird die Verbindung zwischen Dänemark und Schweden eingeweiht, nicht wahr, oder dem Verkehr übergeben? Wie heisst es, Ölsund oder so. Dann brauchen die Elche nicht mehr nasse Füsse zu bekommen, wenn sie nach Dänemark auswandern wollen. Dann können sie in Kolonnen über diese Brücke wandern und in der Mitte noch ein schönes Picknick machen ;--)
Wenn ich dich jetzt in Stockholm besuche, könnte ich dies trockenen Fusses. Nun ja, das wäre ja schon bisher möglich gewesen, aber mit einem grossen Umweg, nicht wahr? Aber jetzt könnte ich wirklich gleich meine Pantoffeln anbehalten. Das ist doch ein gutes Gefühl. Ich werde es mir überlegen.
Bis dahin wünsche ich euch allen eine gute Zeit
Und vor allem meiner Allerliebsten Allzuschönen
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