Dienstag, 22. Januar 2019

Unsere Einladung

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Und im RL haben wir unsere Einladung mit den nahezu
30 Personen überstanden. Das war natürlich S's  Idee, und
ich konnte das ganze Projekt nicht direkt und ohne schwere
Schuld aufzuladen, boykottieren. So habe ich versucht, gute
Miene zum bösen Spiel zu machen, obwohl ich solche
Grossveranstaltungen überhaupt nicht mag. Das fängt alles
mit einer Aufregung schon 14 Tage vorher an. Die Möbel
werden umgestellt, Teppiche aufgerollt, Lampen 
umgehängt, Fenster geputzt, Terassen gefegt und so weiter
und so fort. Und dauernd köchelt auf dem Herd ihrgend ein
würziges Gericht, das dann am bestimmten Tag bereit sein
soll. Sowas bringt mich aus dem Häuschen. Den Lärm eines
Staubsaugers kann ich ohnehin nicht ausstehen. Man geht
mit düsterer Miene auf und ab und denkt ans Exil. Korsika?
Amerika? Es ist wirklich eine Qual, und die paar Stunden
netter Gesellschaft gefrässiger Leute wiegt das alles kaum
auf. Nein, sowas würde ich allein für mich nicht tun. Wenn,
dann könnte ich mit 20 Personen ein einfaches Mahl mit
absolutem Self-Service aufziehen. Jeder holt sich selbst,
was er braucht. Und wer will, kann den Wein auch gleich
aus der Flasche trinken. Noch eher sowas, als ein
aufwendiges Buffet und ein serviertes Essen mit drei
Gängen und Männern im Anzug und Damen im Jacket-
Kleid. Aber ich habe es überlebt, knapp. Was mich nicht
umbringt, das stärkt mich.
So ein Fest ist - sagen wir - wie der 14. Juli in Frankreich.
Es gibt grosse Militärparaden. Man zeigt alles, was man
hat bis hin zu den Atomwaffen. Bei uns war es das
Familiensilber, ganze Panzerkolonnen von schwerem
Porzellan, grosskalibrige übergewichtige Karaffen mit
südfranzösischem Wein, silbrig gleissende Platten und
Plättchen und Accessoires bis in die Tischecken hinaus.
Ach, ich weiss wirklich nicht, wozu das alles gut ist. Das
ist wohl diese vielgerühmte Zivilisation, für die die Frauen
zuständig seien. Sagt das nicht Schwanitz in seinem
Männerbuch? Zivilisation ist die Tatsache, dass wir mit
Silberlöffel essen und die Nägel schneiden, dass wir uns
die Bäuerchen untersagen und die Nachbarin nicht in die
Seite kneifen. Nein, das ist vielleicht alles sehr
lebensstabilisierend, aber das Leben selbst ist es bei weitem
noch nicht. Na ja, A und B waren auch dabei, und
zusammen mit S  haben sie bei persischer Musik getanzt.
Das vielleicht war der einzige Pluspunkt in diesem
Sommernachtstraum, diese 10 Minuten reizvollen
orientalischen Tanzes der Frauen.
*
Jetzt muss ich wieder in den Stollen.
Mit einem lieben Gruss
...

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