den 27 juni 2003 07:47
Re: Küchengeflüster
Liebe Marlena
Freitag Morgen, was sagst Du dazu? Na ja, Du bist in den Ferien, da spielt es keine Rolle, in welcher Phase der Woche man dümpelt. Das spielt erst einen Faktor, wenn man sich, wie auf einer Hängebrücke, von einem Pfeiler zum nächsten durchhangeln muss. Erst wenn man wieder festen Boden unter den Füssen hat, kann man sich sicher wähnen. Aber solange das Seil hängt und schlingert im Wind, ist noch alles möglich. Ich jedenfalls habe jetzt den Pfeiler vor mir. Bald wird er mir halt geben.
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Ja, da staunst Du, der Gedanke, nach NY zu fliegen, ist auch für mich so fremd wie eine Beule, die man plötzlich kriegt. Sie stellt sich irgendwie als Fremdkörper dar, als ein Ding, das nicht zu mir gehört und nicht zu all dem passt, was bisher zu mir gehört hat. Und doch ist es mein Fleisch. Ich versuche, den Gedanken zu assimilieren, indem ich ihn kaue wie Whrigleys, diesen amerikanischen Kaugummi. Am liebsten tue ich es vielleicht mit dem immer noch attraktiven und ewig jungen Peppermint. Ich stelle mir vor, wie es dort ist und wie ich mich in dem Getümmel zurechfinden könnte.Man ist ja eigentlich in den Häuserreihen wie eine Maus im Labyrinth. Und wenn man sich die Fotos anschaut, so sind sie immer von oben, aus hoher Distanz, von Flugzeugen oder von Wolkenkratzern. Da sieht alles immer ganz niedlich aus. Aber tief unten in diesen Schluchten, die wahrscheinlich den ganzen Tag nie Sonne sehen, was soll ich dort tun? Man kann ja bloss ein bisschen Schaufenster anschauen, herumstehen, angerempelt werden durch eilige Passanten?
Nein, ich stelle es mir noch nicht schön vor. ...
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Gut dass Du zu Deinem Ausflug kommst. Es ist ja jetzt auch eine schöne Zeit zu reisen und das eigene Land anzuschauen. Die Wärme und der Sonnenschein stimmt alle Menschen ein bisschen milder, nicht wahr? Ich auf jeden Fall geniesse es, in Basel zu flanieren und mich ein bisschen zu fühlen, als ob ich ein Tourist wäre. Ich wäre wirklich ein exzellenter Flaneur, das kann ich Dir verraten, der stundenlang dahinwandert und immer wieder stehen bleibt, wenn es irgend etwas zu sehen oder zu hören gibt. Ich glaube, ich würde mich kaum langweilen.Vielleicht würde ich bedauern, dass man die Szenen nicht wirklich festhalten kann, nicht per Biild und nicht mit Worten. Aber es gibt soviele bemerkenswerte Szenen in einer Stadt, die für sich allein, ohne weiteres Zutun, irgend einen Wert haben. Vielleicht ist es blosse Unterhaltung. Vielleicht ist es bloss das Wunderliche zu sehen, wie sich das Leben auch noch darstellen kann, also die Variation und die Unvermutetheit.
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