Freitag, 24. Juni 2011

Pfingstrosen und Lyrik

Ämne: Alibaba
Datum: den 29 maj 2004 10:28

Liebe Malou
Macht einen ziemlich wissenschaftlichen Eindruck, wie Du meine Mails
beantwortest ;-). Und dann bringst Du mich wieder in Verlegenheit, wenn Du
sagst, wie sehr ich Dein Leben bereichere. Das beruht alles auf
Beidseitigkeit, meine Liebe. Und ich lache vor mich hin, wenn ich daran
denke, wie erstaunt Du damals warst, als ich nach meinem Mail am nächsten
Tag schon eine Antwort haben wollte. Du warst amusiert und erstaunt, nicht
wahr? Ich glaube nicht, dass Du damals an ein Daily glauben konntest. Na ja,
ich wusste das auch nicht so genau, aber ich wusste, dass es nur als Daily
funktioniert. Wenn man eine Woche warten muss, wartet man nach einem halben
Jahr 3 Wochen, und im nächsten Jahr 2 Monate. Man wird dann wohl einfach
nicht richtig warm. Nun ja, ich denke, mir würde es so gehen.

....

Lustig, wir treffen uns in den Pfingstrosen. Es sind irgendwie prächtige
Blumen, nicht wahr? Sie machen grosse Versprechungen für den Sommer. Ich
mag sie auch ganz gerne, wenn sie schon völlig offen und in Blüte stehen.
Als Rubensblüten sozusagen! Aber ich weiss nicht, welches Klima sie mögen.
Bestimmt sind sie nicht so heikel und sicherlich verlangen sie auch nicht
zuviel Hitze. Schweden müsste ideal sein dafür. Sie haben offensichtlich
süssen Saft, wie die Ameisen zeigen, die sie ebenso lieben ich das tue.

Ja, das Pfingstwochenende werde ich mit meinen 40 Büchern verbringen wie
Alibaba mit seinen 40 Räubern. Im Persischen bedeutet die Zahl 40 einfach
soviel wie "viel". Gestern habe ich eines gelesen über Lyrik. Ich war
begeistert. Das Büchlein erläutert alles über Reime, Versmasse,
Strophenformen, moderne und traditionelle Lyrik, und dies alles in leichter
und vergnüglicher Form. Es ist sehr gut gemacht und zugleich lehrreich mit
den vielen Beispielen als alter und neuer Zeit. Es ist so verführerisch
geschrieben, dass man gar nicht merkt, wie man hineingerät. Und das ist die
volle Absicht des Autors, denn im allgemeinen können moderne Menschen mit
Lyrik nicht zuviel anfangen. Dabei ist es doch eigentlich eine sehr aktuelle
und verspielte Kunstform. Ich habe mir vorgenommen, sie vermehrt im Auge zu
behalten. Damit meine ich jetzt nicht nur Rilke mit seinen Sonetten, sondern
auch neuere und unkonventionellere Formen.
Ich habe doch seit längerem ein Beispiel hier an meiner Pinwand aufgehängt,
das mir gut gefällt: Es stammt von Erich Fried, und ich glaube, ich habe es
Dir schon einmal (vielleicht mehrmals) zitiert. Seit ich auf dieses kleine
Gedichtlein gestossen bin, suche ich in Buchantiquariaten nebenbei immer
auch ein bisschen nach Erich Fried. Das Gedicht geht so:

Erinnern
Das ist
vielleicht
die qualvollste Art
des Vergessens
und vielleicht
die freundlichste Art
der Linderung
dieser Qual.

soweit sogut.
Ich wünsche Dir die schönsten Pfingstrosen.
MlGuK
...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen