Mittwoch, 27. April 2011

Richtung Stockholm..

Ämne: Re: Sempé
Datum: den 19 augusti 2002 13:57

Lieber ...,
Endlich funktioniert es wieder mit dem Internet. Bin gerade nach Hause gekommen. Erhitzt, müde und huuungriiig!!!
Aber bald wieder bei dir.
Bis dahin liebe Grüsse
Marlena
---
Ämne: Neue Welt..
Datum: den 19 augusti 2002 16:57

Lieber ...,
Ach, wie lange ist es her dass ich zum schreiben komme. Und du hast mir inzwischen so schöne Mails geschickt. Ich habe mich sehr gefreut und oft musste ich lachen über deine lustigen Kommentare. Wenn du mich zum lachen bringst liebe ich dich vielleicht am meisten.. ;-)

Also: Am Donnerstag nach der Arbeit haben Anna und ich uns ins Auto gesetzt Richtung Stockholm. Es war kochend heiss im Auto denn ich habe keine AC und wir fuhren meist mit offenem Fenster. Ich hatte die Karte zu Hause vergessen aber es war fast die ganze Strecke Autobahn und nachdem ich sie verlassen hatte kannte ich noch den Weg von früher.

Zuerst haben wir die Schlüssel zu Tante A's Villa abgeholt bei B (einem ihrer Söhne, der in der Nähe wohnt). Sie haben eine schöne Wohnung im 5. Stock. Eine junge Frau öffnete die Tür und sah uns ziemlich erstaunt an. Sie hatte keine Ahnung wer wir waren und was uns zu ihr führte. Anna meinte später sie hätte uns wohl für Jehowas Zeugen gehalten.. Nun ja, dann kam auch gleich B., ein gut gewachsener braungebrannter Mann, den ich wohl fast 20 Jahre lang nicht mehr gesehen hatte. Und im Hintergrund schlichen die beiden Söhne herum (15 und 19 Jahre alt) der spätere in Annas Alter.
Sie wollten unbedingt dass wir bleiben sollten aber wir haben gemeint wir müssten uns erst ein wenig frisch machen nach der langen Reise und so beschlossen wir später noch einmal vorbeizukommen. Ich wollte ihnen etwas Zeit lassen denn ich sah dass sie sich gerade zu Tisch setzten wollten um zu Abend zu essen.

So sind wir gegen 21.00 Uhr nochmals dort erschienen und haben zusammen Kaffee getrunken. Wir haben uns nett unterhalten und Anna hat zum ersten mal ihre "klein-Kusinen" kennengelernt. Ich denke sie haben sich gefunden.
Man hat sich viel zu sagen nach so langer Zeit und B. (mein Cousin) wollte auch ein wenig mehr erfahren über seine verstorbene Mutter, Dinge aus ihrer Jugend, die er sie gern hätte fragen wollen.. Und dann haben wir uns den Blick von ihrem grossen eingebauten Balkon angesehen. Es war unglaublich schön. Vor uns lag der Mälarsee und am nächtlichen Himmel stand ein ganz grosser roter Halbmond. Er zeigte mir auch wo der Badestrand lag, wo wir als Kinder immer baden gingen. Auch hatte er die schönen Bilder gesehen die ich seinem Bruder geschickt hatte.

Am nächsten Morgen kamen alle Autos bei uns vorbei und wir fuhren zusammen nach B. zur Beerdigung. Ich kenne den Friedhof seit früher. Habe mal Tante A. hingebracht als sie das Grab ihres Mannes besuchen wollte. Es ist, glaube ich, der schönste Friedhof den ich kenne. Die Gräber liegen an einem Hang von lauter Bäumen beschattet. Neben A's Grab ein wunderschöner Apfelbaum mit herrlich leuchtenden Früchten. Man glaubt fast im Garten Eden zu sein. Und dann waren wir in der 800 Jahre alten kleinen Kirche und alles war so schön und Stimmungsvoll wie es sich die Söhne erwünscht hatten.
Und so habe ich viele Verwandte wiedergesehen nach langer Zeit, den "Klan" wie sie sich aus Spass nennen und ihre schönen Frauen und Kinder. Auch die Frau meines Onkels war dort. Ich hätte sie fast nicht erkannt so alt kam sie mir vor.
Nach vielen Verabschiedungen und Versicherungen dass wir uns von nun an alle öfters treffen müssen sind wir dann wieder Richtung heimwärts gefahren. Zum Glück gab es keine Polizeikontrollen in Sicht denn manchmal habe ich die Grenze mit 30 Km überschritten. Da hätte ich den Führerschein verloren und das Leben wäre ziemlich schwer geworden.

