Donnerstag, 17. Januar 2019
Malen? .. oder schreiben?
...
Und nun zur nächsten CD-ROM, meinem Roman. Weisst Du, Malou, ich hatte vor etlichen Jahren mit meinen Bildern eine, nein sogar zwei Ausstellungen gemacht. S hatte sie initiiert. Es ging alles gut, und ich habe einige Bilder verkauft. Aber es war - wenn ich zurückblicke - zu früh für micht. Ich hätte damals gerne bei einem Profi Malstunden genommen. Aber ich fand keinen, dessen Bilder mir so gefallen hätten, dass ich ihn als Lehrer akzeptiert hätte. Nur einmal hatten wir - sie war eine Künstlerin - gefragt. Irene Zurkinden, eine bekannte Basler Malerin, hatte lange in Paris gelebt und malte irgendwie mit impressionistischem Einschlag. Ihre Bilder haben mir immer zugesagt. Aber sie wollte keine Stunden geben. Sie sei zu alt dafür, meinte sie damals. Heute ist sie - so glaube ich - gestorben. Kurz und gut: mit der Malerei hatte ich einige Erfahrungen gemacht. Und so bleibt der Wunsch, mit Schreiben irgendwie eine Darstellung zu gestalten. Das Ideal wäre, zwischen den beiden Leidensarten zu pendeln, so wie das Dürrenmatt köstlich getan hat. Auch Varlin war übrigens ein exzellenter Schreiber, witzig und pointiert. Aber ich glaube, ein Roman benötigt eine hohe Konzentration, mindestens wenn man ihn sich in konventioneller Weise vorstellt. Deshalb glaube ich, sollte man eine neue Form finden, die der heutigen Zeit entspricht, die eben nicht mehr soviel Konzentration aufzubringen vermag wie dies Henry James noch getan hatte, diese oberflächliche und flatterige, schnellebige Zeit heute. Kennst Du Houellebecq, den französischen Skandal-Schriftsteller? Er schreibt sehr salopp und geradezu obszön hässlich. Vielleicht ist das der neue Dreh? Man sollte sich ja auch nicht gleich einen Roman vornehmen. Ein paar Geschichten würden es auch tun. Ich hatte in Spanien ein kleines Büchlein mit einigen Geschichten des spanischen Erfolgschriftstellers Javier Marias. Sie stammen aus einer Zeit vor ungefähr 10 Jahren und ich war einigermassen erstaunt, wie umständlich seine Sprache und seine Gedankengänge damals bisweilen waren. Es ist wirklich kein Meister vom Himmel gefallen. Marias ist heute natürlich absolut routiniert und professionell geworden. Aber - und das darf man vielleicht auch nicht verschweigen - ich glaube, ein erfolgreicher Romanschriftsteller hat einen ziemlich monotonen Beruf. Dem wäre nur die Reiseschriftstellerei vorzuziehen, wie sie Noteboom betreibt. Noteboom kann immerhin die Hälfte des Jahres in der Welt herumreisen, um die andere Hälfte in seiner Villa im Mittelmeer darauf zu verwenden, seine Zettelchen zu ordnen und in eine sinnige Reihe zu bringen. Ich bin sicher, Schreiben erfordert noch mehr Selbstdisziplin als Malen. Meine Selbstdisziplin ist nicht mehr so hoch, wie sie früher war. Und ich hatte mich in all den Jahren nicht besonders um die Endprodukte bemüht. Ich habe Zeichnen, Malen und Schreiben immer mehr zum eigenen Vergnügen gemacht und nie auf ein Werk gezielt. Aber heute denke ich, es wäre schön, wenn etwas Bleibendes resultieren könnte. Die Bilder, die ich vor gut 10 Jahren gemacht hatte, gefallen mir heute besser als damals. Damals hatte ich sie stets mit hyperkritischen Augen angeschaut. Ein Freund aus dem Club, Modejournalist und sehr künstlerischer Typ, ermuntert mich immer wieder, zu malen. Aber, das ist vielleicht mein Schicksal, ich bin kein Monomane. Ich kann mich nicht bloss auf ein Ding konzentrieren. Ich liebe die Abwechslung. Ich lasse mich gerne ablenken. Ich bin - um es in einem Wort zu sagen - ein bisschen flatterhaft. In dieser Hinsicht bin ich ja auch noch ziemlich modern.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Oha, wenn ich Noteboom hier lese, dann MUSS ich einfach schreiben, ihn loben. Ich will ehrlich sein, ich mag gar nicht so seine Prosa, für seine Lyrik jedoch gehe ich durchs Feuer, lächel... eine Geschmacksfrage sowieso...
AntwortenLöschenLG, Edith
Liebe Edith,
AntwortenLöschenIch würde gern eine Kostprobe von Notebooms Lyrik sehen. Schickst du mir eine?
Liebe Grüsse
Malou