Montag, 4. Juni 2012

Pflicht oder Genuss?

Ämne: Re: aha
Datum: den 30 maj 2002 16:19

Lieber ... ,
Wozu brauchst du den deutschen Text wenn du den lateinischen hast und so gut Latein kannst? Hatte ich dir was falsches geschickt?
Sag mir schnell wie es ist.
Liebe Grüsse
Marlena

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Ämne: Pflicht oder Genuss?
Datum: den 30 maj 2002 18:59

Lieber ... ,
Ach nein, du bist wirklich schon weg!?.:-(
Und nun schwitzt du hinter deinem Rasenmäher oder vielleicht spazierst du gemächlich hinter (oder sitzst sogar auf)so einem dröhnenden stinkenden Ding wie sie hier jeder hat. Naja, ich müsste es wohl akzeptieren denn euer Rasen ist sicher bedeutend grösser als der unsere, den ich übrigens gestern wieder gemäht habe. Ich tue es nicht ungern. Es hilft gegen Stress. Und nachher sieht alles so schön gepflegt aus und ich fühle mich ganz zufrieden.
*
Von hier sehe ich das kleine Kohlmeisenmännchen das dauernd mit Futter zum Nistkasten fliegt. Und dabei muss ich an dich und dein Töchterchen denken, das du nun auch in väterlicher Fürsorge hast.

Ich verstehe schon wozu du den lateinischen Text brauchst. Sicher wirst du damit alle sofort in die Stimmung von damals versetzen. Ich weiss dass du in Gedanken mit deiner Rede beschäftigt bist und du bist sehr bescheiden wenn du fragst warum sie gerade dich gewählt haben dazu.
Ja, genau so wie du es mir erzählt hast sollst du ihnen die Dinge in Erinnerung bringen. Wenn sie sich nur die Hälfte so sehr amüsieren wie ich (wo ich es doch nicht einmal selbst erlebt habe) dann ist es schon ein grosser Erfolg. Wann wird das treffen denn stattfinden?

Aber wie respektlos du über die armen Gottesmänner herziehst.. Manchmal bist du wirklich schrecklich...

Du fragst nach Annas Prüfungsvorbereitungen. Na, weisst du, so wie in der Schweiz war es einmal auch bei uns. Aber jetzt haben wir seit langem nur Kurse in verschiedenen Fächern (das amerikanische System)und nach jedem Kurs bekommt man eine Note die dann im Abschlusszeugnis steht. Also kein Abitur wo man geprüft wird. Zwar geben wir am Ende der Kurse einen etwas umfangreicheren Test aber die Angst vor den Abschlussprüfungen fällt ganz weg.
Anna hat gestern ihre letzte grosse Physikprobe gehabt. Vier stunden lang hat sie geschrieben und doch fand sie die Zeit etwas kurz angemessen. Und was hat ihre böse Mutter dazu gesagt? Wenn du es besser gekonnt hättest, wärest du mit weniger Zeit ausgekommen.
Natürlich bin ich stolz auf sie. Aber nicht so sehr über die Noten (was bedeuten die schon?)wie über ihre Vielseitigkeit und ihren Humor.

Unsere Schulbibliothekarin hat mir den kleinen Prinzen auf deutsch verschafft. Ach wie schön weich es auf deutsch klingt wenn man mit unserer Sprache vergleicht. Aber an manchen Stellen überrascht mich die Übersetzung ein wenig.
"Du bist zeitlebens für das verantwortlich was du dir vertraut gemacht hast." Steht es wirklich so im Original?

Ich muss noch ein bisschen an die Arbeit. Vorbereitungen für morgen. Deswegen verlasse ich dich nun.

Nein, ..., ich bin nicht streng mit meinen Küsschen.. ich küsse dich oft und gern und sogar ohne Gegenleistung.. ;-) Genau wie jetzt.
G+K
Marlena

