Samstag, 30. April 2011

Valborg 2006

Liebster Mausfreund,

Sorry! Schon so lange her, aber ich war verreist. Anna feiert dieses
Jahr Valborg bei einer Freundin in Göteborg und weil das graue
regnerische Wetter nur müde macht, hatte ich eine Einladung nach
Stockholm angenommen.

Wie du weisst wird Valborg hier sehr gross gefeiert. Junge Leute
sehen es als einen Anlass sich zu betrinken, ältere gehen meist zu
einem der grossen Feuer mit denen der Winter endgültig verjagt wird.
Abschließend gibt es dann meistens ein festliches Essen im Familien-
und Freundenkreis.

Dieser Valborgsmässoafton war etwas besonders da unser König
gleichzeitig seinen 60. Geburtstag feierte mit allem was dazu gehört.
Und natürlich beeinflusste diese Tatsache auch die Konversation bei
Tisch. Du kannst dir ja vorstellen was passiert wenn eingefleischte
Republikaner, der eine zugleich Anhänger der kommunistischen
Partei, an einem solchen Tag mit Royalisten zu Tisch sitzen. Auf jede
Frage leierte dieser ehemalige Politiker einen Abschnitt seines
Parteiprogrammes herunter. Und DG und Charlotta verfechteten,
er mit Wut und sie (eine Studienrätin in Geschichte) mit Humor und
Intelligenz meine eigenen Ansichten. ;-) Natürlich habe ich selbst an
der Diskussion teilgenommen. Sie war doch ziemlich anregend und
adrenalinspendend. :-)

Ich weiss nicht, manchmal, auch mitten in der Hitze kann ich sowas
"von aussen" betrachten und darüber lachen. Und ich Frage mich,
welche Erlebnisse in ihrem Leben sie zu ihren Ansichten geführt
haben.

Ich erinnere mich dabei an meine Kindheit und die hitzigen
politischen Diskussionen die manchmal zwischen den Männern
entstehen konnten wenn wir ein grösseres Fest hatten. Wie
Kampfhähne standen sie einander gegenüber und ihre Aggressivität
flößte mir Angst ein.

OK. Das Essen war prima und als Nachtisch gab es natürlich, dem
Tag zu Ehren, ein Hofdessert. ;-))

Und jetzt bin ich zurück im stillen grauen Alltag.

G hat angerufen. Genau wie meine anderen Bekannten fühlt sie sich
wohl etwas vernachlässigt durch meine Stille. Doch ich habe ihr von
meinem Eremitleben erzählt und sie schien etwas erleichtert.

---

Du nimmst deine Sprachstudien ernst, sehe ich. Fast beneide ich dich
um deinen Fleiß. Ich selbst bin etwas faul im Moment. Begnüge mich
mit den Briefen von meinen Römer Bekannten, die mir meist auf
Italienisch schreiben. Und ich staune, wie gut ich alles sogar ohne
Wörterbuch verstehen kann. Doch sprechen ist eine andere Sache.
Das werde ich wohl nie lernen. Wozu auch?

Ich habe Möglichkeit dies jetzt abzuschicken. Will dich auch nicht
länger warten lassen. :-)

So grüsse ich dich lieb..
mit SHK
Malou

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