Freitag, 8. September 2017
Re: Plaudertasche
Liebe Marlena
Ja, das war ein schönes Mail von Dir. Ich will nicht sagen, dass Du eine Plaudertasche seist. Aber es scheint Dir im Moment gut zu gehen. Das sieht man schon daran, dass die Koinzidenzien Dir einfach so zufliegen. Und wess das Herz voll, dess geht geht der Mund über. Das ist ein Zitat von unserem sprachmächtigen Martin Luther. Ich pflege, als Heimwehwalliser, den Satz abzuwandeln und sage: Wess das Glas voll, dess geht der Mund über. Auch das stimmt, das sieht man im Wallis immer wieder.
Ich glaube, Du hast neben Deiner Arbeit eine Leidenschaft gefunden, Marlena. Nicht wahr? Das macht Dich so schön energisch und froh! Und das ist es auch, was ich suche. Vielleicht schaffe ich es bald. Irgendwie muss es schon gehen.
Kann ich nicht verstehen, dass Du meine Skizze nicht bekommen hast. Und irgendwann habe ich auch ein Bild geschickt. Hast Du beide nicht erhalten? Ich sag doch, mit meinem System ist irgend was nicht in Ordnung. Das funktioniert ungefähr so wie der amerikanische Geheimdienst. Die Infos, die hinüber sollten, gehen nicht. Und diejenigen, die nicht sollten, rieseln durch die elektronischen Lücken.
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Immer wieder muss ich schmunzeln, wenn Du von Eurem Militär in der Schule sprichst. Ich finde das so etwas von komisch, einen alten General als Schuldirektor zu haben. Ich hätte Euch Schweden nie soviel Originalität zugetraut. Was sagen denn die Eltern und die Schüler dazu. Ich nehme schon an, dass die Leitung sich wohl auf die administrativen Belange beschränkt. Man kann ja von einem Herrn General nicht verlangen, dass er plötzlich noch Pädagoge wird. Und trotzdem ist es komisch, oder oekonomisch! Wie man will!
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Im Büro sind wir daran, umzubauen. Wir hatten in den letzten 5 Jahren ziemlichen Platzmangel. Und nun ist auf unserem Stock eine Firma umgezogen, so dass wir den ganzen Stock mieten konnten. Wir haben Mauern herausbrechen lassen und werden in Zukunft ungefähr einen Drittel mehr Büroraum zur Verfügung haben. Das ist gut, aber im Moment braucht es immer wieder Zeit, weil unvorhergesehene Fragen zu klären sind.
Und im übrigen, darüber habe ich – so glaube ich – intensiv geklagt, reise ich zwischen drei Stellen hin und her und mache meine Beratungen. Das ist zwar abwechslungsreich, aber auch ziemlich zeitaufwendig.
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Also, wenn ich wieder im Büro bin, schicke ich Dir meine Skizze von Walter. Er ist wirklich sehr stolz auf sich, dh. auf sein Bild, aber ich sage ihm, dass er in natura nie so gut aussieht, wie ich ihn gezeichnet habe. Er will das Bild auf seine Homepage setzen, die er für sein Büro gemacht hat. Und gestern habe ich mit einem Kollegen mein Mittagessen eingenommen und er hat sich auch gleich angemeldet für ein Porträt. Du siehst, Marlena, meine Alternativkarriere sieht steil aus. Ich muss mich daran machen, endlich mein Atelier einzurichten. Aber ich fürchte mich wirklich davor. Wenn ich nämlich anfange zu malen, dann habe ich für nichts mehr Zeit. Dann bin ich so sehr absorbiert, dass alles zu kurz kommt: die Arbeit, die Familie, der Schlaf, die Lektüre. Deshalb zögere ich noch. Ich habe etwa seit 10 Jahren nicht mehr in Öl gemalt. Und damals hatte ich wirklich halbe Nächte durchgemacht und gemalt und wieder herunter gekratzt und nochmals gemalt und wieder korrigiert. Heute -–so glaube ich – wüsste ich genauer, wie ich es machen muss. Aber ich fürchte mich trotzdem ein wenig, wie gesagt. Du hat Deine Unterstützung schon zugesagt. Das habe ich in guter Erinnerung.
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Ich hoffe, dass es Dir so gut geht, wie Dein Mail klingt. Erzähl mir von Deiner Leidenschaft.
Ich grüsse Dich mit Liebe
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