Dienstag, 15. Februar 2011

1. August



den 1 augusti 2003 13:16

Liebe Marlena
An unserem Nationalfeiertag ist es sonnig, wie es sich gehört. Die Leute haben ihre Fahnen aufgehängt und sind in aufgeräumter Stimmung. Allerdings ist ihnen verboten, Raketen und Feuerwaren anzuzünden, weil die Wälder doch sehr trocken sind. Ja, ich habe auch gehört, wie die Wälder im Süden Frankreichs brennen. Es gab sogar einen längeren Bericht mit einem Hausbesitzer bei Antibes, den ich aus der Militärzeit kenne. Er ist mit seinem Haus dort unten mit dem Schrecken davon gekommen. Aber er hat sich auch so gut wie möglich gegen die Gefahren gerüstet. So sorgfältig und überlegt, wie die Schweizer eben sind. Er hat den Wald gereinigt und - weil er eine eigene Quelle in der Nähe hat - Haus und Terrain immer wieder abgespritzt. Aber ich glaube, das Feuer ist nicht so nah an seinen Besitz herangekommen. Wenn es mal richtig brennt, nützen auch diese kleinen Behelfe nicht mehr.
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Ja natürlich vermisse ich, wenn ich nichts von Dir höre. Vielleicht sagen wir Männer das nicht so gerne oder nicht so häufig. Du kennst sie doch, diese eine Seite der Gender-Fragen! Wir geben nicht gerne Abhängigkeiten zu. Weder vom Alkohol noch von anderen Verhältnissen. Überigens kann man sagen, dass gerade Alkis (Leute, die zuviel trinken), sehr anhängliche Menschen sind. Ich habe kürzlich zwei Männer im Bahnhof Basel beobachtet, als ich warten musste. Es ist traurig, das zu sehen, obwohl sie es selbst vielleicht nicht als traurig erleben. Aber sie waren sehr anhängliche Typen, die fast zärtlich miteinander sprachen. Und dann haben sie über einen Alkoholrausch erzählt, als ob es sich um eine phänomenale spanische Flameco-Tänzerin gehandelt hätte. Sie wären hin und von Sinnen gewesen, wenn ich ihren Worten glauben sollte. Einer meinte, er wüsste nicht, wie er wieder nach Hause gekommen wäre. Also von Sinnen, wie wir das alle im Liebesrausch sind. Und ihre Augen haben geleuchtet. Vielleicht wäre das eine Idee für die Therapie mit Alkis, wenn man ihr erotisches Verhältnis zum Rausch einmal genauer analysieren würde. Ich kenne diese Rauschgeschichten aus dem Wallis. Dort gibt es viele von diesen attraktiven Flamenco-Tänzerinnen!

Aber ich bin vom Thema abgekommen. Ich freue mich darüber, Dich zu kennen. Und ich hatte nicht gedacht, dass wir solange miteinander durchkommen. Ich habe soviele neue und interessante Dinge durch Dich kennengelernt. Und ich habe in Dir eine liebe und aufmerksame Person, eine attraktive Frau. Was sollte man denn mehr wollen im Leben als eine solche süsse und tröstliche Internet-Affaire, um das letztere hässliche Wort zu brauchen. Und ab und zu habe ich wirklich den Wunsch, mit Dir mal 2 oder 3 Wochen zu verbringen. Einfach, um Dich noch ein bisschen näher zu erleben, zu hören (Deine klare kräftige Stimme, die ich immer noch im Sinn habe aus jenem Telefonat), zu riechen, zu sehen. Ich weiss, dass Du in gewissen Momenten grossartig wach und witzig und voller Charme bist. Ach, ich sollte wieder mal dein Foto anschauen.

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Jetzt sollte ich noch ein paar Dinge erledigen. Im März sollte ich im Club einen Vortrag über den Iran machen. Ich muss mich informieren, wie ich mit einem Beamer arbeiten kann. Das wäre gut, wenn ich die vielen Fotos, die ich hier habe, dazu brauchen könnte. Es ist eine gute Gelegenheit, mich einzuarbeiten. Unsere Barbara hat diese Technologie bereits benutzt. Sie kann es mir bestimmt zeigen.

Ich wünsche Dir ein feines Wochenende, das Du bestimmt in Deinem Haus, das Du solange vermisst hast, geniessen wirst.

Mit lieben Grüssen
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