subject Re: Montag Abend
Liebe Malou
Ja, das Buch habe ich gelesen. Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman. Ich
hatte auch schon früher ein Buch von Genazino gelesen. Früher mal war
ich durch einen Artikel in der NZZ bekannt geworden. Und ich hatte
mich immer gefragt, woher er eigentlich stammt. Genazino, nicht gerade
ein deutscher Name!
Seine Bücher sind eher lyrisch, und vielleicht kann man sich mit
seinen Hauptfiguren nicht allzu leicht identifizieren, weil sie ein
wenig passiv und - na ja, sagen wir - kontemplativ sind. Aber ich
glaube auch, dass ich - sollte ich ein Buch schreiben - so ähnlich
schreiben könnte. Aber auf der anderen Seite muss man sagen, dass
solche Bücher es nicht einfach haben, Leser zu finden, denn sie leiden
unter einem Mangel an Action. Sie verfügen im Grunde über gar keine
Action. Es läuft alles in den Köpfen und in den Gefühlen ab. Das ist
natürlich sehr psychologistisch.
Die Rezension, die Du ansprichst, habe ich nicht gesehen. Wie hast Du
sie geschickt. Aber ich glaube, ich habe in den letzten Tagen einen
Artikel über G von Andrea Köhler beiseite gelegt. Ich habe eben
Zeiten, da lege ich die vielen Zeitungsartikel beiseite, von denen ich
denke, dass ich sie lesen sollte. Ich gerate dann ebenso hoffnungslos
in Rückstand, wie es die Genazino-Typen in ihren Romanen tun.
Übrigens kleine Neuigkeit: kürzlich habe ich einen Roman von Liz
Marklund gekauft. So heisst sie doch? Na ja, er lag im Korb, sozusagen
im Ausverkauf. Und ich habe mir gedacht, das wäre ein gutes
Lockangebot für mich. Ich lese selten Krimis, im Gegensatz zu W.,
der alles gelesen hat, was es gibt.
Ich werde ein Auge halten auf die schwedische Aussenministerin.
Bestimmt wird sie mal irgendwo auftauchen, auch wenn die
Medien-forschung festgestellt hat, dass beispielsweise die
Fernsehbilder in politischen Formaten ausschliesslich langweilige
Männer zeigen, die sich aus irgendwelchen Gründen für besonders
interessant halten, und die gerade aus einer grossen dunkeln Limousine
herauskrabbeln und mehr oder weniger jovial lächelnd mit einem einem
berechnet elastischen Schritt auf irgend eine grosse, offenbar
wichtige Tür zusteuern. Und die Jugend glaubt dann, das sei jetzt
grosse Politik.
Bestimmt werde ich sie mal im Flimmerbild erhaschen, die
Aussenministerin Schwedens. Ich habe mittlerweile ein Auge für
nordische Blondinen entwickelt. Nicht selten tragen sie eine exotische
Art von Brille, die man sonst in Europa kaum findet. Und mein Auge
wird im Falle des Falles geleitet wie die Kompassnadel durch das
unwiderstehliche Kräftefeld des Nordpols. Na ja, mittlerweile kenne
ich auch eine überaus attraktive Blondine näher.
Stimmt mein Gefühl, dass es etwas rassistisch klingt, wenn man den
Begriff Blondine verwendet? Ich glaube, das ist es auch. Es ist
rassistisch oder auch etwas machohaft. Ich muss mich wohl hüten, in
Zukunft, so zu reden. Doch glaube ich, dass ich in meinem jugendlichen
Leben immer eher dunklen Frauen zugeneigt war. Na ja, ich habe das
nicht so bewusst getan. Ich erinnere mich bloss an eine blonde
Freundin, eine deutsche Pfarrerstochter, die in Zürich als
Krankenschwester gearbeitet hatte. Sie war blond, aber doch nicht so
nixenhaft hell und rein wie die Ehefrau unseres Freundes und
Galleristen, die aus dem nördlichen Norden Finnlands stammt. Sie ist
sehr hell, aber im täglichen Kontakt auch ziemlich kühl, wie ich
behaupte.
Ach, in welch ein merkwürdiges Feld bin ich wieder geraten! Vielleicht
ist das wirklich eine Alterserscheinung, in solche Gedanken
abzugleiten.
Ich muss an die Arbeit und wünsche Dir einen guten Schlaf.
Mlguk
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Mittwoch, 22. Juni 2011
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