Montag, 3. April 2023

.. und schliesslich ... unsere Dido

aus   Haustiere und andere Menschen



Und schliesslich, um die Sache mit den Haustieren zu einem Ende zu bringen, hatten wir einen Hund. Weil ich ja mein Leben lang immer gerne einen Hund haben wollte, war meine Frau nach langem hin und her und Diskussion und Zweifeln bereit, einen Hund in die Wohnung aufzunehmen. Er sollte aber nur im Gang bleiben. In Persien hat man die Hunde absolut nicht im Haus. Man denkt sie bringen Schmutz und Krankheiten und weiss Gott was alles. Also kauften wir eines Tages einen kleinen, jungen roten Cocker Spaniel. Er war ein richtiges Kind, wedelte mit dem Schwanz, wie sonst kein Wesen auf der Welt wirklich wedeln kann. Und er war die Treue selbst. Wir nannten ihn Dido, nach der griechischen Göttin, die - wenn ich mich recht erinnere - mit Aeneas irgend ein Techtelmechtel gehabt hatte. Doch davon hatte unsere Dido keine Ahnung. Sie war wie ein Kind, freute sich, wenn man nach Hause kam, gab schmerzerfüllte sehnsüchtige Laute von sich, wenn man weg war. Sie liess in der ganzen Umgebung Liebe und Haare verströmen. Meine Frau musste sich immer wieder neu überwinden. Und wann Dido auf der Schwelle zur Stube lag und zu mir hinüberäugte, mit diesem treuherzigen Hundeblick, so fand ich uns absolut barbarisch und unmenschlich, diesem armen Hund die Stube zu verbieten. Dido hatte den grossen Vorteil, dass sie täglich mehrmals an die frische Luft musste. Und wir mussten natürlich mit. Das war ziemlich gesund und bei schönem Wetter auch ganz ok. Nur wenn es regnete, dann war es schon mühsam. Die schlimmste Variante war abends vor dem zu Bett gehen, wenn es regnete. Da sollte ich also mit unserer Dido noch rasch hinaus, damit sie ihr Geschäft erledigen konnte. Ich ging also hinunter und öffnete die Haustüre. Ich forderte die kleine Hündin auf, jetzt rasch in den Garten zu verschwinden, um das Ding zu erledigen. Ich schaute zum Himmel, wie es regnete und Dido schaute zum Himmel, wie es regnete. Sie konnte sich einfach nicht entschliessen, ihr kostbares Fell zu nässen. Und so kehrten wir beide unverrichteter Dinge wieder nach oben. Ich hatte immer angenommen, dass sie schon selbst wissen müsste, ob sie pinkeln muss oder nicht. Ich wollte sie sozusagen antiautoritär erziehen. Und sie hat wirklich nie in die Wohnung gepinkelt. Sie hätte sich damit den ewigen Groll meiner S. zugezogen. Und soweit wollte sie es nun wirklich nicht kommen lassen.
Allerdings gehorchte Dido ziemlich gut. Auf Spaziergängen hatte ich meistens den Hosensack voller Hundekuchen. Und wenn ich pfiff, durch die Finger, so dass es durch Mark und Bein ging, dann pflegte Dido daher zu düsen wie die Feuerwehr mit Blaulicht. Sie schaute weder links noch rechts und kam in Windeseile, um ihren Kuchen abzuholen. Von der Lernpsychologie wusste ich, dass man "intermittierend" verstärken soll. Das hiess, nicht jedes Mal wirklich einen Kuchen zu geben. Ein leichter Frustrationspegel war also durchaus nützlich, alles andere war Verzärtelung. Und so war ich stolz, dass unsere Dido in dieser Hinsicht wirklich sehr zuverlässig gehorchte. Erst als meine Frau schwanger war, haben wir Dido einer Bekannten, die sich schon lange einen Hund gewünscht hatte, verschenkt. Meine S. war überzeugt, dass ein kleines Baby und ein Hund sich in derselben Wohnung niemals vertragen würden. Und sie malte die schlimmsten Bilder an die Wand, wie frustrierte Hunde, die sich plötzlich wegen eines Neugeborenen vernachlässigt fühlen, kleine Babies anzufallen und brutal zu Tode beissen pflegen. Ganz abgesehen davon, dass der Schmutz und die Haare in der Wohnung für ein Kind, das noch auf dem Boden herum kriecht, absolut Gift sind, Krankheiten und Infektionen heraufbeschwören wird. So haben wir denn unsere Dido abgegeben, mit ihren treuen Augen und dem rotbraunen Fell, und den langen Ohren, die sie - wenn sie mit ihrer Nase schnuppernd dahinfegte - stets leicht auf dem Boden mitzog. Sie war ein süsser kleiner Hund, und treu, wie sonst kein Mensch treu sein kann. Und nicht so klein, als dass ihr das Hündische gefehlt hätte.
Ach, darwinistisch gesprochen sind die Tiere unsere Geschwister, die jüngeren im Grunde genommen, weil noch nicht so kompliziert und bösartig wie wir. Sie sind unsere Schwestern und Brüder, Basen und Vetter, Nichten und Neffen der Schöpfung. Und sie sind, dass muss man ihnen jederzeit zugestehen, meistens hoch anständig.
Mit einem lieben Gruss
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