Freitag, 17. Juni 2011

Re: Bauernfrühstück

Date: 18 Feb 2008 08:54
Subject: Re: Bauernfrühstück


Liebe Malou
Ja, vielleicht hast du ja recht. Du kannst es besser beurteilen,
...

Das schwedische Experiment mit den Schulen ist interessant. Laut Pisa
Studien sind schwedische Schulen ja nicht ganz so schlecht, wie ihr
sie vielleicht selbst beurteilt. Und auch bei uns in der Schweiz
kritisiert man die Situation der Schulen oft und ausgiebig. Doch in
dieser Diskussion bist du der Fachmann respektive die Fachfrau. Ich
bin bloss ein Dilettant. Wenn du meine Meinung hören willst Malou? Ich
denke, die veränderte gesellschaftliche Situation (Globalisierung,
gesellschaftliche Stellung der Frau in der Schweiz, Bedeutung der
Familie, Immigration, materieller Wohlstand, Bedeutung der Oekonomie)
verlangt auch von der Schule grosse Veränderungen. Und die haben wir
noch nicht gänzlich geschafft. Die heutigen Kinder und Jugendlichen
sind nicht mehr erzogen, sind es gewohnt, selbst zu entscheiden was
tun und was nicht tun, sind gemischt mit vielen Fremdsprachigen, sind
überhäuft mit Medieninhalten, sind vollgestopft mit Sex- bis hin zu
Porno-Bildern, sind aufgewachsen in einer Bilder-, nicht einer
Textwelt, sind oftmals Einzelkinder, sind ohne die Erfahrung einer
Grenze zwischen Kindern und Erwachsenen usw. usw. Das ist eine völlig
verschiedene Situation als jene unserer Jugend. Stell dir vor Malou,
wie wir damals waren!

Ist die Schule nicht ein Produkt des scholastischen Mittelalters? Es
gab früher eine markante Grenze zwischen Kindern und Erwachsenen,
besonders, was das Wissen betrifft. Es gab Autoritäten. In der Schule
sassen die Scholaren zu Füssen ihrer Lehrer. Das Lernverhältnis lag
vielleicht bei 1 : 30. Das ist schon eine markante Hierarchie.
Wir müssen heute die Lehr- und Lernmaschine Schule umbauen. Die
heutige Jugend lernt anders als die der früheren Generationen. Sie
weiss in gewisser Weise mehr, andererseits vielleicht auch weniger.
Sie ist autonomer. Sie ist in vielen Bereichen auch aktiver. Aber -
und das ist ein grosses Problem - viele Kinder und Jugendlichen kommen
aus Kulturen, die - an unserem Masstab gemessen - vielleicht 200 oder
300 Jahre zurück sind. Dieses Gap lässt sich nicht in einer Generation
überwinden.
Ich glaube, dass ein solches Experiment, wie du es von Schweden
berichtest, Erfolg haben wird. Wie du sagst, schon die Präsenz des
Fernsehens ist ein wichtiger Faktor. Das ist ähnlich wie eine
Psychoanalyse, nur eben eine kollektive. Die Tatsache, dass man
beobachtet wird, verändert bestimmt das eigene Verhalten. Finde ich
sehr interessant, was ihr da in Schweden macht. Soll ich meinem Chef
vorschlagen, etwas ähnliches bei uns zu machen? Das wäre total
interessant. Und dazu bringt ein solcher Dokufilm die Schule und ihre
Situation in die öffentliche Diskussion. Ich glaube, man kann auf
diese Art viel verändern, bestimmt kurzfristig. Um die Veränderungen
dann längerfristig abzusichern (Nachhaltigkeit heisst das Stichwort),
dazu braucht es bestimmt noch andere Massnahmen als bloss Fernsehen
und Fachleute, die dreinreden.

Ja, das ist ein hübsches Foto. Erinnert irgendwie an einen
französischen Spielfilm aus dem letzten Jahrhundert. Ganz gemütlich
und irgendwie elegant. Gut, eine Lyrikerin in der Verwandtschaft zu
haben! Lyrik ist wirklich ein äusserst seltenes Pflänzchen. Das findet
sich nicht einfach auf der Strasse. Ich habe meist ein bisschen Mühe
mit lyrischen Texten und Gedichten. Aber wenn ich dann mal ein
Gedichtlein finde, das mir zusagt, bin ich ganz begeistert. Und
manchmal spiele ich dann sogar  mit dem Gedanken, auch eins zu
schreiben.
Das macht mir ein bisschen Sorgen wie du schreibst, du räumst deine
Kleider, bevor du zum Arzt gehen willst. Das klingt sonderbar Malou.
Denkst du, du seist sehr krank? Sprich mit mir darüber Malou. Mit wem
denn sonst könntest du darüber reden?
....

Du siehst Malou, das ist kein Bauernfrühstück, das ist schon ein
fürstlich barockes Festessen ;-)
Mit lieben Gs und Ks

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