Montag, 17. Februar 2014

Re: Endlich so weit


Liebe Marlena
Uebertreib es nicht. Jetzt willst Du neben all den Vispern auch noch einen aus Visperterminen. Einen Seelsorger? Ich glaube nicht, dass das gut kommt, Marlena. Unser Valentin ist zwar ein lieber Kerl, aber er ist auch etwas umtriebig. Das heisst, er ist viel unterwegs und pendelt oft zwischen Brig und Visperterminen. Ich glaube, Du hast schon genug Seelsorger. Oder denkst Du, Deine Seele sei noch viel zu gross für die paar, die für sie sorgen?
Ja, es ist erstaunlich, dass ich wieder einmal von Schweden ein Bild aus meiner alten Heimat bekomme. Visperterminen ist ziemlich gewachsen in den letzten 30 Jahren. Als ich in meiner Jugend die ersten Male dort oben war, fand man ein kleines, altes und äusserst armes Nestchen am Hang kleben. Es war zwar sonnig. Aber ich erinnere mich sehr gut, wie die steilen Weglein und Strässchen schmutzig waren, und wie die Leute irgendwie arm und primitiv ausschauten. Nicht alle Dörfer im Wallis waren so. Aber Visperterminen war - in meiner Erinnerung - so. Meine Mutter war immer sehr interessiert daran, wie die Leute im Wallis lebten. Und sie versuchte, wenn wir auf Wanderungen waren, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Sie gab ihnen kleine Geschenklein, und hatte so oft Gelegenheit, in die Wohnungen hineinzuschauen. Und diese waren dann oft in der Tat sehr einfach. Ich kann mich erinnern, dass ich in Visperterminen mein erstes Walliserbrot gegessen habe. Offenbar hat man damals nur ein- oder zwei mal im Jahr gebacken. Und man hat dazu einen Sauerteig genommen, keine Hefe. So war das Brot steinhart, dass man es mit dem Beil wie einen Stein zerschlagen musste. Und es war kaum zu beissen. Man musste es in einer Backe aufweichen lassen, bis man es wirklich zerbeissen konnte. Und dazu hatte es einen leicht säuerlichen Geschmack. Das Hauptgetreide war Roggen. Damals konnte ich diesem Brot aus Visperterminen nicht viel abgewinnen. Aber heute würde ich meilenweit gehen, um ein Stück zu bekommen. Ich meine, es gibt es gar nicht mehr in dieser Art. Man kann sehr wohl Walliserbrog kaufen. Aber es ist niemals mehr so hart. Doch es schmeckt gut. Wenn Du mal in die Schweiz kommst, werde ich Dir ein feines Butterbrot aus dem Wallis servieren. Du wirst staunen, wie gut das schmeckt.
Im Moment sitze ich im Büro und sollte meine Sitzung von Montag vorbereiten. Freitags hatte ich ein Gespräch mit dem Chef. Es war ziemlich gut und er scheint einzusehen, dass wir mit unseren Kapazitäten nicht all die Arbeit zu leisten vermögen. Ich glaube auch, dass er etwas ruhiger geworden ist. Er hat seit zwei oder drei Jahren einen neuen Sekretär. Und ich glaube, er fühlt sich so nicht mehr so sehr allein in seiner Verantwortung und ist etwas milder geworden. Früher war er gelegentlich sehr aggressiv und sarkastisch. Nicht gegenüber mir. Aber gegen gewisse Leute in der Direktion. Ich glaube, er respektiert mich irgendwie.
