Bericht
Lieber Mausfreund
...
Bei uns regnet es. Es regnet jeden Tag und es hat auch die letzten
Wochen jeden Tag geregnet, wenn man den Nachbarn und Annas
Rapporten trauen kann. Wir wagen den Leuten kaum zu verraten,
dass wir oben in Nordschweden fast die ganze Zeit herrliches
Sommerwetter hatten mit Sonne und blauem Himmel. Und du
weisst ja bereits, wie schön es dort ist. Besonders Anfang August
wenn es Zeit ist in den Süden zurückzukehren ist es so schön, dass
es fast weh tut, die Stelle zu verlassen.
.....
Schön, dass du so gute Unterkunft in Rom gefunden hast. Ach, wie
schade, dass ich nicht dabei sein kann. Anna sagt gerade, dass du
nicht nett bist und dass du nicht ohne mich nach Rom fahren darfst.
*s*
Jetzt muss ich wirklich lachen. Du sicher auch.
So grüsse ich dich lieb bevor ich mich nochmals ins Auto setze.
Deine Malou
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Liebe Malou
Vielen Dank für Deinen Bericht. Es klingt wie ein Rapport, speditiv
und zusammenfassend geschrieben. Summa summarum. Du wirst
in der nächsten Zeit noch einiges auszumalen und zu vertiefen
haben! Ich versuche mir, diese nordische Gegend und vor allem ein
Stadtleben dort oben vorzustellen. ...Weisst Du, die Namen klingen
für mein Ohr wie von einer anderen Welt: Luleà, Kukkola. Es sind
Städtenamen, wie sie bei uns am ehesten in Märchen genannt werden.
Kürzlich sah ich im Fernsehen einen Film über die Samen. Sie gelten
in Schweden ein bisschen wie ..
...
Und natürlich die Besuche und die Kontakte mit Verwandten und
alten Bekannten. Das ist immer schön und bringt alte Erinnerungen
an die Oberfläche. Aber es überkommt einen auch das Wissen, wie
schnell die Zeit vergeht und wie das alles unwiederbringlich weg ist.
….
Ja, Deine Anna hat schon recht, wenn sie findet, es sei etwas
unverschämt, allein nach Rom zu reisen. Aber sag doch bitte Deiner
kleinen Anna, dass ich meine Reisedaten ganz exakt durchgekabelt
habe und dass die Mausfreundin alle Möglichkeiten hat, daraus was
zu machen. Sag der kleinen cleveren Anna auch, dass sie besonders
recht hat, weil Rom wahrscheinlich die einzige Möglichkeit dieser
Art ist. Denn nur Rom ist eine genügend starke Stadt, um als
anspruchsvolle Beschäftigung und Ablenkung wie ein Stossdämpfer
zu wirken. Na ja, was red ich da? Jeder muss selbst wissen, was er
tut. Ich habe heute zufällig mit ..... telefoniert und dabei hat sich
herausgestellt, dass sie während derselben Woche in Rom sein wird.
Irgendwie arbeitet sie dort, hat sie mir in vielen und hastigen Worten
erklärt. Vielleicht werde ich sie mal treffen.
…
Im Moment lese ich mich ein wenig ein über die Ewige Stadt. Und ich
versuche mich, im Stadtplan zu orientieren, damit ich dort nich völlig
von Null anfangen muss. Und ich glaube, ich habe die Orientierung
schon ein bisschen. Rom ist ja wirklich ziemlich klein. Jemand hat
mir empfohlen, ein kleines Töffchen zu mieten. Na ja, in dieser Frage
bin ich noch nicht entschieden. Mit einem Töffchen im Rom-Verkehr,
ich weiss nicht! Ich hatte nicht vorgesehen, gleich an jenen Spielen
mit Menschenopfern teilzunehmen, wie sie sie dort schon in der
Antike hatten, und wie sie sich heute auf den Strassen abspielen.
Aber nein, im Grunde ist dies falsch gesagt. Ich glaube, die römischen
Strassen sind für unsere Begriffe etwas chaotisch, aber um nichts
Gefährlicher als jene bei uns. Vielleicht sogar weniger gefährlich.
Darüber also werde ich später berichten.
Jetzt muss ich sehen, dass ich voran komme.
