Dienstag, 4. August 2020

Offenheit u.a.m.

Lieber ...

Diese Offenheit, von der wir mal geschrieben haben, ich weiss nicht ob ich sie mir eigentlich wünsche. Immer noch möchte ich dich nur meine guten Seiten sehen lassen und wenn man sowas tut ist man natürlich nicht zu 100% offen. Ich glaube auch nicht, dass ich deine innersten Geheimnisse kennen möchte. Doch ganz sicher bin ich auch wieder nicht. Vielleicht hätte ich gern, dass du dich bei mir beichtest. :-)
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Gerade in diesen Tagen ist eine unserer bekanntesten Schriftstellerinnen, Kerstin Thorvall, mit einem neuen Buch erschienen. Sie hat sich einen Namen gemacht mit ihrer absoluten Aufrichtigkeit, ihrer totalen Auslieferung. Das gilt für alles in ihrem Leben. Ihre sexuellen Eskapaden u.a. Jetzt ist sie alt, 77 Jahre, und schreibt über die Erniedrigung und Einsamkeit eines alternden Menschen. Man vergleicht sie manchmal mit Simone de Beauvoir, wobei die letztere wohl kaum so schockierende Dinge zu erzählen hatte. Das Buch ist von den Kritikern sehr gut empfangen worden.
Du hast recht, es ist nicht leicht gute Vorbilder zu finden. Aber wozu? Das Schicksal tut sowieso was es will mit uns.
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Über das Hotel, von dem du erzählst muss ich lachen. Uns ist etwas ähnliches passiert. Es war in Deutschland, in einem kleinen wunderschönen und biederen Städtchen. Vielleicht war es Rothenburg. Und da haben wir ein kleines Hotel (oder war es ein Pensionat) gefunden. Es sah so ordentlich aus, in einem schön geschmückten Fachwerkhaus mit einem hübschen Garten drum. Aber du hättest unsere Überraschung sehen sollen als wir die Einrichtung sahen. Dunkelrote, dicke Teppiche und gepolsterte Türen. Ausserdem zwei nebeneinanderstehende Waschbecken im Zimmer. Alles sah sehr nach Sünde aus. Und als wir uns ins Bett legten sahen wir oben an der Decke ein paar schwedische Worte geschrieben, die man normalerweise in öffentlichen Toiletten finden kann. Ich fand es ein bisschen widerlich und weiss noch, dass ich am nächsten Morgen das sicher garnicht schlechte Frühstücksbuffet kaum angreifen wollte.

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Der Kurs in Hypnose, den du machen willst, ist das um später es selber ausüben zu können? Vielleicht willst du eine eigene Praktik öffnen? Oder bist du so mutig, dass du dich selbst hypnotisieren lässt? Das ist etwas, was ich nie wagen würde. Habe Angst davor, was ich da sagen würde. :-) Erzähl mir mehr davon. Was sagt S. dazu, wenn du dir in Zürich ein Zimmer mietest? Ist sie nicht ängstlich, was du in dem nächtlichen Zürich anstellen könntest?? ;-) Doch ich glaube, du würdest jede Stunde davon geniessen. Es ist ein ganz eigenes Gefühl, in einer Stadt, wo man als junger Mensch gewohnt hat, herumzugehen. Das merke ich wenn ich mal nach Uppsala komme, was leider allzu selten ist.
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Nun habe ich so lange geplaudert, dass du wirklich von Wortschwall reden könntest. Will dich nicht länger aufhalten.
So wünsche ich dir noch einen schönen Abend und einen angenehmen Tag morgen.
Mit lieben Grüssen
Marlena

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