Freitag, 8. April 2011

Mein mid-night-blues ... (5) Fragen

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Machst du auch gerne was mit deinen Händen, Marlena. Wo liegen deine Stärken, neben den Sprachen?  Hast du eine schöne Handschrift? Magst du dich, wenn du in den Spiegel schaust? Hast du das Gefühl, dein Leben sei erfolgreich? Was war dein grösster Erfolg im Leben? Wenn du drei Wünsche hättest, was würdest du dir wünschen? Du bist eine schöne Frau, glaubst du, du wärst unglücklicher gewesen, wenn du hässlicher - sagen wir weniger schön - gewesen wärest? Was denkst du, dass die Menschen an dir am meisten mögen. Und was mag Anna am meisten an dir? Fühlst du dich ihr gegenüber wie Mutter Tochter oder eher wie Schwester zu Schwester? Würdest du dein Leben für deine Tochter hingeben?
Du siehst, ich hätte soviele Fragen. Wir könnten ganze Nächte diskutieren, wie wir das als Studenten gemacht haben, und dazu geraucht und getrunken und gelacht.
Ich habe eine Frage an dich als Frau. Sie ist mir erst kürzlich irgendwie aufgetaucht. Vielleicht auch angesichts meiner Tochter und ihrem Freund, den sie jetzt schon ein paar Monate hat. Hat man als Frau bei den Männern oft das Gefühl, da wirke eine Kraft (ich meine die Sexualität), die völlig unpersönlich ist. Wenn man es bös sagen will, könnte man sagen, eine Kraft, die "tierisch" wirkt. Oder man kann sagen, der Mann ist nicht immer Herr seiner Kräfte? Hast du diese Erfahrung gemacht? Ich hatte irgendwie den Gedanken, dass Frauen die Männer in gewisser Weise auch, vielleicht nicht immer, aber doch ab und zu, als unheimlich erleben müssen. Wir versuchen gerade unserer Tochter zu erklären, dass  die Frau es ist, die nein sagen können muss. Die Frau muss oft die Grenzen setzen. Findest du das auch? Wie erklärst du es Anna?
Entschuldige, wenn ich dich mit sovielen Fragen überfalle. Es ist wohl die Müdigkeit, die jetzt langsam kommt und meine Zensur fällt völlig weg. Das, so haben wir gesagt, lässt den §5 verschwinden.
Bei mir ist es im Moment gerade die Diskussionslust. Ich könnte wirklich mit dir in einem ungarischen Jazzkeller sitzen, wo du deine einzige Zigarette in diesem Jahr rauchst, und über Gott und die Welt diskutieren. Das würde ich fürs Leben gern machen mit dir.
Machen wir ja auch, sozusagen, hier, mit unserer Mauserei. Nicht wahr?.
Ich mag dich, mein liebes Turmfräulein. Du hast etwas Schönes an dir. Und ich weiss auch, dass dieses Schöne mit der Entfernung zwischen uns zusammenhängt.
Zum Schluss kurz eine lustige Sache. Wir haben ein befreundetes Paar. Ich habe sie mal erwähnt, ich weiss nicht mehr, in welchem Zusammenhang. Sie sieht aus wie Schneewittchen, hat langes schwarzes Haar und einen hellen Teint und eine sehr schlanke Figur. Sie ist eine sehr schöne Frau. Ihr Mann ist ein erfolgreicher Direktor seiner eigenen Firma, aber er ist nicht so gewandt wie sie. Er ist etwas holperig, fast linkisch, und wenn wir bei Tisch zusammen sitzen, hat er mit der Zeit oft Mühe, nicht einzuschlafen. Und wenn es gegen Mitternacht geht, rafft er sich nochmals auf, dann hat er meist schon ein paar Gläser gehabt, und dann beginnt er eine Liebesrede an seine Frau. Das ist süss, kann ich dir sagen. Ich habe es schon zweimal erlebt. Und ich glaube, er macht es immer wieder, ohne es bewusst zu machen. Seine Frau schmunzelt und lässt ihn machen. So verschieden sie sind, sie verstehen sich recht gut.
Das war es, meine Allerliebste Mausfreundin.
Ich habe praktisch den ganzen Abend mit dir verbracht, wenn ich es mir überlege. Und das war schön, obwohl wir nicht miteinander chatten konnten. Und dazu habe ich noch einiges erledigt. Jetzt ist 0130. Ich muss schleunigst heim und in die Klappe.
Kuss

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