Freitag, 18. Januar 2019
Re: Malen oder schreiben?
Lieber ...,
Ich hatte eigentlich von diesem Tag nichts mehr gutes erhofft, als ich mich an den PC setzte und in meine mailbox schaute. So kam dein Mail als eine grosse freudige Überraschung. Ich brauchte eins.
Manchmal (so heute) zweifle ich nämlich an allen meinen gutenVorsätzen. Die Bekannten von mir, diejenigen, die schon ihre volle Freiheit geniessen und denen ich gesagt habe, dass ich jeden Tag etwas wichtiges tun möchte, sagen mir lachend ins Gesicht, dass ich das vergessen kann. Es wird ganz einfach nichts daraus. Sag, sind wir Menschen wirklich so sehr auf äusseren Zwang angewiesen?
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Ja doch, ich kenne diesen Houellebecq oder wie er sich nun schreibt. Ich habe ihn hier in der Bibliothek introduziert. Wenn ich gewusst hätte, welche Themen er behandelt, hätte ich es wohl nicht getan. Aber ich wusste nur, dass man ihn sehr lobte und mit Sartre verglich und ich war neugierig geworden auf ihn.
Es freut mich, dass du schreiben möchtest. Ich meine, wenn du so schreibst, wie du mir schreibst, dann kann es nicht besser sein. Natürlich machen sich viele einen Namen, indem sie etwas Schockierendes bringen, das bisher Tabu war. Aber das hast du nicht nötig.
Wenn ich einen Roman schreiben würde, dann würde er von einer älteren Frau handeln, die von ihrem Leben enttäuscht, in eine Cyberwelt flieht. Ein Roman mit demselben Thema, wie es Bichsel in seiner Kurzgeschichte "Ein Tisch ist ein Tisch" verwendet. Du kennst sie sicher. Der alte Mann findet sein Leben so öde und langweilig bis er eines Tages auf den Gedanken kommt alle Wörter mit anderen zu ersetzen. Er glaubt, dass sich sein Leben nun ändern wird und er hat viel Spass dabei. Doch er verlernt darüber seine eigene Sprache und kann sich am Ende mit niemandem mehr verständigen.
Es ist eine wunderbare aber auch sehr traurige kleine Geschichte, die ich die Jahre hindurch im Unterricht verwendet habe. Bichsel hat sie sogar selbst für den schwedischen Schulfunk vorgelesen. Aber das habe ich dir vor langer Zeit schon einmal erzählt.
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In der Zeitung habe ich gerade wieder von einer Person gelesen, die das Buch "Blonde" über alles preist, und ich frage mich warum ich nicht darin weiterkomme. Ich kämpfe wirklich damit. Am liebsten möchte ich es nur liegen lassen, aber dann bin ich wiederum neugierig, was Leute so gut daran finden. Aber da, wo ich mich befinde, ist M. Monroe immer noch ein Kind, obwohl ihr tragisches Leben eigentlich schon begonnen hat. Hast du das Buch gelesen?
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Nun verabschiede ich mich für heute.
Mit lieben Grüssen,
Malou
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