Donnerstag, 18. Oktober 2012
Elchstamm ausgestorben ...
Liebe Marlena,
Heute oder morgen wird die Verbindung zwischen Dänemark und
Schweden eingeweiht, nicht wahr, oder dem Verkehr übergeben?
Wie heisst es, Öresund oder so. Dann brauchen die Elche nicht mehr
nasse Füsse zu bekommen, wenn sie nach Dänemark auswandern
wollen. Dann können sie in Kolonnen über diese Brücke wandern
und in der Mitte noch ein schönes Picknick machen ;--)
Wenn ich dich jetzt in Stockholm besuche, könnte ich dies trockenen
Fusses. Nun ja, das wäre ja schon bisher möglich gewesen, aber mit
einem grossen Umweg, nicht wahr? Aber jetzt könnte ich wirklich
gleich meine Pantoffeln anbehalten. Das ist doch ein gutes Gefühl.
Ich werde es mir überlegen.
*
Lieber Mausfreund,
Zum Elch. Am Wochenende ist, wie du schon weisst, der dänische Elchstamm ausgestorben.;-) D.h. die Dänen haben gar keinen gehabt, aber dann ist eben ein schwedischer Elch rübergeschwommen und nun ist dieser arme Elch von einem Zug überfahren worden.
Wir vergleichen eigentlich nie Menschen mit einem Elch. Er ist der König des Waldes und bei den Elchkälbern lacht man über die langen Beine. Sie sehen so unbeholfen aus damit als würden sie jeden Augenblick umfallen. Die Beine stehen oft in alle Himmelsrichtungen. Tun sie das bei dir auch? Übrigens kann ich nicht verstehen warum die Ausländer immer so verrückt sind nach diesen Tieren.
(den 24 maj 2000 01:05)
Dienstag, 16. Oktober 2012
Bereuen?
Ämne: hopp Pferdchen hopp
Datum: den 25 november 2002 20:29
Liebe Marlena
Ach, wer hat gesagt, Du schreibst wenig. Du schreibst wunderbar. Und wie Du
die Dinge aufrollst, ist manchmal wunderbar.
Von Peter hast Du mir devinitiv erzählt, aber nicht in der netten Art wie
hier, und nicht in dieser verspielten Erzählweise. Vielleicht war es damals
zu früh, als Du von diesem Zwischenstop in Wien erzählt hast. Vielleicht
sind die Ereignisse und Erlebnisse erst in der Zwischenzeit quer durch Deine
Seele geschwommen. Und jetzt sind sie tropfnass von Dir und unverwechselbar
wieder an unser Ufer geschwemmt worden?
Hast Du die Wahlen in Oesterreich verfolgt. Offenbar war das sehr spannend,
und alle haben gefiebert, vor allem die Sozialdemokraten. Ich finde diesen
Schüssel, den ehemaligen Bundespräsidenten ziemlich intelligent. Ich habe
irgendwo gelesen, dass er auch Kinderbücher zeichnet und schreibt. Das hat
ihn mir bis zur Waldgrenze hinauf gehoben. Zu Anfang fand ich ihn etwas
unserös, zusammen mit den Freiheitlichen, Haider und Konsorten, und mit
diesem Mascherl am Hals. Doch mittlerweile hat er das Mascherl abgelegt und
ein ausgewachsenen Schlips umgebunden. Am meisten mag ich seine
Aussenministerin. Sie hat viel Charme, auch wenn sie von ihr sagen, sie
hätte nicht allzu starke Wirkungen in ihrer Arbeit. Aber damals, als
Oesterreich wegen ihrer Koalitionsregierung in Europa isoliert war, da hat
sie wohl viel Terrain gut gemacht. Die Europäer waren wirklich hart mit den
kleinen Europäern. Eigentlich sollten sie heute Berlusconi zum Teufel
schicken, wenn sie dieselben Masstäbe anlegen würden.