Und dazu kommt noch etwas anderes, sehr merkwürdiges. Kürzlich hat der Sekretär gemeldet, dass unser Chef, der Erziehungsminister, im April seinen 50. Geburtstag feiern werde. Und er würde uns doch bitten, Vorschläge zu machen, wie man diesen Anlass in unserer Direktion begehen könnte. In früheren Jahren hätte ich mich nie dazu geäussert, in der Meinung, das sei nun wirklich der Job des Sekretärs, hier einen Rahmen zu finden. Doch irgendwie hatte ich zufällig eine schlaflose Nacht und dabei einige Ideen, wie man einen solchen Geburtstag gestalten könnte. Und bereits am nächsten Tag habe ich dies dem Sekretär durchgemailt. Meine Töchter würden sagen, das sei sehr geschleimt. Weißt Du, was das heisst? Schleimen meint, den Leuten nach dem Mund zu reden, sich einzuschmeicheln und so ähnlich. Aber ich glaube, es war sehr wirksam. Beide waren sie so freundlich und zuvorkommend, wie ich es selten erlebt habe. Es braucht wirklich nur eine Handvoll Tricks, um durch die Welt zu kommen!
Und heute fahren wir zu Onkelchen. Wir wollten ihn zwar mitnehmen auf den Flughafen, wenn A abfliegen wird. Doch gestern hat er angerufen und gemeldet, dass es ihm nicht sonderlich gut sei und dass er lieber zuhause bleibe. So bringen wir zuerst A nach Kloten und fahren anschliessend nach Lenzburg. Eigentlich hatten wir gedacht, wir würden mit ihm dann in Zürich irgendwo auswärts essen. Er hat von ein paar ersten Adressen geschwärmt, dem Baur au Lac, der Kronenhalle oder ähnlich, wo er oft mit seiner Frau gewesen war. Aber jetzt wird nix daraus.
Die Kronenhalle ist überigens ein interessantes Lokal. Sie liegt gerade beim Bellvue, gegenüber dem alten Odeon, jenem Café à la Viennoise. Dort haben immer die grossen Leute und auch die Künstler verkehrt. Dürrenmatt war regelmässig dort. Frisch mit seiner jungen Frau habe ich mit eigenen Augen die Treppe hochsteigen sehen. Varlin hat ein wunderbares Porträt der Frau Zumsteg, der Wirtin der Kronenhalle, gemalt. Und bei eben diesem Varlin habe ich gelesen, dass es in der Kronenhalle immer einen Tisch für Künstler gegeben habe. Dort konnten sie ein erstklassiges Menue für einen sehr vernünftigen Preis bekommen. Ich hatte mir ja auch immer gedacht, wie Varlin bloss diese Kronenhallenpreise hätte bezahlen können.
Ich war in meinem Leben - so glaube ich - nur einmal in der Kronenhalle. Doch nebenan in der Bar war ich mehrmals. Sie war damals, in meiner Studentenzeit, eine der nobelsten Bars in Zürich. Und im Halbdunkel gab es immer noble Leute und gut gekleidete Frauen. Und einmal war ich wärend der Fastnacht drinnen. Ich habe Frau Zumsteg getroffen, die ich ja eben bloss von Varlins Porträt her kannte. Sie war- wie auf dem Bild - mit Juwelen behängt und hat mich angesprochen, als ob ich ein Stammgast wäre. Ich hatte auf Anhieb den Eindruck einer distanzlosen Alkoholikerin. Doch vielleicht habe ich mich auch getäuscht. Die Distanzlosigkeit war ja auch ihr Recht, denn es war ihr Lokal. Aber etwas Lustiges geht mir gerade auf. Varlin hatte einmal einen Disput mit Hugo Loetscher, dem Schriftsteller. Er hatte ihn porträtiert und nach Jahren festgestellt, dass Loetscher anders ausschaue als auf dem Bild. Er hat ihn darum kritisiert, weil er doch wohl verlangen könnte, dass er, das Modell, nach sovielen Jahren doch ein bisschen wie das Porträt ausschauen sollte. Das ist ähnlich wie bei den Hunden, die mit den Jahren aussehen wie ihr Herrchen, vice versa respektive. Und in der Tat ist Varlins Porträt der Hulda Zumsteg so prägnant und durchdringend, dass man sie nur mehr durch ihr Bild sehen und im Gedächtnis behalten konnte. In diesem Sinne kann man sogar sagen, dass Malerei die Wirklichkeit zu verändern vermag.