Hier alle de officiis: http://www.thelatinlibrary.com/

nochmals Latein

Ämne: aha
Datum: den 30 maj 2002 16:07

Liebe Marlena
Ach, Du bist wirklich ein bisschen streng mit Deinen Küsschen. Aber wie auch
immer, ich suche immer noch den deutschen Text von "die Pflichten", de
officiis. Bisher hatte ich geglaubt, dass man im Internet alles finden kann.
Aber das scheint nun wirklich ein Aberglaube. Es gibt Dinge und Texte, die
findet man immer wieder, obwohl man sie gar nicht gesucht hat. Und andere
fehlen schlichtweg. Ich finde, es ist wirklich ein vulgäres Medium, nicht
wahr?
Weißt Du, es handelt sich dabei um den Text, den wir anlässlich der Matura
zu übersetzen hatten. Und so habe ich gedacht, es wäre lustig, ihn für
unsere Klassenzusammenkunft vom Juni nochmals anzuschauen. Es sind 35
Jahre her und ich frage mich, wer von meinen Kameraden in der Lage ist,
einen Satz aus diesem Text zu übersetzen. Wir sind zwar alle wie Jesuiten
ausgebildet worden, aber wir sind nicht Jesuiten geworden. Es gibt einige
Priester, wenn ich mich nicht irre. Zwei vielleicht.  Dem einen traue ich
eine Übersetzung überhaupt nicht zu. Der andere war ein sanftes Früchtchen
und ein Streber. Vielleicht kann er es? Ich frage mich, wie er sich entwickelt
hat. Damals war er wirklich eine kleine Memme. Aber das soll sich
- wie man hört - im Leben gelegentlich ändern. Er war im Turnen völlig
unfähig und hat keinen Ball fangen können, der arme Kerl.

Ich stelle mir vor, dass wir zusammen einen Satz aus diesem Text übersetzen.
Und dazwischen kann ich - anstelle einer Rede - komische und ironische und
romantische Bemerkungen machen, Erinnerungen auffrischen, an irgendwelche
komischen Ticks von Lehrern erinnern. Na ja, ich weiss zwar noch nicht, ob
das hinhaut. Aber so ähnlich denke ich es mir im Moment.

Jetzt ist das Wetter hier besser geworden. Der Himmel ist blau und die Sonne
scheint, wie es sich im Mai gehört. Heute abend muss ich rasch den Rasen
mähen. Er ist schon ziemlich hoch, und wenn ich noch zuwarte, hat er Mäher
Mühe. Er verstopft dann leicht.

Wie geht es Deiner Anna in den Prüfungsvorbereitungen? Sie ist ja
Spitzenschülerin, und wird sich nicht zuviel Sorgen machen? Das war lustig,
was sie über Eure Familie gesagt hat. Ja, die Jungen haben ein feines Auge
und eine gute Nase. Sie sehen mehr, als wir oft denken. Aber Anna weiss
bestimmt, dass sich ihre Eltern sehr freuen über ihren schulischen Erfolg.
Solch ein Abschluss ist das beste, was die Schule zu bieten hat. Im Übrigen
sind ihre Erfolge und Wirkungen ja mehr als fraglich.

Jetzt fahre ich heim und koche mir etwas. Ich habe seit zwei Tagen nichts
Warmes gegessen. Vielleicht sollte ich mir heute Teigwahren vornehmen. Ich
glaube, ich brauche so was ähnliches.
Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Mit einem lieben Gruss
...

Sonntag, 3. Juni 2012

übermütige Cocktail-Party

Ämne: rasch rasch
Datum: den 29 maj 2002 12:07

Liebe Marlena
Damit willst Du sagen, Du hättest mein gestriges Mail nicht erhalten? Na ja,
das kann vielleicht so entstanden sein, dass ich es erst kurz vo 22.00h
abgeschickt habe. Deshalb hast Du es nicht mehr gesehen. Ich musste zum
Schluss abrupt abbrechen. Aber ich bin sicher, ich habe es abgeschickt,
mindestens in den Wind geworfen!!!

Ja, im Moment renne ich den Dingen hier hinter her. Zuhause wäre auch
einiges zu tun. Heute muss ich Geld holen und für meine Kleine Karotten,
Lauch und Äpfel einkaufen. Sonst verhungert mir das Mädchen. Und weil es in
der Küche nur so von Ameisen wimmelt, sollte ich mich da für eine kleinere
Kleinwildjagd vorbereiten. S hat ein Glas Honig am Boden stehen lassen,
und die kleinen Tierchen haben das von weitem gerochen, offenbar. Jetzt habe
ich die schmerzliche Pflicht, ihre übermütige Cocktail-Party zu
unterbrechen. Na ja, Ameisen sind an sich nicht schmutzig, im Gegenteil, sie
räumen auf. Aber dennoch sind sie in der Wohnung nicht gern gesehene Gäste.
Und dann sind da noch die Bohnen. S hat sie gepflanzt und ein Netz
darüber gespannt, damit die Vögel nicht rangehen. Teilweise sind die armen
Pflänzchen von Schnecken gefressen worden, teilweise aber wachsen sie
bereits durch das Netz hindurch. Da muss ich Ordnung schaffen. Ganz zu
schweigen vom Rasenmähen. Aber im Moment ist es regnerisch, und da gehe ich
nicht gerne in den Garten.