*
Die Eskapaden N's sind so ähnlich wie die Canterbury Tales: Verrückte
Geschichten aus alter Zeit, die man nicht so genau nachprüfen kann. Aber ich
muss Dir, im Vertrauen, erzählen, dass er einen Mutter-Komplex hat. Mit
anderen Worten, der ist nicht ein Muttersöhnchen, sondern hat das Gefühl,
seine Mutter hätte ihn irgendwie gehasst und niedergedrückt, während sie
seine Brüder unterstützt und belohnt habe. Und was ergibt sich daraus? Na
ja, er war sicherlich früher ein unbewusster Frauenhasser. Wenn wirkliche
Liebe im Anzug war, dann hat er sich davongemacht. Er hat, soweit er das
erzählt, bloss Sex gesucht. Und er hat, soweit ich das beurteilen kann, noch
heute ein eher rustikales Verhältnis zu den Frauen. Und wenn Du meinst, wir
Träumer und Romantiker seien in dieser Hinsicht besser gefahren, so bin ich
nicht völlig abgeneigt, dem zuzustimmen. Na ja, wir haben auch unsere Dinge
getrieben. Und es gab sicherlich eine Zeit, wo wir ziemlich spielerisch und
unternehmerisch die Mädchen angegangen sind. Aber das hat sich ja dann alles
gelegt. Heute stehen wir am Spühltrog und trocknen die Untertassen. Und
abends löschen wir das Licht in der Stube, bevor wir in die Pfanne tauchen.
Ach, wie die Zeiten dahingehen.
Manchmal habe ich auch den Eindruck, ich hätte einiges mehr vom Leben
erhalten können, wenn ich mich weiter hinausgewagt hätte. Ich war lange Zeit
sehr brav, sehr ordentlich, sehr fleissig, sehr darauf bedacht, der Familie
keinen schlechten Ruf einzubringen. Nun ja, im Wallis sind die Verhältnisse
eng. Und wenn du, nach einer halben Flasche Fendant, einem stockbesoffenen
Typen aus dem Unterdorf die Schande gesagt und alles Böse gewünscht hast,
dann wusste dies nächstentags jeder in einer Umgebung von 50 km. Es gab da
wirklich kein Entrinnen. Und ich hatte immer den Eindruck, die Frage, welche
Freundin man wählt, sei besonders delikat, weil Du ja mit hoher
Wahrscheinlichkeit in einer Reihe stehen wirst, in der man Dich messen
wird. Mit wem ist sie vorher gegangen, mit wem geht sie jetzt und mit wem
geht sie später. Und wie steht es mit ihm. Es ist sozusagen wie bei der
Pferdewette. Und wenn man den Coupon zerrissen hat, dann sollte man es dabei
belassen. ...
Ich hätte immer gerne auf Pferde gesetzt. Aber in der Schweiz gibt es dafür
nur wenig Gelegenheiten. Und man kann die ganze Sache nicht im Fernsehen
verfolgen, wie beispielsweise in Frankreich. So wette ich neuerdings bloss
auf Firmen. Die ABB hat gut zugelegt seit meinem Geburtstag! Man könnte
denken, sie tue es für mich. Dagegen ist das andere kleine Bündel heute um
30% abgesackt. Du siehst, ich stehe praktisch permanent an der Rennstrecke
und verfolge meine Traktoren. Und ich rudere mich mühsam vorwärts.
Ich wüsste nicht mal, was ich im Leben am meisten bereue. Ich glaube, es ist
dies, dass ich meine Begabungen nicht mehr entwickelt und genutzt habe. Ich
habe soviel gelesen, soviel gezeichnet und gemalt. Ich habe philosophiert
und habe diskutiert. Aber es war immer nur für mich selbst. Heute würde man
sowas besser amortisieren. Ich war vielleicht ein bisschen zaghaft, nicht
mutig genug, bin den Abenteuern des Alltages geflissentlich ausgewichen, um
den geraden und rechten und mehr oder weniger langweiligen bürgerlichen Weg
zu nehmen. Na ja, wenn ich zurück denke an meine Oltner Zeit, so habe ich
zwar nicht den Eindruck, dass es ganz so war. Damals lebte ich gewiss im
Gefühl, einen sehr jugendlichen, abwechslungsreichen, modernen und manchmal
sogar abenteuerlichen Beruf zu haben. Erst seit ich hier beim Staat
angestellt bin, fühle ich mich so gut wie zubetoniert.