Meine Eltern sehe ich nicht so häufig. Oft denke ich am Samstag, wenn ich im Büro bin, ich sollte sie rasch über Mittag besuchen. Es wäre ja bloss 5 Minuten von hier. Aber meist ist mein Kopf so voller Dinge, dass ich es dann eben sein lasse. Letzte Woche hat S sie eingeladen. Es ist so eine Sitte in Persien, dass man die Leute besucht oder einlädt, bevor man auf eine Reise geht. Und für A hat S diese Einladung gemacht. Doch es war am Donnerstag und ich hatte absolut keine Zeit, über Mittag heimzugehen um ein grosses Essen zu geniessen. So war ich eben nicht dabei.

Und jetzt muss ich doch an meine Arbeit. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und anschliessend gemütliche Wochen. Diese französischen Aufsätze über Internet, das scheint ja das reinste Vergnügen zu sein.
Mit lieben Grüssen
...

Sonntag, 16. Februar 2014

Endlich soweit


Ämne: Endlich soweit.. :-)
Datum: den 16 februari  07:13


Lieber ...,
Gerade hat meine "freie" Woche angefangen. :-) Aber ganz frei wird sie wohl nicht sein denn eine meiner Klassen wird mir via Internet französische Aufsätze zusenden. Aber sonst werde ich mich so ganz frei und endlich mal ohne Stress fühlen. Ob alles in Ordnung ist fragst du. Ja, abgesehen von dem Haus ist es so. Das Haus selbst ist in grösster Unordnung, Wenn ich mich richtig ranmache werde ich es hoffentlich Mitte nächste Woche so schön haben wie ich es mir in Gedanken oft vorstelle. Du weißt, wenn ich beruflich viel zu tun habe bleibt einiges hier liegen. So ist es leider. Und wir haben mal davon gesprochen dass man ja vielleicht nur 80 % arbeiten könnte. Aber wahrscheinlich würde ich dann 80 % verdienen und trotzdem 100 % arbeiten. Aber ein wenig hat der Stress doch nachgelassen, weil ich eine Klasse weniger habe. Jetzt habe etwas mehr Zeit für die anderen.
Ich hatte noch mein letztes Elterngespräch diese Woche und die halbe Stunde die dafür abgesehen war wurde zu 1½ Stunden. Aber es ist wichtig die Eltern ein wenig kennenzulernen. In diesem Fall wollten sie auch ein Gespräch mit NN (dem anderen Klassenlehrer) haben und ich musste bleiben als Zeuge was da gesagt wurde. Sie waren wirklich nicht nett, weder Schülerin noch Eltern und der Vater erklärte ausserdem dass er seit 23 Jahren Lehrer sei (die schlimmste Sorte!!) Nun ja, ich muss sagen dass er versuchte raisonabel zu sein, das muss ich ihm lassen.

Sei froh dass du eine abgemessene Zeit hast für deine Gespräche. Es hat wie du sagst auch Vorteile.
Ja, jetzt kommt bald der Frühling. Man merkt es wirklich. Die Sonne strahlt von einem blauen Himmel und ein paar kleine Eisflecke ist alles was vom Schnee übriggeblieben ist. Leider ist die Luft noch etwas frisch sonst würde ich deinem Rat folgen und mich eine Weile "wohl emballiert" in die Sonne legen. ;-)
Und dann kommt der Sommer.. Es ist ein wenig traurig daran zu denken. Du weißt warum.

Ja, ich glaube es wäre sehr schön für dich diese Reise nach Teheran zu machen. Teils weil es viel mehr Spass macht wenn man in netter Gesellschaft ist und auch weil du ein ganz wunderbarer Guide sein wirst. Und vielleicht wird man wieder versuchen Dich für gut in das Land zu locken. Manchmal wenn ich höre wie viel du arbeiten musst dann frage ich mich ob du nicht dort ein angenehmeres Leben führen könntest. Wenn das Land nur wieder einmal normal werden könnte..
Ich habe wieder einmal vergessen ein Buch bei meinem Bücherclub abzubestellen und so habe ich das Buch des Monats erhalten. Erst war ich recht böse auf mich selbst aber dann begann ich ein wenig zu lesen .. und war entzückt. Es ist ein Buch von Isabel Allende und heisst im Original "Hija de la fortuna". Von der Handlung weiss ich noch nicht viel aber es ist die Art wie sie schreibt und die Dinge sieht.. Es gefällt mir eben. Ein Onkel von mir war mit einer Frau aus Chile verheiratet und sie verkehrten ein wenig in den Kreisen um Allende und schon deshalb macht es mir Spass etwas mehr über dieses Land zu erfahren obwohl dieser Roman die Zeit um 1850 schildert. Ich hoffe dass ich ein wenig Zeit finden werde darin zu lesen.
Und du mein lieber Mausfreund verlierst nun für einige Zeit deine beiden Töchter nach Südamerika. Es wird sicher sehr einsam und still um dich werden. Und dann erzählst du wieder von Onkelchen und mir wird immer ganz warm ums Herz wenn du ihn erwähnst. Ich liebe wirklich alte Menschen. Auch denke ich daran dass man sich früher viel öfter und schöner? amüsierte als man es heutzutage tut. Wenn ich an alle die schönen langen Abendkleider denke, die meine Tante bei den Festen trug. Die einzigen Leute die sich noch schön Kleiden bei besonderen Anlässen sind unsere Immigranten. Bei dem Anlass in Globen waren sie gekleidet wie zu einem Nobelfest. :-)
Triffst du auch manchmal deinen Vater und seine Frau? Du schreibst nie davon.
Übrigens, wenn du von diesem Valentin sprichst: Manchmal denke ich man sollte einen "Seelensorger" im Internet haben..(wo ich doch katholisch bin..) warum nicht Valentin??? Dann brauchte ich dich nicht zu belästigen.. ;-)

