Montag, 25. September 2017

Sonntagnachmittag





Ämne: sona
Datum: den 29 september 15:26

Liebe Marlena
An diesem wunderschönen frühherbstlichen
Sonntagnachmittag setzt ich mich rasch an den PC, um
meiner hungrigen Mausfreundin ein bisschen Käse
hinzubröseln. Das Ende der letzten Woche war ziemlich
turbulent. Und das hängt vor allem auch damit zusammen,
dass wir nun für zwei Wochen Schulferien haben. Alle
wollten noch ihre Arbeiten abschliessen und den Tisch
freiräumen.
Am Freitag war ich den ganzen Nachmittag in Basel, um
einen Kurs füri die Zeit nach den Ferien vorzubereiten.
Meine Kollegin, mit der zusammen ich das gemacht habe,
war in Hochstimmung, weil sie am Samstagmorgen nach
Cuba abfliegen sollte. Anschliessend bin ich noch rasch
in die Bibliothek gegangen und habe mir gegen 30 Bücher
geholt, die ich in den nächsten Tagen rezensieren will. Das
ist eine Nebenbeschäftigung, die mir immer sehr viel
Genugtuung und natürlich auch viel Anregung und neue
Information gibt. Zur Zeit bin ich noch daran, ein Buch
von Gaarder zu lesen (Die magische Bibliothek von
Bibi Brikken oder ähnlich). Gaarder ist immer etwas
anspruchsvoll zum Lesen und braucht länger als andere
Bücher. Daneben habe ich ein kleines Taschenbuch
angefangen, das in Yoga einführt. Du siehst, ich bin auf
breiter Front immer beschäftigt.

Ich freue mich jetzt auf die zwei ruhigen Wochen hier im
Büro. Ich werde gelegentlich einen Tag frei nehmen, einmal
um an die Expo zu fahren, ein andermal vielleicht, um
meine Geschichte wirklich zu Ende zu bringen. Dazu
brauche ich eben die richtige Arbeitsstimmung. Und wann
sie kommen wird, das liegt in den Köpfen der Götter.

Heute haben wir endlich wieder schönes Wetter, nachdem
es beinahe eine ganze Woche lang geregnet hat. Dann
schätzt man diese Aufhellung ganz besonders. Und ich
hoffe natürlich, dass sie noch einige Zeit anhalten wird. In
einer knappen Stunde werde ich wieder heimfahren, um
dann nach Lenzburg zu starten. Das ist unser obligates
Sonntagsprogramm.
B. ist gestern in ihre Ferien abgeflogen. Sie hatte sich
entschieden, nochmals nach Djerba zu gehen, dieses Mal
zusammen mit einer Freundin. Sie hat das gewählt, weil die
Leute dort französisch sprechen und auch ihre Freundin
fliessend sprechen kann. Sie will für ihr Abitur ein bisschen
üben. Und A., nachdem sie ihre erste Prüfung in Jura so gut
bestanden hat, überlegt, das Fach zu wechseln und ev. doch
Architektur zu wählen. Sie war deswegen während einer
Woche im Wallis bei meinem Bruder. Und sie sagt, der
einzige Faktor, der sie noch abhält, ist die Tatsache, dass
die wirtschaftlichen Aussichten nicht gut sind. Es gibt zu
viele Architekten. Alles ist schon gebaut in der Schweiz.
Es gibt kaum mehr Raum für mehr Architektur. Also
beschäftigen sich die Architekten mit Umbauten, mit
Stadtplanung etc. Ich möchte ihr gerne abraten. Aber es
ist nicht gut, wenn ich das zusehr tue. Die Gedanken, die
sie sich macht, sind durchaus vernünftig. An der
Architektur schätzt sie die Vielseitigkeit, die Abwechslung
bei der Arbeit, Einzelarbeit, Kontakte mit Leuten,
Büroarbeit, Arbeiten draussen, der Umgang mit dem
Material, Zeichnen, Papier, Modellbau und all diese Dinge.
Und natürlich das Schlussresultat, was sie sehr betont.
Das kann ich gut verstehen, das war für mich auch immer
wichtig. Über längere Zeit am gleichen Thema zu bleiben,
oder dieselben Dinge zu tun, das war für mich auch immer
rasch monoton. Und wenn man diese Vorstellung der
Architektenarbeit mit jener des Juristen vergleicht, dann ist
es sicher, dass der Jurist eine viel abstraktere Arbeit tut. Er
hat zu tun mit Verträgen, mit §§§, mit Interpretationen.
Das ist in der Regel reine Papierarbeit, die Anschaulichkeit
fehlt mehr oder weniger. Und ich glaube, dass es das ist, was
A meint. Die Sinnlichkeit fehlt ihr in der Jurisprudenz.
So siehst Du: Ich habe gedacht, wir hätten diese
Studienwahl überstanden, und schon fängt sie wieder vorne
an. Na ja, es ist nicht gänzlich vorne. Aber immerhin ist die
Sache noch nicht ausgestanden. Aber ich glaube, A bewegt
sich im Moment stark und versucht, sich von verschiedenen
Seiten informieren zu lassen. Das immerhin finde ich gut in
einer Situation, in der man sich nicht sicher fühlt. Wir
werden sehen wie alles herauskommt.

Deshalb: freuen wir uns am schönen Wetter und an den
kleinen Dingen des Lebens, der Nachspeise, dem würzig
riechenden Expresso, den hübschen Frauen
und den goldenen Aepfeln.

Mit einem lieben Gruss

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