Wenn Du heute in die Cam schaust, siehst Du den Markt hier in L. Ich glaube
jedenfalls, dass er heute stattfindet, denn die Strassen, die ich
üblicherweise nehme, waren gesperrt oder doch mindestens mit vielen
Fahrzeugen verstopft.

Gruss
...

Verschollen?

Ämne: Verschollen?
Datum: den 28 maj 2002 21:47

Lieber ...,
Ich mache mir schon Sorgen um dich.. wo bist du denn geblieben? Doch nicht etwa krank geworden?
Aber vielleicht hast du auch nur viel Arbeit nachzuholen.
Ich wünsche dir alles Gute
Marlena

Samstag, 2. Juni 2012

Back in town.. nochmals


Ämne: Re: gole-golab 2
Datum: den 26 maj 2002 14:01

Liebe Marlena
Und jetzt bin ich einigermassen soweit für die morgige Sitzung. Ich habe natürlich nicht alles gelesen und hoffe, meine Leute können mich dann über die Details informieren. Wenn nicht, müssen wir die entsprechenden Fragen vertagen.
Ich glaube, das geht so. Es ist erstaunlich, wie rasch einem das Büro wieder über den Kopf hereinbricht: wie ein Sommergewitter.
Am Samstag gab es überigens in Teheran erhebliche Winde, die sturmähnliche Stärke annahmen. Wir waren gerade im 14. Stock beim Essen, als es losgeblasen hat. Die Storen peitschten an die Fenster und durch alle Ritzen drang der Wind ein. Wir sassen in dem Moment an der Patisserie, die wir selbst mitgebracht hatten. S's Mama hatte am Vorabend eine grosse Party gegeben, und dabei war einiges übrig geblieben. Und weil diese Kebabis meist bloss feines Essen, aber kein Dessert führen, haben wir einfach leere Teller bestellt und dazu einen Tee getrunken.
Im Iran ist fast alles möglich. Die Leute sind sehr flexibel und zu allem bereit, wenn man zum Schluss ein kleines Trinkgeld springen lässt. Und er Rest tut S, die dabei richtig aufgeblüht ist. Meine Kollegen waren begeistert von ihrer Organisation und der Art, wie sie diese Reise dirigiert hat. Dabei muss man wissen, dass Organisation im mittleren Osten eine echte Sisyphus-Arbeit darstellt, die starke Nerven voraussetzt. Die Perser neigen wie die Italiener zum Chaotismo, wie uns ein ehemaliger Radiomitarbeiter und Kultursoziologe vor einiger Zeit im Club erzählt hat. Er hat zwar von Italien gesprochen, aber das Konzept lässt sich ziemlich tel-quel auf den Iran übertragen. Er meinte, dass das ubiquitäre Chaos gewisse Vorteile habe gegenüber der starren Ordnung, wie wir sie hier in Mitteleuropa pflegen. Chaos ist die Bedingung der Möglichkeit von Heroismus und von echter und rettender Hilfsbereitschaft, also von Menschlichkeit. Nur wenn alles rundum in die Hose geht, brauchst du einen Heroen, der dir heraushilft, der die Situation rettet, oder der mit seiner Intervention das nächste, aber doch wieder neuartige Chaos auslöst, und damit das vorangehende in die Schranken weist. Unsere modernen Sozialstaaten mit ihrem optimalen Versicherungsschutz nehmen uns die Möglichkeiten, wirklich menschlich zu handeln und - wo nötig - übermenschliche heroische Akrobatik zu treiben. Alles ist in Mitteleuropa berechenbar und geht seinen geregelten, voraussehbaren Weg. Wem ein Unglück geschieht, der ist selber schuld. Aber die Dramatik des Lebens ist dahin. Dieses läuft geradeaus wie ein schwarzgrauer Bleistiftstrich und ist ebenso langweilig.
Was soll ich Dir erzählen von unserer Reise: etwa vom nasskalten, regnerischen Wetter in den Provinzen Gilan und Mazandaran, wo die Frauen tagelang gebückt in den Reisfeldern arbeiten, vom Terassendorf Masuleh, diesem von der Unesco geschützten Dorf in den Bergen; oder von Teheran mit seinem nie endenden Verkehr und der Tatsache, dass im Moharram, dem Trauermonat, alles mehr oder weniger geschlossen bleibt; vielleicht doch lieber von Shiraz, dem hübschen Ort im tiefen Süden voller persischer Poesie und sufischer Mystik; oder aber von der jungen, hübschen Reiseleiterin in Isfahan, die uns mit ihren grossen schwarzen Augen verzaubert hat? Heshti-Behescht, der Palast der 8 Paradiese, ein wahres Freudenhaus!
Wir haben insgesamt einige Reisegruppen gesehen und ich glaube, der Tourismus in Persien läuft langsam an. Sie behaupten zwar, dass er zu 90% seit dem 11. September eingebrochen sei, aber man weiss ja, dass sie gerne etwas dramatsieren. In Shiraz hatten wir mal ein Mittagessen, während am Nachbarstisch eine Gruppe aus der französischen Schweiz ihr Essen genoss. Ich musste unsere Leute richtiggehend auffordern, mit unseren französischsprechenden Conpatriotes einige Worte zu wechseln, sonst wären wir wieder hinausgegangen, ohne sie wirklich zur Kenntnis zu nehmen. So komisch können Schweizer sein!!
Überigens bin ich nicht im Zentrum gestanden. Ich habe mich im Gegenteil sehr zurückgehalten, um S diese Rolle zu belassen. Sie hat sie denn auch mit viel Charme und wo nötig Entschiedenheit erfüllt.
Ich glaube, jetzt muss ich mal heim uns sehen, was mein Töchterchen tut.
Mit lieben Grüssen
...