MlGuK
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Lieber ...,
Auch hier regnet es jeden Tag.. und man kommt kaum vor
die Tür.
Ich komme nicht so leicht an den Computer, wie ich möchte.
Deswegen die Stille. Aber ich denke auch viel an dich und deine
Vorhaben. Die Zufälle in deinem Leben sind etwas schwerverdaulich.
Na ja, vielleicht bin ich nur etwas traurig, dass du "unsere" Reise in
anderer Gesellschaft machst.
C'est la vie.
Ich grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Tag (oder schöne
Woche, falls du schon in den Startgruben liegst).
S+K,
Malou
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Liebe Malou
Lies mal unten, was Du geschrieben hast.
Finde ich reichlich unfair, wie Du die Dinge drehst.
Gruss
R
>Lieber ...
>Auch hier regnet es jeden Tag.. und..
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Lieber ...,
Was ist unfair an meinem Mail? Dass ich bedaure, dass nicht
ich in deiner Gesellschaft sein kann, wenn du wieder einmal
"unsere Stadt" erobern willst? Ich verstehe dich nicht richtig.
Trotzdem sende ich dir liebe
Gs und Ks,
Malou
PS
Na ja, vielleicht bin ich gar etwas "svartsjuk" (wörtlich übersetzt:
schwarzkrank, also jalouse..)
Ist das eine verbotene Reaktion?
LG
M.
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Liebe Malou
Ich bin gerade beim Packen. Na ja, 1 Woche Spanien macht keinen
allzu dicken Koffern. Besonders nicht bei Sommertemperaturen.
Leider habe ich schon 5 Bücher bereit gelegt (in Worten: fünf). Aber
ich weiss, ich sollte nur eines mitnehmen.
Wir sind an der Costa Dorada, in der Nähe Barcelonas. Vielleicht gibt
es mal einen Ausflug in die Stadt?
Während Du im hohen Norden durch die grosse Landschaft flaniert
bist, haben wir hier in der Tropenhitze die Stories des Pastors von
Knutby mitverfolgt. Ich glaube, in Schweden gibt es auf dem Land
dieselben verschrobenen Menschen wie bei uns auch da und dort
in den Tälern.
Unfair, wie Du sagst, ich würde mit den Zufällen spielen und Rom
"in Gesellschaft" besuchen. Ich habe mein Vorhaben lange
vorausgesagt, und Du hast jede Möglichkeit, rein zufällig auch eine
Reise nach Rom zu machen. Ich bin auch gar nicht in Gesellschaft,
denn die habe ich bewusst vermieden. Ich hätte mit W fahren können,
oder mit S. Alle wären sie gerne mitgekommen. Doch habe ich allen
gesagt, ich müsse die Stadt allein und "unter vier Augen" zur Rede
stellen! Ecco! Die Schwarzkrankheit hat hier also gerade gar nichts zu
suchen, nicht wahr! Es liegt alleis bei Dir, und wenn Du schwarzkrank
bist, musst Du dafür andere Gründe angeben.
Aber wie auch immer, ich werde nun mal fahren und die 10 Tage
bestimmt geniessen. Vielleicht trete ich in die Fremdenlegion ein,
respektive diese päpstliche Legion, die Garde degli Sviizzeri, um im
Notfall für den Papa zu sterben? Weisst Du, am meisten träume ich
davon, romantische Bilder zu knipsen, aus den heissen Strassen in
kühle barocke Kirchen zu treten und vielleicht da und dort bei einem
Espresso gelegentlich einen kleinen Schwatz zu machen. Ich denke,
man wird kaum mit den Römern in Kontakt kommen. Aber vielleicht
mit ein paar Touristen. Das ist zwar nicht optimal, aber passabel. Ich
bedaure, dass ich nicht besser Italienisch kann. Das heisst, dass ich
eigentlich gar nichts mehr weiss. Proffessore F. hätte mit
uns viel strenger umgehen sollen! ...
Freitag, 5. Februar 2010
Kleiner Apero
date 9 August 2006 11:47
Lieber Mausfreund,
Danke für dein liebes Mail. Ja, deine Assoziationen gefallen mir.. sie
treffen immer ins Schwarze. Und natürlich war es eine 5-Gang-Menü,
das ich dir da serviert habe.