Ich wünsche Dir alles Gute bis zum nächsten Mal.
Bleib mein geliebter Mausfreund
Marlena

noch ein Mail vom Valentinstag



Ämne: noch ein Mail vom Valentinstag
Datum: den 15 februari  07:15

Liebe Marlena
Heute morgen um halb sieben habe ich lange versucht, ins Netz zu kommen. Ohne Erfolg. Es scheint, als ob um diese Zeit ganz Europa aufstehen und ins weltweite Netz robben würde. Es war schlichterdings nicht möglich. Und immer kam diese öde Seite, dieses Klappbild.
So schreibe ich Dir ein paar Zeilen auf Vorrat und sende sie, wann immer es geht. Im Moment bin ich etwas unter Druck. Gestern abend hatten wir eine Sitzung mit den Logopäden, die etwa bis 22h dauerte. Es ist ungeheuer, wie langsam das vor sich geht. Und in der Pause servieren sie Getränke und Kuchen, als ob man nur gekommen wäre, um eine Brotzeit zu nehmen. Ich mag das nicht. Aber es scheint eine Art der Frauen zu sein, aus jeder Sitzung eine grosse Einladung zu machen. Never mind. Ich weiss, dass sie es gut meinen und dass sie denken, der Kontakt untereinander sei so wichtig.
Und heute bin ich wieder den ganzen Tag in Basel und ebenso morgen. Ich habe dort meine Schulreifeabklärungen. Sie sind so knapp bemessen zeitlich, dass man sich immer etwas beeilen muss. Und es reicht nicht, mit den Eltern noch über dies oder jenes zu reden. Es reicht einfach nicht, denn die nächsten warten bereits wieder vor der Tür. Aber es hat auch seine gute Seite. Abends ist man zufrieden und überzeugt, einige Dinge erledigt und wirklich bis zum Ende abgeschlossen zu haben. Das ist ein gutes Gefühl.
Freitags dann habe ich ein Gespräch mit dem Chef über meine Vorlage. Und Samstag morgens ist ein weiterer Einsatz vorgesehen. Es läuft. Ich bin froh, dass bald die Ferien kommen. Ich werde einige meier Überstunden kompensieren und dafür Ferien nehmen. Andere Jahre habe ich das nicht gemacht, doch langsam finde ich, ich muss mir etwas mehr Freizeit gönnen.
Und dann kommt der Frühling.
Und dann der Sommer.
Wir werden sehen.
Ich bin überigens nicht mehr so sicher, ob ich wirklich nach Rom reisen werde. Vielleicht wird es nochmals Teheran. Ich habe mich noch nicht entschieden. S möchte am liebsten, dass ich im Herbst nach Teheran käme. Dann organisiert sie für einige Leute eine Persienrundreise. Und sie meint, ich könnte helfen und den Leuten dies oder jenes zeigen, weil ich einerseits das Land ein bisschen kenne und andererseits auch die Leute. Sie kommen aus meinem Club. Ich glaube es sind etwa 4 bis 8 Personen. Na ja, wir werden sehen. Auf jeden Fall ist das Interesse ziemlich gross und ich wundere mich, weshalb S nicht schon viel aufgeregter anfängt, Hotels und Flüge zu buchen. Aber ich glaube, in Persien soll man nicht zu früh anfangen mit Organisation, denn alles ändert sich ohnehin wieder bis zum Schluss.
Und dann muss ich noch meine Operation machen. Ich werde sie wohl zwischen Sportferien und Ostern machen lassen. Aber ich habe hier noch nicht gebucht. Erst muss ich sehen, wieviele Fälle ich bis dann noch zu bearbeiten haben.

