Montag, 7. Juni 2010

die Italobar

Liebe Marlena
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Und wenn ich so an dich denke, dann habe ich viele schöne Momente in Erinnerung, die wir zusammen gehabt haben, und die wir einzig und allein mit Worten zum Leben erweckt haben. Wir sind irgendwie doch kleine Künstler. Ich denke beispielsweise an die Italobar, die ich die schönste Bar finde, die ich in meinem Leben je besucht habe, mit den auserlesensten Getränken und einem Barkeeper, der einfach wunderbar ist, und einem von diesen hohen Barhockern, der einzig und allein für Marlena reserviert ist. Ich bin ja nun nicht gerade ein allzu geübter Bargänger. Doch ich kenne welche, von denen man das sagen könnte. Zum Barprofi gehört ein gewisses verhalten, eine Art, mit anderen Leuten anzubändeln und ins Gespräch zu kommen, um sie nach ein paar Stunden wieder in die Dunkelheit des Vergessens zu entlassen. Barprofis haben meist ein paar markige Sprüche auf der Zunge, die sehr persönlich klingen, aber im Grunde Schablonen sind. Denn eine Bar ist eine quasi private Lokalität, die aber doch öffentlich ist. Man soll sich zuhause fühlen, obwohl jeder eintreten kann. Das führt zu diesem ambivalenten Verhalten.
Aber in unserer Italobar ist das ganz anders. Die Italobar ist wirklich privat und geradezu intim. Die anderen Leute, die hier noch sitzen mögen, die sympathisch und gutaussehend an den Gläsern nippen und ab und zu verstohlen zu uns herüberschauen, sie sind nur Staffage, sie sind nicht wirklich eigene Lebensmittelpunkte, sondern nur Anhängsel an unserem Liebesgeflüster. Sie haben keinen eigenen Willen, sondern sie dienen nur uns, die wir eine schöne Situation brauchen, um unseren Flirt wirklich werden zu lassen. Sie sind blosse Realisatoren unserer Liebessehnsucht. Dazu sind sie da, und wenn sie das geleistet haben, müssen sie wieder untergehen. Sie haben kein eigenes Recht neben unserer grossen Sehnsuche.
Du siehst, Marlena, ich komme echt ins Deklamieren. Fast ein bisschen feierlich und gehoben. Nun ja, das verdiente sie auch, unsere Liebe, unser literales Kunstwerk, an dem wir beide so hängen.
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