Liebe Marlena
Ja, wirklich wahr, die Anlässe sind bei uns ein bisschen sehr konzentriert. Das ist anstrengend und ein wenig unorganisiert, wie es das Leben nun mal zu sein scheint. Das ist es doch, was wir unter „Natur“ oder „natürlich“ verstehen. Wenn es nicht geplant und völlig ungelegen kommt, wie Schwangerschaften, Liebschaften und andere Machenschaften bis hin zu Krankheiten. Vielleicht gibt es doch noch einen Rest von dieser Natur, von dieser schiksalshaften Hand, die hinter einer spanischen Wand die Karten mischt. Und wie man sieht, wird heute ja heftig gemischt, immer wieder gemischt. Es wird mehr gemischt als gespielt, beinahe.
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Wir haben von Isfahan eine Einladung bekommen für eine Hochzeit. Der Sohn jener Familie, bei der wir damals auf der Reise gewohnt haben, scheint zu heiraten. Ich konnte zwar das Mail selbst nicht lesen, aber ich glaube, es hat das zu bedeuten. Nun ja, ich bin froh um H., dass er eine Frau gefunden hat. Er ist ein armer Kerl und stottert immer noch, wenn er unter Spannung steht. Und er hat mal vor ein paar Jahren erzählt, es sei nicht leicht zu heiraten, denn die Frau erwarte ein eigenes Haus und ein Auto und diese Art von Dingen. Aber jetzt scheinen die Eltern die Sache doch ins Reine gebracht zu haben. Und bei unserer Reise vor einem Jahr haben sie mit uns gute Geschäfte gemacht. So kommt es wohl, dass sie jetzt an uns denken.
Du weißt, dass Isfahan meine Lieblingsstadt ist. Manchmal, ich weiss noch nicht genau, ob mehr im Spass oder wirklich im Ernst, sage ich, dass ich nach meiner Pensionierung ein paar Jahre in Isfahan leben möchte. Die Stadt ist klein, sauber, gepflegt und hat viele alte und hübsche Gebäude. Und dazu gibt es stets ein paar Touristen, die sich diese Sehenswürdigkeiten anschauen. Nicht zu viele, aber immerhin ein paar, so dass man den Eindruck hat, mit der grossen weiten Welt verbunden zu sein. Nun ja, bestimmt ist Isfahan ein bisschen Provinz. Denn es ist im Iran wie in Frankreich. Alle wollen nach Paris, und jeder ist lieber der zweite in der Hauptstadt als der erste in der Provinz. Alle wollen nach Teheran, und von Teheran scheint Alles zu kommen. Aber das ist in meinen Augen ein Trugschluss. Teheran ist ein Moloch an Verkehr und Chaos. Es ist nicht erstrebenswert, im teuren Teheran zu wohnen. Aber das kann man den Persern nicht erklären.
In Isfahan kann man überallhin zu Fuss gehen. Abends spazieren viele Menschen zum Fluss, wo die Luft etwas kühler ist. Auf den schönen, mittelalterlichen Brücken treibt das Volk. Unter den Bogen gibt es Teeläden, wo man eine Pfeife rauchen und einen Tee trinken kann. Es gibt ein paar grosse Hotels und es gibt diesen schönen Bazar. Er ist einigermassen sauber und ordentlich, wie mir scheint. Ja, Isfahan wäre für mich wirklich die beste der persischen Städte.
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Aber im Moment spiele ich in Gedanken, im August ...

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