Es ist alles ziemlich ausgefüllt. Und unsere Mädchen machen sich bereit, nach Südamerika abzureisen. A fliegt nächsten Sonntag. Und eine Woche später ist B dran. Ich hoffe, es geht alles gut. Wir werden nächsten Sonntag Onkelchen mitnehmen. Er freut sich sehr, wieder einmal auf den Flughafen zu kommen. Und nachher werden wir in Zürich essen. Er war früher oft mit seiner Frau in Zürich, zum Tanz, oder zum Essen, wie er uns erzählt hat. Und sicherlich kommen ihm dann wieder alte Erinnerungen. Und wir werden ja dann Zeit haben. A  muss um 1730 einchecken. Dann haben wir den ganzen Abend vor uns.

So läuft das bei uns. Und bei Euch. Alles in Ordnung?
Und die Arbeit, hat sie etwas nachgelassen? Nimm es, wie es sich gehört, nicht allzu schwer.
Ich grüsse Dich
...

Freitag, 14. Februar 2014

Valentin


Vispterminen

Ämne: Re: von rodolfo valentino ...
Datum: den 14 februari


Liebe Marlena
Solch ein langes Mail habe ich lange nicht gehabt von Dir. Was ist denn in Dich gefahren? Oder war es der Whisky, der Deinen Gedankenfluss so sehr befördert hat? Auf jeden Fall war es schön, soviel von Dir zu hören, von Deiner Arbeit und von den Gedanken. Und es war alles etwas distanziert, als ob Du Dir selbst über die Schulter geguckt hättest.

Ich habe hier wieder einen Tag mit vier Abklärungen hinter mir. Das ist zwar interessant, aber auch insofern energieraubend, als man ziemlich gut organisiert sein muss, und abends recht müde ist. Denn wenn die Eltern mit ihrem Kind einmal dasitzen, muss alles wie am Schnürchen laufen. Da kann man nichts mehr organisieren wollen. Und das ganze findet, wie Du weißt, in Basel statt. Es ist für mich also ein Auswärtsspiel, wie sie im Fussball sagen würden.
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Und dazu ist heute Valentinstag. Ich muss Dir sagen, Marlena, dass ich früher nie im Leben daran gedacht habe, dass es sowas gibt. Nun ja, als ich jünger war, war es überhaupt noch nicht bekannt. Und heute sind die Blumengeschäfte diejenigen, die riesig die Werbetrommel schlagen. Aber ich habe keine einzige Blume organisiert. Nein, das liegt mir überhaupt nicht. Ich finde, Blumen soll man schenken, wenn einem danach ist. Man soll nicht auf diesen Valentin warten.

Dass Du K den Whisky wegtrinkst, finde ich Klasse. Ich würde mich sehr gerne anschliessen. Abends schätze ich wirklich ein Gläschen von diesem Schnaps besonders. Man sagt, es sei auch gesund, sofern man es nicht übertreibt. Ich habe gelernt, dass man ihn in ganz kleinen Schlücklein nippen soll. Dann schmeckt er fantastisch.  ...
Ja, ich glaube, dass unsere Lehrkräfte manchmal schon noch etwas autoritär sind. Nicht alle, aber vielleicht die älteren mehr als die jungen. Und mehr als die schwedischen bestimmt. Wir sind ja doch ein konservatives Land. Und wir sind auch noch nicht so weit, dass man sich duzt. Das nun doch nicht. Seit wann duzt man sich denn in Schweden allgemein? Ich habe gehört, dass es in Dänemark noch nicht so lange her ist, vielleicht eine Generation? Eigentlich könnte ich sowas in der Schweiz einführen! Das wäre ein Ding. Das wäre wirklich ein Schritt vorwärts. Heute kämpfen die Frauen, dass sie sprachlich berücksichtigt werden, dass man immer die beiden Begriffe braucht: Lehrerin und Lehrer. Man könnte doch für die Jugend kämpfen, damit sich alle Du sagen. Das wäre eine echte Revolution, mindestens eine sprachliche.