Ämne: Willkommen zurück!!!!
Datum: den 26 maj 2002 14:34

Lieber ...,
Herzlich willkommen zurück!!! Ach, wie sehr ich mich freue dich wieder zu sehen. Ich glaube ich muss mich etwas beherrschen damit sich die Familie nicht zu sehr wundert warum ich plötzlich so froh bin.

Habe noch nicht fertiggelesen aber sende dir schnell diese Zeilen falls du noch im Büro sein solltest.

Mit einem lieben Gruss und einer ebenso lieben U
Marlena

Back in town


Ämne: Back in town

Datum: den 26 maj 2002 11:51

Liebe Marlena
Ha, heute 11.12h bin ich hier in L angekommen. Ich habe das Auto hier auf dem Büroparkplatz eingestellt und habe noch nicht einmal nachgesehen, ob es noch da ist. Ich denke, ichs sollte die montägliche Sitzung vorbereiten?
Ach, es gäbe viel zu erzählen. Wie es war, wo wir waren, wie unsere Leute das alles erlebt haben. Das wären Seiten um Seiten. Aber auch, weshalb S nicht mit zurück gekommen ist, wie der Rückflug war und ob mit der neuen Fluggesellschaft Swiss nun endlich alles in Ordnung sei?
Ich werde Dir nach und nach alles erzählen. Auf der Reise hatte ich in der Tat keine Gelegenheit, ans Internet heranzukommen. Im Hotel Oma in Schiraz hat es zwar Apparate gegeben. Wenn immer sie aber in Funktion waren, waren sie belagert von jungen Perserinnen und Persern. Aber natürlich gab es dazu das Risiko, dass im Box 25 Mails von Marlena aufscheinen würden, und meine Kollegen hinter mir die Augen zum Himmel drehen würden. Habe ich gelegentlich schon gedacht, weshalb Du nicht Johnsson als Absender nimmst? Es würde einiges leichter machen, weil hier der direkte Umgang mit Vornamen nicht so üblich ist. Aber das sind Nebengeleise.
Der Temperaturschock ist einigermassen gross. Im Iran war es in den letzten Tagen gegen 30°, und hier landen wir bei 8°. Plus, um genau zu sein. Gleich am Anfang muss man zwar noch Koffern schleppen, und merkt die Kälte nicht so schnell. Aber dann schleicht sie sich den Rücken herunter und ins schweissfeuchte Hemd.
Ich arbeite ein wenig für morgen. Und sehe dann nach dem Auto. Vielleicht kriegst Du noch ein paar Zeilen. Aber vielleicht reicht es mir auch nicht.
Bis später und mit lieben Grüssen
...

