Freitag, 21. April 2023

Gefährlich?

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Du siehst Marlena, meine Schwester im Geiste, bei mir kommt eine ähnliche Erinnerung auf, und es macht mich gelegentlich schon melancholisch, wie doch die Zeit und das Leben rasant vergeht! Der tägliche Alltag kriecht voran wie eine Schnecke, aber diese grossen zeitlichen Räume fliehen dahin wie die Südwinde. Ist es nicht sonderbar und schmerzlich ?
Ganz klar ist Mailen lebensgefährlich. Wer zuviel mailt, der verpasst das Leben. Und das ist ziemlich gefährlich. Du tönst auch an, dass du abhängig werden könntest? Das glaube ich zwar nicht, denn du scheinst dich im allgemeinen sehr gut unter Kontrolle zu haben, darauf würde ich wetten. Doch wenn dem so sein sollte, wenn du wirklich abhängig würdest, den Haushalt vernachlässigt, deine Anna hungernd und verlumpt in einer Ecke dahin vegetierend, die Mahnungen und Zahlungsbefehle ins Haus flatternd, wenn der Gerichtsvollzieher unten vor der Türe steht, dann gibt es sicherlich eine Organisation wie die Anonymen Alkoholiker, die AA, wo du als AM (anonymer mailer) beitreten kannst und Zuspruch und Behandlung erhalten würdest. Doch es ist gefährlicher für Leute, die chatten. Der Chat ist die wirklich lebensbedrohliche Gefahr, da wirst du mir zustimmen. Vielleicht müssen wir zwei Mausfreunde zur Abwechslung wieder einmal chatten, nur so zum Spass, nur so um die gegenseitige Lebendigkeit etwas auszukosten, und der heillosen nackten Gefahr direkt ins Auge zu sehen.

Es gibt natürlich noch viele Rätsel, die dich umranken, meine liebe Marlena. Beispielsweise ist völlig unklar, wie du in den Swisstalk geraten konntest. Wie kommt eine Schwedin aus Stockholm in dieses robuste, schweizerische Netz? Ich konnte es damals gar nicht glauben, dass hier auch eine Schwedin herum spaziert. Irgendwie habe ich dies im "all" mitgehört. Und da habe ich mich mit einem zünftigen Hechtsprung, wie ich ihn höchstens alle 10 bis 15 Jahre einmal mache, habe ich mich auf diese Marlena gestürzt. Und siehe da, sie war eine Studienrätin! So kann das Leben einem spielen! Eine schwedische Studienrätin im ST zu treffen, das ist etwa so, wie wenn du Lady D im Zürcher Niederdorf triffst, oder in der Basler Rheingasse meinetwegen (die Rotlichtmilieus der beiden Städte). Das ist sowas von selten, als wie den Nobelpreis zu gewinnen, wenn du verstehst, was ich meine? Du bist sozusagen mein Nobelpreischen, meine geistige Schwester, meine Mausfreundin! 

Also Marlena, du musst mir noch erklären, was besonderes es war, protestantisch zu heiraten. Was hättest du denn von der Familie her tun sollen? Protestantisch ist doch das Nüchternste, was es überhaupt gibt. Man kann froh sein, wenn der liebe Gott dort überhaupt eine Kravatte umbindet  ...


Habe ich dir erzählt, dass wir musulmanisch geheiratet haben.  ...

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