Lieber ...
Ich habe das schöne Gedicht gefunden. Kannst du dir das vorstellen? Unter
allen tausend Papieren die hier herumliegen hatte ich es plötzlich in der
Hand. Nur zwei Blätter auf denen ich damals, als ich noch studierte, ein
paar Gedichte von Rilke niedergeschrieben habe, die mir besonders gut
gefielen. So lautet das Herbstgedicht:
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
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Ach, nun hast du mich wieder zu Rilke geführt und ich kann mich kaum
von ihm trennen. Ich habe noch ein paar wunderbare Gedichte
hier niedergeschrieben. Aber ich hebe sie auf für später, für einen
finsteren Tag wenn wir etwas Licht brauchen.
Hast du übrigens bemerkt wie Rilke in einem Gedicht neben sehr erhabenen
vergeistigten Gedanken plötzlich ganz konkret werden kann? Ich werde dir
später ein Beispiel geben.
*
Für alle Rilkefans:
http://mitrilkedurchdasjahr.
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