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Gestern war ich in Zug und Zürich. Zug, vielleicht erinnerst Du Dich an den Namen. Dort hatte vor einigen Monaten diese Schiesserei im Parlament stattgefunden. Es ist ein kleines Städtchen, schön gelegen am Zugersee und mit Sicht in die weissen Berge. Die Menschen dort sind etwas ländlich, das heisst freundlich, gemächlich und bodenständig, wie sie es in der Zentralschweiz eben sind. Ich bin nach Zug gefahren, weil im Kunsthaus Zug zur Zeit eine Ausstellung über Schiele offen ist. Sie öffnet allerdings jeweils erst um 12 Uhr, und ich war schon etwa zwei Stunden früher da. So habe ich in einem Café am See einen Kaffe getrunken und bin schliesslich noch in einer Kapuziner-Messe gelandet. Das war besser, als in der Kälte zu warten. ...
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So kam ich ziemlich pünktlich ins Museum, ein neu gestaltetes Gebäude mit verschiedenen, nicht zu grossen Räumen. Kennst Du Schiele? Er ist in Wien schon mit 28 Jahren gestorben und hat viele exzellente Zeichnungen hinterlassen. Hier in Zug hat man dank einer Schenkung einige Zeichnungen. Den Rest hat man aus der Albertina in Wien. Die Gemälde gefallen mir nicht. Die Zeichnungen Schieles aber sind sehr expressiv, mit den vielen anorektischen Mädchen Konventionen verletzend. Schiele war ein junger, unanständiger Maler, der wegen seines Umgangs mit Mädchen - so glaube ich mich zu erinnern - auch im Gefängnis gesessen hatte.
Es ist erstaunlich, welche Effekte Schiele mit seinen Bleistiftzeichnungen und etwas Farbe erreicht. Er ist eigentlich ein Graveur. Sein Strich ist so hart und krakelig, betont die Grenze, die Messerschneide zwischen Innen und Aussen. Manchmal hat man den Eindruck, sein Strich sei wie Stacheldraht, der kratzt und verletzt und aufreisst. Und so hat er wohl auch sein Leben gemacht.
Es ist eine hübsche Ausstellung. In den Bleistiftzeichnungen sieht man immer sehr gut das Handwerkliche. Man fühlt sich dem Künstler nah und versteht ihn auf einer physischen und sehr körperlichen Ebene. Daneben hingen einige Arbeiten von Klimt und von Kokoschka. Klimt wirkt geradezu elegant und flüssig neben Schiele.
So habe ich gute zwei Stunden in dieser Ausstellung verbracht und zu sehen versucht, welche Entwicklung Schiele innert ungefähr nur 10 Jahren gemacht hat.
Dienstag, 1. Juni 2010
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