Ach, welche Art von Klagen sind das. Lass uns die Zeit geniessen. Wir sind
im besten Alter. Wir schauen von halber Höhe auf das Leben hinunter und auf
die Jungen, um zu sehen, wie sie toben und sich wenden, wie sie ihren Charme
leben, und wie sie in die Nesseln treten. Es ist nicht so schlecht, von
dieser einigermassen sicheren Warte zuzuschauen. Wir sollten wirklich nicht
klagen.
Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Mit einem allerliebsten Kuss
...
Montag, 15. Oktober 2012
Americanized country
Lieber Mausfreund,
Heute Morgen habe ich mich mit der Englischen Sprache
herumgeplagt. Die Grammatik beherrsche ich so eingermassen
aber diese Sprache ist ja viel mehr als so. Es war mein Lieblingsfach
im Gymnasium und eigentlich hätte ich es dann an der Uni studieren
wollen.. aber Frankreich kam dazwischen. :-)
Ich schicke dir eine Kopie von meinen Bemühungen, damit dir nichts
von meinem "inhaltreichen" Alltag entgeht. ;-))
.....
Sweden really is a very Americanized country. (The most
Americanized country in the world. On the second place
comes the USA ;-)
...
Bis später
MlGuK
Malou
*
Halo liebe Malou
ich staune, welch lange, detaillierte und hübsche Briefe du nach
Rom schickst. Diejenigen, die in Basel anflattern, sind bloss halb
so lang. Nicht einmal!
Ja, dein Englisch ist sorgfältig und schön Malou. Und deine
kleinen sprachlichen Bilder, die du brauchst, gefallen mir.
Ich weiss, was du meinst, wenn du sagst, du möchtest mir
manchmal gewisse Dinge in Schwedisch beschreiben. Vielleicht
wäre es für dich einfacher auch bei mir, in Englisch zu brauchen?
Aber du hast jetzt dein Deutsch in den letzten 7 Jahren so sehr
poliert und gepflegt, dass das auch so sehr ok ist.
Ja, die 'amerikanisierten' Schweden. Und USA auf Platz zwei.
Das ist eine gute Pointe, und ich musste laut lachen am Morgen
früh schon. Ich erinnere mich dabei an ein Cartoon von Sempé.
Da sieht man einen typischen Pariser: rundlich, mit einer kleinen
französischen Dogge, hässlich, wie man sie wirklich nur in Paris
sieht, eine typische französische Zeitung unter dem Arm, vor
einem typischen französischen Lokal, wo er gleich seinen Apéritiv
trinken geht, mit der typisch französischen Atmosphäre in den
Strassen rundum. Plaudernd klagt er seinem Kollegen, der
dabeisteht: "wir veramerikanisieren uns zusehends!"
Und für unsere Augen ist es absolut typisch Paris, oder sagen
wir französisch. ...
December 2007
Heute Morgen habe ich mich mit der Englischen Sprache
herumgeplagt. Die Grammatik beherrsche ich so eingermassen
aber diese Sprache ist ja viel mehr als so. Es war mein Lieblingsfach
im Gymnasium und eigentlich hätte ich es dann an der Uni studieren
wollen.. aber Frankreich kam dazwischen. :-)
Ich schicke dir eine Kopie von meinen Bemühungen, damit dir nichts
von meinem "inhaltreichen" Alltag entgeht. ;-))
.....
Sweden really is a very Americanized country. (The most
Americanized country in the world. On the second place
comes the USA ;-)
...
Bis später
MlGuK
Malou
*
Halo liebe Malou
ich staune, welch lange, detaillierte und hübsche Briefe du nach
Rom schickst. Diejenigen, die in Basel anflattern, sind bloss halb
so lang. Nicht einmal!
Ja, dein Englisch ist sorgfältig und schön Malou. Und deine
kleinen sprachlichen Bilder, die du brauchst, gefallen mir.
Ich weiss, was du meinst, wenn du sagst, du möchtest mir
manchmal gewisse Dinge in Schwedisch beschreiben. Vielleicht
wäre es für dich einfacher auch bei mir, in Englisch zu brauchen?