Was den surströmming betrifft so habe ich einen vortrefflichen
Artikel gefunden, der dir das alles genau erklärt. Schau ihn dir an
und geniesse ;-)
http://www.allscandinavia.com/surstromming.htm
Und dann habe ich auch eine schöne Erklärung für Aperitif gesehen,
wo ich zum ersten Mal gelernt habe, dass dies gerade in der Schweiz
sich von anderen Aperitifs etwas unterscheidet.
Du hast in den vergangenen Jahren oft einen Apéro gehabt.. und so
viel ich mich erinnere hast du ihn auch genossen. :-)
http://de.wikipedia.org/wiki/Aperitif
Ich muss hier ein Bisschen herummachen, komme aber nochmals
vorbei dann später, um dein Mail zu beantworten.
Bis dahin,
lGuK
Malou
Lieber Mausfreund,
Danke für dein liebes Mail. Ja, deine Assoziationen gefallen mir.. sie
treffen immer ins Schwarze. Und natürlich war es eine 5-Gang-Menü,
das ich dir da serviert habe.
Was den surströmming betrifft so habe ich einen vortrefflichen
Artikel gefunden, der dir das alles genau erklärt. Schau ihn dir an
und geniesse ;-)
http://www.allscandinavia.com/
Und dann habe ich auch eine schöne Erklärung für Aperitif gesehen,
wo ich zum ersten Mal gelernt habe, dass dies gerade in der Schweiz
sich von anderen Aperitifs etwas unterscheidet.
Du hast in den vergangenen Jahren oft einen Apéro gehabt.. und so
viel ich mich erinnere hast du ihn auch genossen. :-)
http://de.wikipedia.org/wiki/
Ich muss hier ein Bisschen herummachen, komme aber nochmals
vorbei dann später, um dein Mail zu beantworten.
Bis dahin,
lGuK
Malou
Donnerstag, 4. Februar 2010
Back in town
Liebe Malou
Back in town! Gestern spätabends sind wir zurück in Zürich gelandet und R hatte uns abgeholt. Es war sehr bequem. Und irgendwie ist es immer wieder gut, im eigenen Bett zu landen.
Die Woche war gut. Wir waren in der Nähe Cambrils, etwa 20 km südlich von Tarragona, dem antiken Tarraco an der Costa Daurada. Die Hotelanlage mit **** läuft unter Schweizerregie (Hotelplan) und war sehr gut und angenehm. Ich erzähle hier mit ironischem Ton, dass wir Büchsen-Ferien gekauft hatten. Das waren sie: für alles war gesorgt: Essen in Form von grossen und reichhaltigen Buffets, Service mit guten Deutschkenntnissen, Sportmöglichkeiten in vielerlei Hinsicht, diverse Bademöglichkeiten, Sauna … na ja, so ziemlich alles, was man sich wünschen kann. Und alles hat gut funktioniert, war bestens organisiert und sauber. Lustig, dass die allermeisten Leute nicht mal an den Meerstrand gingen, sondern bloss im hoteleigenen Pool gebadet haben. Ich habe versucht, frühmorgens im Meer zu schwimmen, wenn die Sonne noch nicht so stark war. Später habe ich mich dann mit meiner Lektüre in den Schatten verzogen. S hingegen war dann fast den ganzen Nachmittag am Strand. Willst Du wissen, was ich gelesen habe? „Erfinde dich neu“ von Kurt Tepperwein. Früher hätte ich mich für ein Buch mit solchem Titel nicht umgedreht. Aber ich finde es heute sehr patent. Tepperwein hat …
Back in town! Gestern spätabends sind wir zurück in Zürich gelandet und R hatte uns abgeholt. Es war sehr bequem. Und irgendwie ist es immer wieder gut, im eigenen Bett zu landen.
