Freitag, 7. August 2020

Re: Kurzurlaub vom Ich ??




Liebe Malou
Ach, das ist ein merkwürdiges Mail, das du da schreibst. Irgendwie willst du schreiben, aber doch nicht viel sagen. Nicht wahr? Ich kenne das von dir. Früher konntest du mich damit fast zur Verzweiflung bringen. Jetzt bin ich es schon ein bisschen gewohnt.
Na ja, klar ist die Frage des Menschen nicht gelöst. Aber das hat eigentlich - wie ich denke - mit Evolutionstheorie nichts zu tun. Ich glaube sogar Teilhard de Chardin war es, der behauptete, die Evolutionstheorie muss dem katholischen Glauben nicht widersprechen. Es ist auch denkbar, dass Gott eine Welt geschaffen hat, die sich entwickelt, entfaltet. Ihre wesentliche Seinsweise ist die Entfaltung. Natürlich denken Katholiken dann auch gerne an eine Höherentwicklung. Sie möchten ja doch, dass es aufwärts geht.
Nein, das glaube ich nicht, dass du mich in Rom hättest bekehren können. Ich glaube einfach zuwenig, als dass man mich bekehren könnte. Es gibt bei mir fast nichts zu drehen und bekehren. Ich glaube ja nur so allgemein an eine Grosses Ganzes, das uns hier alle übersteigt. Aber ich glaube nicht einmal, dass dieses Grosse Ganze so denkt wie wir das tun. Ich glaube nicht, dass es so beschränkt - um nicht zu sagen dumm - sein kann.
Ach ja Malou, was kann ich dir sagen vom Singledasein. Letztes Wochenende war ich allein. Ja, das war schön ruhig. B war in Wien mit ihrer Gruppe. Sie haben es offenbar genossen und viele Dinge gesehen. Es hatte Schnee in Wien, stell dir vor. Und von der Albertina ist sie ganz begeistert. Sie hat den Hasen von Dürer gesehen, und das Stücklein Gras. Das sind ja sozusagen Ikonen der Menschheit!



B hat den Eindruck, Oesterreich ist reich geworden. Alles sieht gut und gepflegt aus. Das stimmt damit überein, was ich in den Medien höre. Oesterreich hat mit dem Beitritt zur EU sehr viel profitiert, höre ich sagen. Es hat - wirtschaftlich - die Schweiz ziemlich aufgeholt. Und in den letzten Jahren ist ohnehin Mode geworden, dass die Schweizer nach Oesterreich Skifahren gehen.  In der Regel einfach, weil es dort billiger ist.
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Jetzt sitze ich im Büro, trinke meinen ersten Kaffee und warte auf K, mit dem ich einen Termin habe. Er kommt mit seinem Mofa von einem der Dörfer hier im oberen Baselbiet.
Ich hoffe, ich überstehe den Tag ohne grössere Krisen. Und ich wünsche dir die Abgeschiedenheit, die du brauchst.
Liebe Gs und Ks

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