Dienstag, 23. September 2025

Zitate von Peter Bichsel

 Blick durchs Fenster

23 Mai  22 Uhr

Bienen besuchen Lindenblüten..
noch im Mondschein.

Welch schöner Satz!



Zitate von Peter Bichsel:


Über den Sinn der Literatur

»Ich glaube, der Sinn der Literatur liegt nicht darin, dass Inhalte vermittelt werden, sondern darin, dass das Erzählen aufrechterhalten wird. Weil die Menschen Geschichten brauchen, um überleben zu können. Sie brauchen Modelle, mit denen sie sich ihr eigenes Leben erzählen können. Nur das Leben, das man sich selbst erzählen kann, ist ein sinnvolles.«
(Peter Bichsel, http://www.suhrkamp.de/bichse/bicbio.htm, 26.3.00)

Schreiben ist gefährlich
»Man kann sich nichts vom Leib schreiben. Man schreibt sich alles auf den Leib. Selbst wenn man einen politischen Artikel schreibt, wird das Elend und die Wut immer größer, nicht kleiner. Schreiben ist keine Therapie, Schreiben ist gefährlich. Auch nach dem Brief, den du deiner Freundin oder deinem Freund schreibst, um dein Elend endlich einmal jemandem herauszukotzen, geht es dir nachher nicht besser, sondern schlechter. Schreiben ist unhygienisch, gefährlich.« (Peter Bichsel, in: Weltwoche, 11/00 v. 16.3.99)

Die Tradition des Erzählens
»Die Geschichten dieser Welt sind geschrieben ... und müssen trotzdem immer wieder geschrieben werden, nicht weil wir neue Geschichten brauchen. Sie müssen geschrieben werden, damit die Tradition des Erzählens, des Geschichtenschreibens nicht ausstirbt.«
(Peter Bichsel, http://www.surkamp.de, 26.3.00)

Mit der deutschen Sprache kann man basteln...
»Mit der deutschen Sprache kann man basteln. Und die Sätze bekommen erst Größe, wenn man sie selber macht. "Ich liebe dich." Das kann man einfach so sagen, das können alle, den Satz kennen alle. Aber ein Satz wie "du / liebe / ich / liebe / dich" ist selber gemacht. "Je t’aime" kann niemand selber machen, da kannst du machen, was du willst, das kann man nicht selber machen. Und "I love you" kannst du auch nicht selber machen, das ist einfach da. Aber im Deutschen kann man die selbstverständlichsten Sätze selber machen, und dann werden sie immer gewaltiger. Das Deutsche ist eine besoffene Sprache. Und sie hat besoffene Dichter hervorgebracht wie Jean Paul, der sich Sätze notierte wie: "Bienen besuchen Lindenblüten noch im Mondschein." Das ist ein total Besoffener gewesen, der sich voll ins Pathos stürzte." (Peter Bichsel, in: Weltwoche, 11/00 v. 16.3.00)

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