Die Woche war gut. Wir waren in der Nähe Cambrils, etwa 20 km südlich von Tarragona, dem antiken Tarraco an der Costa Daurada. Die Hotelanlage mit **** läuft unter Schweizerregie (Hotelplan) und war sehr gut und angenehm. Ich erzähle hier mit ironischem Ton, dass wir Büchsen-Ferien gekauft hatten. Das waren sie: für alles war gesorgt: Essen in Form von grossen und reichhaltigen Buffets, Service mit guten Deutschkenntnissen, Sportmöglichkeiten in vielerlei Hinsicht, diverse Bademöglichkeiten, Sauna … na ja, so ziemlich alles, was man sich wünschen kann. Und alles hat gut funktioniert, war bestens organisiert und sauber. Lustig, dass die allermeisten Leute nicht mal an den Meerstrand gingen, sondern bloss im hoteleigenen Pool gebadet haben. Ich habe versucht, frühmorgens im Meer zu schwimmen, wenn die Sonne noch nicht so stark war. Später habe ich mich dann mit meiner Lektüre in den Schatten verzogen. S hingegen war dann fast den ganzen Nachmittag am Strand. Willst Du wissen, was ich gelesen habe? „Erfinde dich neu“ von Kurt Tepperwein. Früher hätte ich mich für ein Buch mit solchem Titel nicht umgedreht. Aber ich finde es heute sehr patent. Tepperwein hat …
Ruhezone?
Da kommt mir eine lustige Szene in den Sinn, die ich in Spanien erlebt habe, mehrmals erlebt, notabene. Jeweils um die Mittagszeit inklusive Siesta pflegte ich ins Hallenbad schwimmen zu gehen. Ich wollte damit der starken Sonne ausweichen. Das Hallenbad war als Ruhezone deklariert, weil es auch für Leute gedacht ist, die aus der Sauna oder dem Hammam kommen. In der Tat konnte ich dort im spiegelglatten, ruhigen Wasser schwimmen, bis die jungen Spanier kamen. Das waren zwei Gruppen, die eine von etwa 8 jungen Mädchen (oder Frauen), die andere von knapp weniger Burschen. Sie hatten es aufeinander abgesehen. Aber weil Spanien ja in dieser Hinsicht als ein eher strenges Land angesehen werden muss (Vieles hat mich ans Wallis und meine Jugend erinnert), konnten diese beiden Gruppen nicht jeweils individuell Kontakt machen und locker plaudern oder sich necken, wie das etwa Schweizer Jugendliche tun würden. Nein die beiden Gruppen haben sich in komplizierter Choreographie ganz langsam angenähert, haben sich aber nie gänzlich vermischt und aufgelöst, sondern sind immer diese zwei Gruppen geblieben. Das Gespräch blieb bloss innerhalb der eigenen Geschlechtsgruppe. Erst nach 2 oder 3 Tagen gab es einzelne Wortwechsel zwischen den Gruppen. Und es hatte sich das Spiel entwickelt, dass ein paar Jungen einige Mädchen einzeln von hinten in den Hüften packten und langsam auf den Rücken gedreht und ins Wasser tauchten, ungefähr so, wie man das bei Tangotänzern sieht. Die Jungens fühlten sich wie wahre Matadore, und die Mädchen schienen das köstlich zu geniessen. Das war für mich als Mitteleuropäer eine komische Geste, und ich hätte mich definitiv dagegen gewehrt, wenn ein Junge so was mit meiner Tochter getan hätte. Und man kann sich vorstellen, wie diese jungen Leute die Badehalle mit einer amourösen elektrischen Energie und einem lauten und ziemlich aufgeregten Gezwitscher erfüllt haben. Von der versprochenen Ruhe war keine Spur. Ganz im Gegenteil.
Aber ein bisschen habe ich sie auch beneidet, diese jungen Leute, um der Wahrheit die Ehre zu geben.
Mit lieben Grüssen
Aber ein bisschen habe ich sie auch beneidet, diese jungen Leute, um der Wahrheit die Ehre zu geben.
Mit lieben Grüssen
Mittwoch, 3. Februar 2010
Krisen
---
Eigentlich, meine Liebste, wollte ich dich heute nur ein bisschen
verwöhnen mit einem Mail. Du hast ja auch mir gegenüber
manchmal einige mütterliche Qualitäten, die ich schön finde.
