Freitag, 15. August 2025

Riesiges Gewitter

 

Liebe Marlena

Gestern Nacht hat es ein riesiges Gewitter gegeben, so dass man richtig aus dem Schlaf auffahren konnte. Ich schlafe ja bekanntlich unmittelbar unter dem Dach. Und ich hatte den Eindruck, es donnert und blitzt direkt über mir, und das Rauschen des Regens war wie dasjenige der Sintflut. Es war wirklich furchterregend und gewaltig, erhaben könnte man sagen, nach dem ästhetischen Kriterium neben der Schönheit. Das Donnern ist einem wirklich durch Mark und Bein und unwillkürlich fängt man an zu denken, ob wohl alle Fenster geschlossen, ob wohl das Autodach, ob wohl nicht noch etwas im Garten vergessen worden wäre. Und ich erinnere mich Walter, der mir einmal erzählt hat, dass eines Nachts bei einem solchen Gewitter ihr Hund - und das ist ein grosses Tier aus einer Mischung Bergamasker und einem Ochsen sozusagen - dass der grosse Hund in seinem Bett gelandet sei und sich zitternd und angsterfüllt über den schlafenden Walter geworfen habe, um bei ihm Schutz vor dem donnernden Ungetüm zu finden. Doch bei mir kam kein Hund angeflogen. Ich habe es fast ein bisschen genossen, dieses akustische Schauspiel der Naturgewalt. Aber doch, ich habe in Gedanken nochmals alle Fenster geschlossen, die bereits vorher zu waren. Und ich erinnerte mich auch des Gewitters, von dem du erzählt hattest, das so früh im Frühling war, das ich sehr erstaunt war. Das muss wohl ein ähnliches Auffahren der Natur gewesen sein.

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