Als wir gegen Abend nach Hause kamen hat K schon mit einem herrlichen Lachsessen auf uns gewartet und ich habe ihm gleich Bilder zeigen können die ich mit der Digitalkamera gemacht hatte.
Am Abend waren wir noch schwer beschäftigt mit dem packen von Annas Sachen. Wir mussten die hinteren Sitze in Ks Auto herunterfällen damit das Fahrrad Platz haben sollte. Und deshalb hat K gemeint, wir sollten allein fahren und ich sollte erst am Sonntag nach Hause kommen. Es war eine ganz gute Idee denn ich brauchte noch Zeit in Linköping um einiges zu besorgen. Anna hatte schon am Samstagabend ihre erste Sitzung und war auch am Sonntag von 9.00 bis 21.00 Uhr mit einem vollen Programm beschäftigt. Auch heute hat sie ein volles Program mit dem Verein für weibliche Studenten die diese Ausbildung gewählt haben.
Und morgen kommt dann die "Nullung", eine von den meisten Studenten gefürchtete Begebenheit wo sie als Universitätsstudent aufgenommen werden.
Ich bin am Sonntag dann noch zu IKEA und Coop gefahren (wo eben sonntags geöffnet ist) um u.a. Kochtopf, Bratpfanne, Wasserkocher (wie du mir geraten hattest)und noch so einiges zu kaufen was wir vergessen hatten oder sonst nur brauchten. Erst gegen Abend bin ich ziemlich müde nach dem heissen Tag wieder nach Hause gekommen.

Diesmal habe ich den Weg in der schräg hereinfallenden Abendsonne gesehen und habe ihn fast nicht erkannt so anders hat es ausgesehen. Es ist ein nicht allzu breiter Weg mit sehr viel Kurven wunderschön fürs Auge. Besonders jetzt wo die Felder in verschiedenen braungelben Nuancen leuchten. Und man ist richtig erstaunt wie dünn besiedelt Schweden ist. Ab und zu geht der Weg durch kleine Orschaften sonst sieht man nur vereinzelte kleine Häuser mit schönen Gärten. Es gibt einen schnelleren Weg aber dieser gefällt mir bedeutend besser und ich geniesse mit den Augen.

Hier herrscht immer noch Hochsommerwärme. Von einem Ort rapportierte man 39 Grad.. Was ist eigentlich los mit der Welt?
Und der arme Papst.. ich frage mich ob er mitkriegt was er um sich sieht. Aber die Polen lieben ihn und man sagt er sei ein sehr guter und einflussreicher Papst (gewesen). Nicht nur Gerechtigkeit sondern auch Barmherzigkeit braucht es auf der Erde.

Der Artikel über Naipaul könnte schon stimmen. Aber man darf nicht vergessen dass der Mann sehr schüchtern ist. Und seine Rauheit hat wohl auch was damit zu tun. Anna hat ziemlich oft laut gelacht über den Herrn Biswas. Er ist nämlich auf eine sehr realistische Art zeitweise sehr unsympatisch. Möchtest du nicht doch einen Verusch machen es zu lesen? Und die Art wie er sich ausdrückt.. er weiss was in dem Gedächtnis des Zuhörers hängenbleibt. Ich fand ihn sehr sympatisch in dem Dokumentarfilm den man in Anschluss an den Nobelpreis zeigte. Irgendwie bilde ich mir ein den "richtigen Menschen" hinter der Fassade entdeckt zu haben. Sowas ist immer ein bisschen gefährlich. Lachst du nun wieder?? :-)
Nun werde ich gleich eine Weile nach Sempé suchen hier im Internet. Da du ihn genannt hast interessiert er mich sehr.

Du siehst ich war ziemlich im RL die letzten Tage aber heute bin ich zum ersten mal allein. Ich kann es eigentlich noch nicht verstehen. Nichts muss ich zu einem bestimmten Zeitpunkt tun. Und doch glaube ich es ist nützlich sich ein wenig Routinen zu schaffen damit das Leben kein Chaos wird. Ausserdem habe ich ja die Arbeit die mich zu einer gewissen Ordnung zwingt.
Ich lasse dich nun obwohl es noch so vieles gibt in deinen Mails was ich kommentieren möchte. Deinen Kommentar zum Frosch fand ich super und Anna und ich haben sehr darüber geschmunzelt. Du bist einmalig mein lieber Mausfreund.
Alles gute noch wünscht dir
Marlena

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen