Mittwoch, 12. April 2023

Küss mir Deine süsse Waschmaschine ...


Liebe Malou
Das ist das zweite Mail aus der warmen, dunkeln Ecke in der Stube. Ich habe heute Nachmittag ein Buch gekauft, bin an der Lektüre, und muss jetzt eine kleine Pause machen. Ich werde Dir später erzählen, worum es geht. Es ist ein Buch über eine soziologische Arbeit, kann ich sagen, um Dich ein bisschen neugierig zu machen.

Bei Euch oben ist jetzt ziemlich kalt, nicht wahr. Im Fernsehen haben sie Situationen aus Kanada gezeigt, wo die Temperatur unter 50° gesunken sein soll. Ach, das muss schön sein. Niemand kann erwarten, dass du das Haus verlässt. Es friert dir ja gleich die Nase ab. Nein, jeder bleibt zuhause, verkriecht sich mit einem schönen Buch hinter den Ofen und kommt erst nächste Woche wieder hervor um nachzusehen, ob sich das Klima von einer freundlicheren Seite zeigt. Ach, so was würde ich jetzt geniessen. Vielleicht würde ich überhaupt nicht mehr aus dem Bett steigen, obwohl mir das im allgemeinen nach 9 oder 10 Stunden schwer fällt. Ich würde zuhause herumhängen und Zabbaione schlürfen zur Lektüre.

Du bist tüchtig, scheint mir, und dass Du mir ein Bild Deines Maschinenparkes in der Waschküche zeigst, finde ich schon fast rührend. Waschmaschinen haben ja eine geradezu erotische Ausstrahlung, nicht wahr. Das bemerkt man aber nur, wenn man sich an die zahlreichen Filmszenen erinnert, die in Waschsalons spielen. Das ist ein idealer Ort, denn dort kommen am ehesten Singles zusammen. Und es ist vielleicht einer dr wenigen Orten, wo man Männer etwas linkisch und tapsig zeigen kann. Der Waschsalon ist nach dem ST vielleicht der zweitbeste Ort, das Allerliebste zu finden. Und er ist natürlich dem ST an Sinnlichkeit haushoch überlegen, wenn man bedenkt, dass man nebenbei farbige Slips, hübsche BHs und andere nette Dessous zeigen kann. Ach, wenn ich es mir so überlege, finde ich Deine Waschküche der romantischste Ort, den ich in den letzten 10 Jahren gesehen habe. Ich würde dort ganz gerne sitzen, vielleicht das Time Magazin lesen und ab und zu auf das Glasfenster des Waschautomaten sehen und staunen, wie meine Jeans dort Purzelbäume schlagen. Und natürlich würde ich hinüberschielen auf die hübsche Blondine, die zwei Maschinen weiter lachsfarbene Unterwäsche in den Apparat stopft und mir dabei einen aufregenden Hintern entgegenstreckt. Ach, so ein Waschsalon ist im Grunde wie in der Zeitung die Seite der „einsamen Herzen“. „Junge Blondine mit spannendem Po sucht graumelierten Time Leser“.
Es gibt hier in der Schweiz kaum solche Waschsalons. Und ich weiss nicht weshalb. Hier scheinen die Menschen zu denken, man lerne den Lebenspartner oder auch die sie am besten in der Bar um die Ecke oder in der Kantine am Arbeitsplatz kennen. Es gibt kaum Waschsalons. Weshalb - zum Teufel -gibt es bei uns keine Waschsalons? Wenn man schon an die viele schmutzige Wäsche denkt!

Nun ja, Malou, vielleicht hat meine Fantasiererei mit dem Buch zu tun, welches ich gerade lese. Aber ich will wirklich nicht mehr verraten. Es ist ein Fachbuch! Das soll genügen.
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Ist ein bisschen komisch, was mir hier im Mail eingefallen ist. Vergieb mir, Malou. Es ist ja nun mal Freitagabend, da lässt man alle Disziplin und alle Hüllen fallen.
Mit G+K

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