Aber du hast jetzt dein Deutsch in den letzten 7 Jahren so sehr
poliert und gepflegt, dass das auch so sehr ok ist.
Ja, die 'amerikanisierten' Schweden. Und USA auf Platz zwei.
Das ist eine gute Pointe, und ich musste laut lachen am Morgen
früh schon. Ich erinnere mich dabei an ein Cartoon von Sempé.
Da sieht man einen typischen Pariser: rundlich, mit einer kleinen
französischen Dogge, hässlich, wie man sie wirklich nur in Paris
sieht, eine typische französische Zeitung unter dem Arm, vor
einem typischen französischen Lokal, wo er gleich seinen Apéritiv
trinken geht, mit der typisch französischen Atmosphäre in den
Strassen rundum. Plaudernd klagt er seinem Kollegen, der
dabeisteht: "wir veramerikanisieren uns zusehends!"
Und für unsere Augen ist es absolut typisch Paris, oder sagen
wir französisch. ...
December 2007
Nietzsche
---
Und schliesslich lese ich, die paar freien Minuten abends, immer noch meinen Nietzsche. Das heisst, ich lese eigentlich Sekundärliteratur. Nietzsche selbst zu lesen ist etwas zeitaufwendig und weitläufig. Nein, ich lese eine gute Biographie von Safranski, der auch Nietzsches Denken und seine Schriften gut und verständlich darstellt. So komme ich immer wieder zum Schluss, dass der gute Fritz einfach wirklich genial ist. Er hatte einen wirklich klaren Blick für die Verhältnisse seiner Zeit und was kommen würde. Und er hat seiner Zeit mutig ins Auge geschaut. Er hat die Konsequenzen gezogen wie kein anderer. Von Freud weiss man, dass er sich versagt hat, Nietzsche zu lesen, weil er ständig Einsichten niederschreibt, die Freud selbst erst nach eingehender Analyse und Forschung entdeckt.
Nietzsche ist vor allem wichtig für die heutige, die sogenannte Postmoderne Zeit. Seine Philosophie ist ja Lebensphilosophie. Und das ist es, was wir wieder brauchen. Die materiellen und technischen Möglichkeiten sind so gross geworden, dass wir wirklich ein metaphyisches System brauchen, um uns Orientierungshilfen zu geben. Deshalb hänge ich diesem Nietzsche so an.
Und schliesslich lese ich, die paar freien Minuten abends, immer noch meinen Nietzsche. Das heisst, ich lese eigentlich Sekundärliteratur. Nietzsche selbst zu lesen ist etwas zeitaufwendig und weitläufig. Nein, ich lese eine gute Biographie von Safranski, der auch Nietzsches Denken und seine Schriften gut und verständlich darstellt. So komme ich immer wieder zum Schluss, dass der gute Fritz einfach wirklich genial ist. Er hatte einen wirklich klaren Blick für die Verhältnisse seiner Zeit und was kommen würde. Und er hat seiner Zeit mutig ins Auge geschaut. Er hat die Konsequenzen gezogen wie kein anderer. Von Freud weiss man, dass er sich versagt hat, Nietzsche zu lesen, weil er ständig Einsichten niederschreibt, die Freud selbst erst nach eingehender Analyse und Forschung entdeckt.
Nietzsche ist vor allem wichtig für die heutige, die sogenannte Postmoderne Zeit. Seine Philosophie ist ja Lebensphilosophie. Und das ist es, was wir wieder brauchen. Die materiellen und technischen Möglichkeiten sind so gross geworden, dass wir wirklich ein metaphyisches System brauchen, um uns Orientierungshilfen zu geben. Deshalb hänge ich diesem Nietzsche so an.
Sonntag, 14. Oktober 2012
"Sorgen um nichts"
Date: 16 Nov 2007 09:08
Subject: Re: FREIMO
Liebe Malou
Findest du diese grosse grüne Schrift nicht schön. Sie strahlt doch in
der Tat Hoffnung aus. Und richtig, sie kommt der Tatsache entgegen,
dass meine Brille nicht richtig angepasst ist. Auf die Distanz, die
ich zum PC-Bildschirm habe, kann ich nicht klare Buchstaben sehen.