Beispielsweise, wie du mich mit ein paar einfachen Sätzen trösten
kannst, wie du die Dinge so drehen kannst, dass sie versönlich
werden. Das finde ich wunderschön, habe ich dir ja auch schon
gesagt. Du denkst vielleicht, ich übertreibe ein bisschen. Nun, ich
weiss zumindest, wie es klingt und was herauskommt, wenn man
Formulierungen wählt, die die Spannungen, Probleme oder Konflikte
verschärfen. Es sind vielleicht anfangs feine Unterschiede, aber zum
Ende sind die Unterschiede riesengross. Es ist eben so, man muss
nur mit einem Fuss ein bisschen stärker auftreten, und nach 1500 km
landest du an einem ganz anderen Ort als wenn du ganz normal
gegangen wärst. Das ist wirklich Lebenskunst, finde ich. Ich habe
nie viel Bewunderung für Krisenmanager gehabt. Ich meine, in
menschlichen Dingen sind sie vielleicht gut und nützlich. Aber es
gibt Mitarbeiter in meinem Dienst, die haben immer Krisen zu
bewältigen, sie schicken Expressbriefe und Mails und alles läuft
in dramatischen Kulissen. Ich glaube die Kunst ist es, die Dinge
mit feiner Hand und zum Voraus so zu steuern und zu leiten, dass
gar keine Krisen entstehen. Das sieht natürlich sehr wenig spektakulär
und dramatisch aus. Es ist aber die grössere Kunst. Krisenmanager
brauchen ihre Krisen. Ich habe sie im Verdacht, dass sie sie sogar
selbst produzieren. Das gehört zu ihrem Bluff.
Eigentlich, meine Liebste, wollte ich dich heute nur ein bisschen
verwöhnen mit einem Mail. Du hast ja auch mir gegenüber
manchmal einige mütterliche Qualitäten, die ich schön finde.
Beispielsweise, wie du mich mit ein paar einfachen Sätzen trösten
kannst, wie du die Dinge so drehen kannst, dass sie versönlich
werden. Das finde ich wunderschön, habe ich dir ja auch schon
gesagt. Du denkst vielleicht, ich übertreibe ein bisschen. Nun, ich
weiss zumindest, wie es klingt und was herauskommt, wenn man
Formulierungen wählt, die die Spannungen, Probleme oder Konflikte
verschärfen. Es sind vielleicht anfangs feine Unterschiede, aber zum
Ende sind die Unterschiede riesengross. Es ist eben so, man muss
nur mit einem Fuss ein bisschen stärker auftreten, und nach 1500 km
landest du an einem ganz anderen Ort als wenn du ganz normal
gegangen wärst. Das ist wirklich Lebenskunst, finde ich. Ich habe
nie viel Bewunderung für Krisenmanager gehabt. Ich meine, in
menschlichen Dingen sind sie vielleicht gut und nützlich. Aber es
gibt Mitarbeiter in meinem Dienst, die haben immer Krisen zu
bewältigen, sie schicken Expressbriefe und Mails und alles läuft
in dramatischen Kulissen. Ich glaube die Kunst ist es, die Dinge
mit feiner Hand und zum Voraus so zu steuern und zu leiten, dass
gar keine Krisen entstehen. Das sieht natürlich sehr wenig spektakulär
und dramatisch aus. Es ist aber die grössere Kunst. Krisenmanager
brauchen ihre Krisen. Ich habe sie im Verdacht, dass sie sie sogar
selbst produzieren. Das gehört zu ihrem Bluff.
Dienstag, 2. Februar 2010
Nicht nur grau!
den 16 april 14:37
Mein lieber Mausfreund!
Wenn ich gewusst hätte dass du auf ein Mail wartest dann hätte ich versucht schon gestern etwas mehr zu schreiben.
Ich gratuliere dir zu dem neuen Bücherschrank. Mit etwas mehr Ordnung im Büro sinkt das Stressniveau bedeutend.. so ist es jedenfalls bei mir. Ich versuche im Moment hier zu Hause etwas mehr Ordnung zu schaffen damit ich dann vielleicht für ein paar Tage in Ruhe verreisen kann oder mich ganz einfach nur zu 100 % nichtberuflich beschäftigen kann.
Wie gewöhnlich habe ich heute Morgen mein Lieblingsprogramm im Radio gehört. Man sprach unter anderem von dieser Jahreszeit, "die fünfte" genannt. Das "schwarze Loch" zwischen Winter und Frühling, wo man zwar schon den kommenden Frühling ahnt, aber ihn nicht so romantisch erlebt wie er meistens geschildert wird, mit Blumen und Vöglein sondern eher mit den Spuren, die Hunde im Winter hinterlassen haben und dergleichen... Dabei zitierte man auch verschiedene Schriftsteller, die eben diese graue Zeit , die fünfte Jahreszeit, geschildert haben.