So schicke ich Dir heute einen besondern Kuss, einen Valentinskuss, wenn Du so etwas magst? Aber er käme ja auch ohne Valentin.
Mit einem lieben Gruss
...

PS: Bei diesem Namen „Valentin“ kommt mir mein alter Schulkollege in den Sinn. Er heisst Valentin. Und er ist heute katholischer Priester, hat in Münster Philosophie studiert. Er war nicht besonders gut in der Schule, aber er hat sich gut entwickelt. Und er hat immer einen guten sozialen Sinn gehabt. Er kommt aus einem kleinen Dorf oberhalb Visp. Das heisst Visperterminen, und ist ein sonniges Dorf. Meine Mutter war dort oben oft in den Ferien und hat meinen Kindern dort oben die dörfliche Lebensart nähergebracht. Valentin ist ein lieber Kerl. Und er ist es, der uns heute unsere Klassenzusammenkünfte organisiert. Er ist auch der einzige von uns allen, der immer noch an der alten Schule ist. Jetzt allerdings als Lehrer. Soviel über Valentin.

14. Februar


Lieber Mausfreund,

Habe ich richtig gesehen? Du trinkst Tee mit Kadmium??? Bist du so lebensmüde?
Nun, während du deinen Tee trinkst, schenke ich mir ein Glas Whisky ein. Nein doch, es ist nicht wie du glaubst, dass ich nun angefangen habe zu trinken - im Gegenteil ich will nur verhindern dass K ihn trinkt. Also eine präventive Massnahme, eine gute Tat in der Tat ;-)

Ich habe einen anstrengenden Tag hinter mir. Immer noch nicht richtig kuriert von meiner Erkältung habe ich am Ende des Tages noch eine 80 Minuten lange Französischstunde absolviert mit Schülern die erst das zweite Jahr diese Sprache lernen und also noch ziemliche Anfänger sind. Ja, auch ich bin ganz der Meinung von S.. Bei uns am Gymnasium machten mal ein paar Schüler eine Spezialarbeit über das Thema: ”Wie soll ein guter Lehrer sein?” Sie machten Interviews mit den Schülern. Ich wusste nichts davon, aber später erzählte mir mal M (die Journalistin aus Südschweden) dass jemand geschrieben hatte: "Ein guter Lehrer soll sein wie Marlena J. Nach jeder Stunde hat man eine Menge dazugelernt". Und du als Psychologe weisst ja wie wir Menschen sind. :-) Wenn man uns was schönes sagt über unsere Person, dann versuchen wir zu diesem Bild aufzuleben (sagt man so)?
Die Klasse die ich am Ende des Tages hatte, fährt übrigens im April nach Prag und ich konnte mich nicht davon abhalten ein wenig von dieser wunderbaren Stadt zu schwärmen. Ach, wie schön es war!!!! Und die Schüler, die wohl schon etwas müde waren sind wieder aufgelebt und haben fleissig weiterstudiert.

Ich erinnere mich dass du einmal von Hass gesprochen hast in der Beziehung Lehrer - Schüler. Das hat mich etwas gewundert. Sowas kommt wohl meistens vor wenn die Lehrer sehr auktoritär sind. Aber weisst du, das ist bei uns äusserst selten. Wir gehen miteinander um wie Freunde. Wir duzen einander und haben eine sehr spontane, offene Beziehung zueinander. Sie unterhalten sich gern mit uns in den Pausen. Es ist wirklich ein schöner Beruf. Was einem so schrecklich viel Zeit raubt ist das andere. Die unnötige Papierarbeit, das Lehrpläne konstruieren, das Stundenpläne organisieren, das Inventieren (was am 25 Januar gemacht sein sollte) und womit ich noch nicht begonnen habe. ;-) und die wertlosen Konferenzen (natürlich nicht alle!).
Eingenickt?? OK dann wirst du vielleicht weiterlesen wenn du wieder aufwachst.