Aber bei dieser grossen Schrift kann ich doch mindestens den
Wortlaut erraten. Das ist gut so.
Wir werden also Dispute für und wider die Religion haben? Ich weiss,
dass es schwierig ist. Religion ist wie eine liebe alte Heimat. Niemand
lässt sich gerne daraus vertreiben. Man hat viele warme und angenehme Erinnerungen aus der Kindheit und der Jugend. Bei wichtigen Lebensereignissen, Geburt, Erwachsenwerden, Weihnachten, Tod ist die Kirche mit dabei. Natürlich kann man Religion als Privatsache durchaus tolerieren. Aber viele wirklich gläubige Menschen können sie nicht nur als Privatsache belassen. Sie wollen andere überzeugen, dass sie selbst den richtigen Gott hätten. Ich habe das noch am Gymnasium erlebt. Ich glaube, in den ersten Jahren gab es schon noch Lehrer und Schüler, die bedauerten, dass wir Protestanten, im Speziellen ich als Schüler oder als Kollege, dereinst zur Hölle fahren müssten. Und weisst du, wie ich darauf reagierte? Ich hatte mit ihnen Mitleid, weil sie sich solche Sorgen um mich machten. Lustig nicht? Sorgen auf zwei Seiten um eigentlich gar nichts. Und gerade dies ist typisch für die Religion. Sie schafft überall Sorgen um nichts. Na ja "nichts" ist vielleicht ungenau formuliert. Sorgen ändern natürlich schon etwas an dieser Welt. Insofern sind sie nicht nichts.
Der Gedanke an die ewige Wiedergeburt ist doch schön. Kannst du dich nicht bereit erklären Malou, die Wiedergeburt in die katholische Kirche einzuführen. Es gibt doch in den Walliser Sagen dieses häufige Motiv, dass die armen Seelen, die irgendwo im Leben gesündigt hatten, dort wieder auftauchen müssen, um ihre Schuld abzutragen. Und das können sie nicht. Das heisst, sie kommen immer wieder und leiden unter den Unruhen ewiger Sünden. Es gibt unzählige solcher Sagen. Und ich glaube, Nietzsche hat seine Idee vielleicht sogar aus dem Katholischen. Sie kennen die armen Seelen, die immer wieder an den Ort des Unrechts zurückkehren müssen. Manchmal gibt es einen Schlüssel, wie sie davon loskommen, ähnlich wie in den Märchen. Ein Mensch muss vielleicht das Kreuzzeichen machen, muss ein Ave beten oder so etwas. Es ist ein magischer Mechanismus, der den Weg zur Erlösung frei macht.
Ja, das Grab von Astrid gefällt mir. Dieser einfache Stein! Ist fast
so einfach wie bei Rilke. Und die hübsche Handschrift auf dem rohen
Stein. Das wirkt zusammen sehr schön und menschlich. ...
Gestern habe ich meine Bilder durchgeschaut. Es sind mit den Jahren
soviele geworden. Ich werde dir heute eins auswählen und schicken.
Ich wünsche dir ein gutes Wochenende
Liebe Gs und Ks
Freitag, 12. Oktober 2012
Herbst
Lieber ...
Ich habe das schöne Gedicht gefunden. Kannst du dir das vorstellen? Unter
allen tausend Papieren die hier herumliegen hatte ich es plötzlich in der
Hand. Nur zwei Blätter auf denen ich damals, als ich noch studierte, ein
paar Gedichte von Rilke niedergeschrieben habe, die mir besonders gut
gefielen. So lautet das Herbstgedicht:
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
---------
Ach, nun hast du mich wieder zu Rilke geführt und ich kann mich kaum
von ihm trennen. Ich habe noch ein paar wunderbare Gedichte
hier niedergeschrieben. Aber ich hebe sie auf für später, für einen
finsteren Tag wenn wir etwas Licht brauchen.
Hast du übrigens bemerkt wie Rilke in einem Gedicht neben sehr erhabenen
vergeistigten Gedanken plötzlich ganz konkret werden kann? Ich werde dir
später ein Beispiel geben.
*
Für alle Rilkefans:
http://mitrilkedurchdasjahr.
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