Freitag, 1. Juni 2012

Virtual realities

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Ämne: Virtual realities
Datum: den 14 maj 2002 20:14

Lieber ...,
Wir hatten wieder einen strahlend schönen hochsommerwarmen Tag. Keine drückende Wärme sondern diese angenehme, die das Atmen leichter macht. Nur wenn ich mich nach der Arbeit ins Auto setze leide ich. Meistens ist es dann so rund 50 Grad in meinem Golf und ich habe leider keine gute Klimaanlage. Ich denke es langweilt dich schon, aber ich muss immer wieder davon sprechen. Es ist so unglaublich schön hier im Moment und wenn ich die 2 Kilometer nach Hause fahre habe ich links und rechts Gärten wo nun alles Bäume und Sträucher blühen in verschiedenen Farben. Gelb, lila, rosa weiss, dunkelrot und alle grünen Nuancen. Auch hier geht mein Blick immer wieder auf die Felder hinaus. Drüben am Waldrand leuchtet es jetzt ganz gelb. Dort haben sie Raps gepflanzt. Das wünschen wir uns jedes Jahr, weil es so schön ist.
Und dann habe ich wie immer hier nach dir geschaut. Mann kann ja nicht wissen. Vielleicht lässt dich irgendein Verwandter oder sonst ein prominenter Iranier an seinen PC ran. Aber dann bist du wahrscheinlich von vielen Leuten umgeben die sich wundern würden über diese Marlena die deine ganze Inbox erfüllt. So legt sich meine Enttäuschung über die Null ziemlich schnell und ich schau ein wenig auf die webcam nach L runter. Ein geringer Ersatz für deine Abwesenheit.
Immer noch hängen dort die roten Fahnen. Zum Glück ist es meistens ziemlich windig und sie stehen horizontal in der Luft. So studiere ich ein wenig das Strassenbild. Heute um 17.30 Uhr war es ziemlich belebt. Leute in verschiedenen Altern spazierten gemächlich durch das Gässlein. Ein paar junge Mädchen standen still und guckten herauf. Vielleicht waren sie sich bewusst dass man sie so von nah und fern bewundern kann. Es ist wie eine Theaterbühne nur dass sich eben hier mitten in einem Akt plötzlich der Vorhang senkt und da stehst du mit deiner Lust.. pardon, ich meine Neugier und pfluchst ein wenig über die dummen Leute die nicht verstehen dass sie ihr schönes Städchen mit diesen grossen roten Laken verdecken.
*
Jetzt haben Anna und ich gegessen. Es war so warm heute dass wir mehr Durst als Hunger hatten und darum wurde es nur eine kleine „glückbringende Suppe“ mit Brot dazu. Es ist ein schöner Gedanke dass man in einer solchen frugalen Suppe, wenn schon die Nahrung fehlt, jedenfalls eine Menge verschiedene glückbringende Kräuter finden kann. Das Leben ist nicht was es ist – es ist was man hineinsieht.
In dem neuen Lehrbuch das ich gerade verteilt habe steht das Wort "Cyberspace" erklärt mit: "virtuelle Realität, d.h. von Computern simulierte Wirklichkeit". Und so frage ich mich ob wir beide auch eine simulierte Wirklichkeit sind. ;-) Und wo geht die Grenze zwischen Wirklichkeit und simulierter Wirklichkeit? Bist du erst wirklich wenn ich dich mit den Augen betrachten und mit den Händen berühren kann? Und die Realität, die du mir so gut vermittelst mit Worten? Warum sollte das eine "simulierte Wirklichkeit" sein? Ich glaube man müsste neue Wörter erfinden für dieses "neue Leben", das Mausleben.
Aber während ich hier im Cyberspace herumirre stehst du mitten in einer neuen spannenden Realität. Ach wie gerne wäre ich dabei. Ich hoffe dass du einen schönen Tag gehabt hast. Morgen soll es 27 Grad werden bei dir....
Ich wünsche dir eine weiterhin gute Zeit.
Mit lieben Grüssen
Marlena