A kam gerade von ihrer Klavierstunde nach Hause und ich hab sie gefragt: Na, wie war denn Ulla heute? Die Antwort: Ach, ganz OK, sie hatte sich schon an dem Jungen vor mir abreagiert. ;-)
Ich würde den beiden gern mal zusehen, wenn sie üben, denn beide haben ein ziemliches Temperament und obwohl sich Anna (ist ja schliesslich wohlerzogen) gut beherrschen kann, kann sie auch explodieren. Dann lachen beide laut und weiter geht’s.

Und du liest immer noch die Texte von diesem Kerl? Nun ja, wer sollte sie sonst lesen? Ich traue keinem anderen zu, sie verstehen zu können.

Heute früh als ich noch so im Halbschlaf aus dem Schlafzimmer kam musste ich meine Auffassung, dass die Welt in uns ist, ein wenig revidieren. Denn all diese Papierberge und Bücher plus übriger Kram der hier herumliegt ist doch wirklich eine Realität, die abgesehen von mir existiert, wie gern ich sie aus meinem Leben wegdenken möchte. Aber dann gibt es natürlich auch all das andere und vielleicht auch ”die anderen” die dieses Haus bevölkern obwohl sie nur in meinem Inneren leben. Du bist ständig anwesend (leider zur Zeit meistens arbeitend oder schlafend) andere sind nur zeitweise hier...

Es war nicht der versprochene Frühlingstag heute, aber doch schon so schön sonnig und warm dass man spürte dass es nun nicht mehr lange dauern wird. Der Winter dieses Jahr war nicht den Namen wert. Nicht ein einziges mal konnten wir Ski laufen und ich glaube kaum dass es jetzt nochmal richtig kalt werden kann.
Nächste Woche sind Anna und ich frei. Wir hatten eigentlich geplant ein paar Tage nach London zu fliegen. Aber wir hätten schon diese Woche fahren müssen und sie hat jetzt so viel zu tun, dass sie eigentlich nicht loskommt. Aber wir werden sicher etwas unternehmen. Das tun wir immer.

So, das war ein wenig von mir an diesem 14. Februar, dem Valentinstag.
Ich grüsse dich herzlich
Marlena

Blick durchs Fenster


14 febr 2014





Mittwoch, 12. Februar 2014

Tuesday evening


Subject: Tuesday evening..
Date: Tue, 21 Mar 17:43:09 +0000

Lieber Mausfreund!
Ich kann es einfach nicht lassen. Habe deinen schönen Brief nochmals durchgelesen und nun muss ich dir doch ein paar Zeilen schreiben trotz Mangel an Zeit. Wenn ich so weitermache bin ich bald bei den 80 % Arbeit und 100% Lohn die du mir vorschlägst. Zu meinem Trost sage ich dass nicht immer die lange vorbereiteten Stunden die besten sind und hoffe dass mir das Schicksal morgen hilft.

Ja, deine Beichte habe ich entgegengenommen.. und du kannst sicher sein dass ich es nie jemandem verraten würde ;-))) Was für eine Todsünde du da begangen hast! Oder habt ihr vielleicht nicht sowas lesen dürfen an deinem katholischen Gymnasium? Würde mich nicht wundern denn es wird viel gesündigt im Faust wie Liebe vor der Hochzeit, Mord, uneheliches Kind und das schrecklichste am Ende des 1. Teils. Goethe hat ihn wohl schon mit 18. Jahren geschrieben und den 2. (nicht zu geniessen) erst als er 80 war? Weiss nicht ob ich mich richtig erinnere.

Die schönen Stimmen der Schauspieler würde ich dich gern hören lassen. Ich werde mich bemühen deinen Defekt zu verringern :-)

Das was du mir von S's Familie erzählt hast klingt so wunderschön, wie in einem Märchen. Ich sah neulich einen Dokumentärfilm über eine Frau aus Iran (die hier in Exil lebt seit vielen Jahren) und ihren ersten Besuch bei den Verwandten in Teheran machte. Es hat mich fasziniert. Gewiss, man sah die Armut, die jetzt dort herrscht aber ich kann nicht verstehen wie ein Mensch, der an die Lebensart dort gewöhnt ist, sich in unserem Lande zurechtfinden kann. Das Leben ist so grundverschieden. Hier leiden viele Leute an Mangel an sozialen Kontakten. Nur sehr nahe Verwandte die in der Nähe wohnen treffen sich manchmal. Oft kennt man nicht einmal seine eigenen Kusinen.