Ja, es ist grau draussen. Es ist als sähe man die Welt durch eine matte Glasscheibe (hoffentlich sind es nicht nur meine noch ungeputzten
Fenster ;-)
Aber was macht es mir schon aus. In meinem Leben strahlt die Sonne. Vielleicht bis du es, mein lieber Mausfreund, vielleicht auch nur das Leben selbst. Ganz sicher bin ich, dass deine Gegenwart dabei eine grosse Rolle spielt.
Bitte, lass es nicht unser Mausleben sein, das dich an deiner Arbeit hindert. Gib der schlaflosen Nacht und dem "ein bisschen zu viel" Wein die Schuld, sonst kriege ich ein sehr schlechtes Gewissen. Unsere "Freundschaft" soll immer etwas Positves sein, das uns erhöhte Energie gibt die Pflichten des Alltags zu bemeistern. Die Serenität von der du oft sprichst. Ich weiss wie es ist, du darfst nicht glauben dass ich so ganz anders reagiere als du. Manchmal fühle ich mich sogar etwas gelähmt von unserer Maladi, und ich frage mich wie bei Rilke: "Wie soll ich meine Seele halten, dass sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie hinheben über dich zu andern Dingen.." Auch bei mir wird es etwas schlimmer wenn ich Rotwein getrunken habe. Dann sehnsuche ich dich mehr als je.. und mein Verstand steht still.
Du beschreibst es so treffend, unseren Chat neulich. Ich fühlte mich nachher plötzlich irgendwie verlassen. Ich sah sie vor mir, die schön gedeckte Tafel, und musste den Tisch hungrig verlassen.
*
Du schreibst mir so interessant von deinem Examen. Ich hatte es mir irgendwie so vorgestellt. Ich kannte auch solche hochbegabte Studenten, die ein paar Jahre früher fertig waren mit ihren Studien als die andern.
Ich werde dir bald ein wenig von meiner Studienzeit in Uppsala erzählen.
*
Du brauchst nicht in Büchern zu suchen. Ich werde dir das Leben bei uns schildern, die Feste die wir feiern u.s.w. immer zur richtigen Jahreszeit. Was das andere betrifft werde ich dir ein paar gute Links im Internet geben wo du dich über Schweden informieren kannst. Gut so?
Ich will diesen kleinen Brief nun absenden, damit du ihn vielleicht noch bekommst bevor du dein Büro verlässt.
Wünsche dir noch alles Guten für den Rest des Tages
und viel Vergnügen beim Onkel
Deine Marlena
i.M
PS Schöne Töchter hast du!!
Mein lieber Mausfreund!
Wenn ich gewusst hätte dass du auf ein Mail wartest dann hätte ich versucht schon gestern etwas mehr zu schreiben.
Ich gratuliere dir zu dem neuen Bücherschrank. Mit etwas mehr Ordnung im Büro sinkt das Stressniveau bedeutend.. so ist es jedenfalls bei mir. Ich versuche im Moment hier zu Hause etwas mehr Ordnung zu schaffen damit ich dann vielleicht für ein paar Tage in Ruhe verreisen kann oder mich ganz einfach nur zu 100 % nichtberuflich beschäftigen kann.
Wie gewöhnlich habe ich heute Morgen mein Lieblingsprogramm im Radio gehört. Man sprach unter anderem von dieser Jahreszeit, "die fünfte" genannt. Das "schwarze Loch" zwischen Winter und Frühling, wo man zwar schon den kommenden Frühling ahnt, aber ihn nicht so romantisch erlebt wie er meistens geschildert wird, mit Blumen und Vöglein sondern eher mit den Spuren, die Hunde im Winter hinterlassen haben und dergleichen... Dabei zitierte man auch verschiedene Schriftsteller, die eben diese graue Zeit , die fünfte Jahreszeit, geschildert haben.
