Samstag, 15. August 2020
Im Basler Münster - persönliche Führung
Liebe Marlena
Ich war über Mittag rasch in der Stadt. Es ist wie im Sommer, im Ursommer. Deshalb bin ich einige Zeit im Münster verschwunden. Dort zumidest ist schön kühl. Ich habe mir die hübsche Kanzel angeschaut, ein gotisch geschnitztes Wunderwerk aus rotem Sandstein, wie die Aussenmauern. Das sieht so possierlich und hübsch aus, dass die Menschen früher nicht umhin kamen, den Worten von dort oben zu glauben. Im Querschiff gibt es hoch oben ein hübsches, rundes Glasfenster. Es zeigt Christus mit einer roten Tunika , die mit einer Goldbrosche vorne zusammengeheftet ist, und einem erotischen Waschbrettbauch. Er sieht ziemlich königlich aus, und er wird von vier Engeln mit Posaunen gesäumt. In der Krypta gibt es einige Tafeln an den Wänden. Damals hat man versucht, alles in Latein zu schreiben, auch die Namen zu lateinisieren. Das schaut manchmal eher komisch aus. Aber immerhin ist es in der Krypta noch kühler als oben. Krypta ist sozusagen das komfortabelste Zimmer der Kirche. Es gibt dort unten auch eine spezielle Beleuchtung, die ganz eigenartig ist. Schliesslich gibt es oben auf der Empore noch ein Grab. Das ist ein steinerner Sarkophag, und darauf liegen Königin Getrud Anna, Gemahlin Rudolfs von Habsburg, geborene Gräfin von Hohenberg, gestorben 1281 und Graf Karl von Habsburg, deren Söhnlein, gestorben 1276. Ihre Steinfiguren liegen schön nebeneinander. Sie schauen ziemlich friedlich und steif aus. Es ist so, als ob man einfach die Figuren, die vorher aufrecht standen, niedergelegt hätte. Der Königin hat man ein Kissen unterlegt. Dem Karl, vieleicht 4 oder 5 Jahre alt, einen kleinen Löwen beigegeben, auf dem er steht. Respektive er liegt, aber er hält seine Füsse so, als ob er auf dem Tier steht. Die Königin hält ihre Hände betend von ihrer Brust nach oben gegen den Himmel, so wie Anfänger beim Schwimmen ihre Hände zusammenpressen, um gleich einen ersten Zug zu machen. Und dann gibt es im Seitenschiff am anderen Ende noch einige Gräber mit Grafen, Ritter und einem Domprobst. Die Ritter liegen in voller Rüstung da, stell Dir vor, wie unbequem, für mehr als 600 Jahre. Alle stützen sie ihre Beine auf einen Hund, einen Molosser, würde ich sagen, so wie der kleine Karl das oben tat. Ich glaube, man fand damals, dass diese Figuren etwas unsicher schwebend wirken würden, wenn ihre Füsse einfach ausgestreckt daliegen würden. Deshalb hat man an ihre Sohle einen treuen Hund angeheftet, um einen Abschluss zu machen. Die Typen sind kleiner als wir heute. Sie sind zwischen 1318 und 1403 gestorben. Und sie haben hier im Münster ein durchaus respektables Grab erwischt. Nebenan eine kleine Anschrift, auch alt, auf Leinwand gemalt: Almosen gebt und helft den Armen, so wird Gott Euer sich erbarmen.
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Puh, ich glaube, jetzt muss ich heim und unter die Dusche. Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Mit lieben Grüssen
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