Dir hat das Wochenendleben in meinem Elternhaus gefallen? Das freut mich. Es war auch schön. Es ist herrlich für ein Kind Erwachsene froh zu sehen und lachen zu hören. A propos interessante Leute möchte ich dir von einem anderen kleinen Erlebnis erzählen, das mir in Erinnerung kommt. Mein Onkel war mit uns Kindern in den Zirkus gegangen (Zircus Scott glaube ich). Es wurde ihm wohl etwas langweilig und so begann er mit jemandem von den Zirkusleuten zu sprechen. Nach der Vorstellung wurden wir in einen Zirkuswagen eingeladen wo uns ein Paar in den mittleren Jahren zum Kaffee einlud und von ihrem interessanten Leben erzählten. Sie waren Löwenbändiger gewesen hatten aber mit der Zeit (aus Altersgründen) auf Seelöwen umgesattelt. Sie zeigten Fotos und wir Kinder staunten nur so.

Die jungen fröhlichen Menschen die ab und zu bei unseren Festen auftauchten habe ich schnell wieder vergessen - sie gehörten sozusagen zu den Kulissen oder waren irgenwelche Statisten. Dagegen haben einige Freunde meiner Eltern einen tiefen Eindruck auf mich gemacht. U.a. der Arzt (auch Veterinär) aus Wien der eine Schwedin geheiratet hatte und später mit ihr nach Schweden gezogen ist. Viel von dem was ich über Wiener Leben und Athmosphäre kenne habe ich durch ihn gelernt. Er gehörte zur Prominenz in Österreich und du kannst dir sicher vorstellen was das bedeutet in dieser k&k Monarchie, wie du sie zu nennen pflegst.

Wenn die Wiener witzen wollen, nehmen sie ganz einfach einen schöne klassische Melodie und singen dazu einen ganz schrecklichen Schmähtext. So kann ich noch heute gewisse schöne romantische Musikstücke kaum hören ohne dabei sofort an irgend einen ganz wahnsinnigen Text zu denken :-)

Dann hatten wir eine Freundin meiner Tante. Sie war Künstlerin und sehr originell. Eigentlich sah sie aus wie ein kleiner Mann mit O-Beinen. Aber ich sage dir: Nie in meinem Leben habe ich ein so weibliches Geschöpf kennengelernt. (Ihre Bewegungen und Art zu Reden) Ich freute mich in meinem Herzen wenn sie ihren Besuch ankündigte. Dann blieb sie meistens eine Woche und wir halfen ihr Ausstellungen zu arrangieren. Ihr Mann war ein noch grösserer Künstler und es war interessant zu sehen wie verschieden sie eine Landschaft malten. Seine gingen in "Moll" wenn man so ein Wort verwenden darf und ihre waren hell und sonnig, die Freude selbst.

Natürlich konnte ein solches Paar nicht zusammenleben - es hätte ihrer Kunst geschadet.
Eigentlich war er ein Portrait-maler.

Und nun zu dem Mann an den ich dachte als du mir von dem Onkel deiner Freundin erzähltest. Er war ein pensionierter General der persönlicher Adjutant beim alten König gewesen war. Manchmal erzählte er ein wenig davon aber seine eigentliche Grösse war sein anspruchsloses Wesen. Er war wie ein zweites Familienmitglied. Ich hatte ihn sehr gern (vielleicht weil er mich an meinen geliebten Grossvater erinnerte). Auch er liebte es zu malen und seine Wände waren voll von wunderschönen Gemälden die er selbst gemacht hatte.

Übrigens. für den Louvre brauchen wir wohl mehr als einen Tag, oder? Ich höre dich schon mir die Barockmalerei erklären :-) Ich glaube ich muss ein wenig aufpassen sonst geht es mir wie dir ;-)



"Meine Ruh ist hin

Mein Herz ist schwer

Ich finde sie nimmer

Und nimmermehr."
...

Armes Gretchen, hat sich in Faust verliebt.:-)


Ich Grüsse dich herzlich
Deine Mausfreundin
Marlena

PS

Habe gerade dein Mail von heute gesehen.. noch nicht gelesen.