Ja, es ist grau draussen. Es ist als sähe man die Welt durch eine matte Glasscheibe (hoffentlich sind es nicht nur meine noch ungeputzten
Fenster ;-)
Aber was macht es mir schon aus. In meinem Leben strahlt die Sonne. Vielleicht bis du es, mein lieber Mausfreund, vielleicht auch nur das Leben selbst. Ganz sicher bin ich, dass deine Gegenwart dabei eine grosse Rolle spielt.
Bitte, lass es nicht unser Mausleben sein, das dich an deiner Arbeit hindert. Gib der schlaflosen Nacht und dem "ein bisschen zu viel" Wein die Schuld, sonst kriege ich ein sehr schlechtes Gewissen. Unsere "Freundschaft" soll immer etwas Positves sein, das uns erhöhte Energie gibt die Pflichten des Alltags zu bemeistern. Die Serenität von der du oft sprichst. Ich weiss wie es ist, du darfst nicht glauben dass ich so ganz anders reagiere als du. Manchmal fühle ich mich sogar etwas gelähmt von unserer Maladi, und ich frage mich wie bei Rilke: "Wie soll ich meine Seele halten, dass sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie hinheben über dich zu andern Dingen.." Auch bei mir wird es etwas schlimmer wenn ich Rotwein getrunken habe. Dann sehnsuche ich dich mehr als je.. und mein Verstand steht still.
Du beschreibst es so treffend, unseren Chat neulich. Ich fühlte mich nachher plötzlich irgendwie verlassen. Ich sah sie vor mir, die schön gedeckte Tafel, und musste den Tisch hungrig verlassen.
*
Du schreibst mir so interessant von deinem Examen. Ich hatte es mir irgendwie so vorgestellt. Ich kannte auch solche hochbegabte Studenten, die ein paar Jahre früher fertig waren mit ihren Studien als die andern.
Ich werde dir bald ein wenig von meiner Studienzeit in Uppsala erzählen.
*
Du brauchst nicht in Büchern zu suchen. Ich werde dir das Leben bei uns schildern, die Feste die wir feiern u.s.w. immer zur richtigen Jahreszeit. Was das andere betrifft werde ich dir ein paar gute Links im Internet geben wo du dich über Schweden informieren kannst. Gut so?
Ich will diesen kleinen Brief nun absenden, damit du ihn vielleicht noch bekommst bevor du dein Büro verlässt.
Wünsche dir noch alles Guten für den Rest des Tages
und viel Vergnügen beim Onkel
Deine Marlena
i.M
PS Schöne Töchter hast du!!
im Chat
Liebe Marlena
Es ist schön, dich zufällig im Chat zu treffen. So habe ich das
Gefühl, du wohnst gleich um die Ecke. Und das ist doch ein bisschen
näher als dieses Stockholm im hohen Norden. So denke ich, wir sind
praktisch Nachbarn, und man sieht sich beim Einkaufen oder grüßt
sich über den Gartenzaun hinweg. Und manchmal gibt es zufällig
einen Sonntag-Morgen Schwatz, wenn die Sonne scheint und die
Vögel pfeifen. Und manchesmal, in der Dämmerung, treffen wir uns
hinter dem Haus auf der versteckten Bank. Und dort plaudern wir
stundenlang, bis es langsam kühl wird unter dem Sternenhimmel
und jeder von uns wieder heim zu den Seinen muss.
Ich wollte mir gestern in der Bibliothek ein Buch über Schweden
besorgen, aber ich habe noch nichts Vernünftiges gefunden. Eines hat
hauptsächlich Norwegen berücksichtigt, das andere war zu dick um so
herumgetragen zu werden. Ich werde schon noch fündig werden. Ich
wollte ein bisschen was lernen über Schweden, Landschaft, Kultur,
Bräuche, irgendwas. Vielleicht wollte ich ganz einfach ein bisschen
näher sein, im gleichen Wasser schwimmen.
Dieses zufällige Zusammentreffen also war sehr schön. Und der Chat
auch, war locker und vergnügt, eben wie ein Samstag Morgen Chat.
Bei mir ist es allerdings so: wenn ich mit dir chatte, dann möchte ich
noch mehr von dir. Ich möchte mehr wissen, schneller reden, dich
sehen, dich näher haben, es ist mir alles zuwenig intensiv. Die Mails
sind viel intensiver. Ein Chat mit dir ist wie bei großem Hunger
chinesisch essen, verstehst du, mit den chinesischen Stäbchen essen.
