den 16 augusti 2003 19:08
fare well
Liebe Marlena
Ich sitze zuhause am kleinen PC und versuche, ein Mail zu schreiben. Im Büro ist es mir nicht gelungen. Hier schreibe ich alles auf einer Zeile. Und die Zeile ist unendlich lang. Wie kommt denn so was?
Danke für Deine guten Wünsche für die Reise. Ich werde sie im Innern behalten wie man einen süssschweren Traum durch den Tag trägt. Und wenn ich zurück bin, erzähle ich Dir, wie er mich begleitet hat.
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Interessant, was Du über Tepperwein herausgefunden hast. Er ist mir schon ein bisschen zuuu produktiv, das muss ich zugeben. Aber das Buch ist nicht schlecht. Man muss es einfach in sich aufsaugen, es ist alles ziemlich trancemässig. Und dazu bin ich im Moment bereit. Das ist meine Vorbereitung für den Kurs in N.Y. Ich möchte dort wirklich für meinen nächsten Lebensabschnitt etwas holen.
Mir ist ein lustiger Gedanke gekommen. Die Reise nach N.Y. ist für mich sozusagen eine Pilgerreise. Die meisten Pilger gehen nach Lourdes, nach Stantiago, nach Rom. Das sind Orte der Vergangenheit. Sehr schön, würde ich auch machen. Ich habe mal eine Pilgerreise nach Meshed gemacht. Habe ich Dir davon erzählt. Es war ein eindrückliches Erlebnis, obwohl ich nicht richtig daran glauben wollte. Und nun möchte ich die Sache so drehen, dass ich eine Pilgerreise in die Weltstadt des 21. Jahrhunderts mache. Dort hole ich die Inspiration für meine nächsten Jahre. Ich muss doch wohl lernen, etwas vorwärts, und nicht zu sehr rückwärts zu schauen. Sonst werde ich zu schnell alt.
Die Amis werden bestimmt erstaunt sein, wenn sie den ersten Pilger kommen sehen! Sie werden bestimmt auf ihren Hockern in den McDonalds einen Moment mit Kauen stoppen. Ich bin gespannt, was sie mir zu bieten haben. Im Kurs wird es bestimmt Amis geben. Und ich werde sie genau beobachten. Und ich werde sogar ein bisschen mitbekommen, wie sie die Welt erleben, welche Gefühle sie haben, wie sie mit ihrem Innenleben umgehen. Darauf bin ich gespannt. ...
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Das ist vielleicht mein letztes Mail im Moment. Im Büro hat es ganz und gar nicht funktioniert. Und hier weiss ich nicht, ob ich noch dazu komme. Ich habe noch nicht gepackt. Ich habe mir überhaupt noch wenig Vorstellungen gemacht, was ich mitnehmen soll. Es ist wie bei den üblichen Geschäftsreisen. Du legst das übliche Zeug in den Koffer, reist morgens ab, um abends oder nächstentags wieder nach Hause zu kommen. So stelle ich mir Geschäftsreisen vor. Und so tue ich. Unser Verhalten richtet sich nach unseren Vorstellungen, meint Tepperwein. Na also!
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Ich hoffe, dass Du ein schönes Krebsfest haben wirst. Ich stelle mir den Geschmack im Gaumen vor. Und da kann ich nur neidisch werden. Dazu ein kühles Bier und eine lustige Gesellschaft. Was denn kann schöner sein. Gestern haben wir im Garten einen Grill gemacht mit unseren Nachbarn. Es ist das erste mal seit drei Jahren, dass wir dazu gekommen sind. Und es war ganz gemütlich. Sie waren etwas nervös und eifrig, sind hin und her gesprungen und haben noch 100 Dinge gebracht, die zwar nett sind, aber nicht absolut nötig. S. hat das Fleisch und das Gemüse bereitgesellt. Ich war für die Getränke zuständig. Es war ganz schön, aber um 22h war es doch schon etwas kühl. Ich habe eine Wette gewonnen. Mein Nachbar hatte behauptet, es wäre noch 24°, während ich bloss 18° vermutete. Mit dem Thermometer von unserer Wand habe ich zwei Kugeln Vanilleeis gewonnen. Na, wenn das kein Sieg ist! Man kann sogar mit dem Klima Geschäfte treiben, nicht wahr.
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Ich wünsche Dir ein schönes Fest und eine gute Zeit. Ich weiss noch nicht, wie oft mich B an den PC lässt. Und wenn ich mal dran bin, muss ich noch andere Wünsche befriedigen. Vielleicht gibt es Fragen vom Büro. Vielleicht wollen A. oder B. ein paar Sätze. Vielleicht muss ich S. über die Einsamkeit hinweg trösten. Du siehst, ich habe ein volles Programm. Aber ich werde Dir die NY-Tipps später mailen, sofern ich irgend welche erspähe.
Ich grüsse und küsse Dich.
...
Montag, 28. Februar 2011
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