Du bekommst mit diesen Dingern einfach nicht genug Nahrung in
den Mund. Es geht alles zu langsam. Der Reis entwischt und fällt in
die Schale zurück. Das Fleisch schlüpft dir weg und spritzt. Und einen
anständigen Wein haben sie auch nicht, die Chinesen. Es ist alles ein
bisschen zum Verzweifeln. Es ist eine große Geduldsprobe für uns
ungeduldig hungerigen Europäer. Und man wünscht sich einen
richtigen Löffel in die Hand, damit es vorwärts geht. So ungefähr ist
Chatten mit dir. Das System bietet uns nur zwei dünne und glatte
Stäbchen. Und damit sollten wir unseren Hunger sattkriegen? Das
ist eine Marter à la Sysiphos! Aber wir werden uns hoffentlich wieder
mal treffen und es wird wieder schön sein. Und wir werden wie an
einem Apero kleine Häppchen einstecken. Und manchmal kann
man auch an einem Apero seinen Hunger zwar nicht satt kriegen,
aber doch mindestens ein bisschen dämpfen. Das werden wir dann
tun. Und ich freue mich schon heute darauf.
Es ist schön, dich zufällig im Chat zu treffen. So habe ich das
Gefühl, du wohnst gleich um die Ecke. Und das ist doch ein bisschen
näher als dieses Stockholm im hohen Norden. So denke ich, wir sind
praktisch Nachbarn, und man sieht sich beim Einkaufen oder grüßt
sich über den Gartenzaun hinweg. Und manchmal gibt es zufällig
einen Sonntag-Morgen Schwatz, wenn die Sonne scheint und die
Vögel pfeifen. Und manchesmal, in der Dämmerung, treffen wir uns
hinter dem Haus auf der versteckten Bank. Und dort plaudern wir
stundenlang, bis es langsam kühl wird unter dem Sternenhimmel
und jeder von uns wieder heim zu den Seinen muss.
Ich wollte mir gestern in der Bibliothek ein Buch über Schweden
besorgen, aber ich habe noch nichts Vernünftiges gefunden. Eines hat
hauptsächlich Norwegen berücksichtigt, das andere war zu dick um so
herumgetragen zu werden. Ich werde schon noch fündig werden. Ich
wollte ein bisschen was lernen über Schweden, Landschaft, Kultur,
Bräuche, irgendwas. Vielleicht wollte ich ganz einfach ein bisschen
näher sein, im gleichen Wasser schwimmen.
Dieses zufällige Zusammentreffen also war sehr schön. Und der Chat
auch, war locker und vergnügt, eben wie ein Samstag Morgen Chat.
Bei mir ist es allerdings so: wenn ich mit dir chatte, dann möchte ich
noch mehr von dir. Ich möchte mehr wissen, schneller reden, dich
sehen, dich näher haben, es ist mir alles zuwenig intensiv. Die Mails
sind viel intensiver. Ein Chat mit dir ist wie bei großem Hunger
chinesisch essen, verstehst du, mit den chinesischen Stäbchen essen.
Du bekommst mit diesen Dingern einfach nicht genug Nahrung in
den Mund. Es geht alles zu langsam. Der Reis entwischt und fällt in
die Schale zurück. Das Fleisch schlüpft dir weg und spritzt. Und einen
anständigen Wein haben sie auch nicht, die Chinesen. Es ist alles ein
bisschen zum Verzweifeln. Es ist eine große Geduldsprobe für uns
ungeduldig hungerigen Europäer. Und man wünscht sich einen
richtigen Löffel in die Hand, damit es vorwärts geht. So ungefähr ist
Chatten mit dir. Das System bietet uns nur zwei dünne und glatte
Stäbchen. Und damit sollten wir unseren Hunger sattkriegen? Das
ist eine Marter à la Sysiphos! Aber wir werden uns hoffentlich wieder
mal treffen und es wird wieder schön sein. Und wir werden wie an
einem Apero kleine Häppchen einstecken. Und manchmal kann
man auch an einem Apero seinen Hunger zwar nicht satt kriegen,
aber doch mindestens ein bisschen dämpfen. Das werden wir dann
tun. Und ich freue mich schon heute darauf.
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